Panorama

Polen kämpft gegen Hochwasser EU bietet Hilfe an

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dpa

Wegen der Hochwasserkatastrophe bittet Polen um die Unterstützung der EU-Mitgliedstaaten. Deutschland und Frankreich liefern umgehend besonders leistungsfähige Hochwasserpumpen an. Weitere Unterstützung aus EU-Ländern ist bereits angelaufen.

Die seit Tagen anhaltenden Überschwemmungen haben in Polen bislang sechs Menschen das Leben gekostet. In Krakau wurden mehrere Straßen nach einem Dammbruch von den Fluten der Weichsel überschwemmt. Rund 500 Menschen mussten nach Angaben der Feuerwehr in Sicherheit gebracht werden; ein bei ausländischen Touristen beliebtes Hotel wurde evakuiert. Vorsorglich schlossen die Behörden mehrere von dem Hochwasser bedrohte Schulen.

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In Tarnobrzeg wird ein Mann von den Fluten umgerissen. Er wird gerettet.

(Foto: dpa)

Nach heftigen Regenfällen waren vor vier Tagen die Oder, die Weichsel und andere Flüsse in Mitteleuropa über die Ufer getreten. Besonders betroffen ist Südpolen, vor allem Schlesien. Dort wurden mehrere Brücken von den Fluten mitgerissen, zahlreiche Straßen waren überschwemmt. Rettungskräfte brachten tausende Menschen aus den überfluteten Gebieten.

Hilfe aus EU-Ländern

Deutschland und Frankreich wollen das vom Hochwasser geplagte Polen unterstützen. Wegen der Katastrophe habe Warschau um die Unterstützung der EU-Mitgliedstaaten gebeten, sagte EU-Kommissionssprecher Ferran Tarradellas in Brüssel. Deutschland habe dem Nachbarland umgehend fünf besonders leistungsfähige Hochwasserpumpen angeboten, Frankreich ebenfalls. Die Pumpen seien bereits auf dem Weg nach Polen. Weitere Unterstützung aus EU-Ländern sei bereits angelaufen.

Entspannung in Ungarn

Das ebenfalls von heftigen Regenfällen verursachte Hochwasser in Teilen Ungarns geht vielerorts zurück. Kritisch sei die Lage nur noch an den nordungarischen Flüssen Zagyva und Bodva, erklärte der Staatssekretär im Umweltministerium, Laszlo Kothaly, in Budapest. Insbesondere die an der Bodva gelegene Kleinstadt Edeleny kämpfe noch mit den Wassermassen. Außerdem wurde die Autobahn M1 von Budapest nach Wien in Westungarn wegen Unterspülung an zwei Stellen gesperrt.

Dagegen entspannte sich die Lage an den nord- und ostungarischen Flüssen Sajo, Hernad, Ipoly und Tarna, sagte Kothaly weiter. Dort waren am Vortag noch Rekord-Hochwasserstände registriert worden. Die Wassermassen all dieser Flüsse fließen unter anderem über die Theiß und die Donau ins Schwarze Meer.

Beruhigung in Tschechien und Slowakei

In Tschechien und der Slowakei geht das Hochwasser inzwischen langsam zurück. Am Mittwoch meldeten die tschechischen Behörden aus zehn Orten Hochwasseralarm, am Dienstag waren es noch 15 gewesen. Der Pegelstand in vielen mährischen Flüssen fiel erstmals seit Sonntag. Entlang der Oder und ihrer Zuflüsse im nordöstlichen Landesteil wurde aus Bohumin und Vernovice an der Grenze zu Polen über kritische Situationen berichtet. Laut Prager Nachrichtenagentur CTK tritt auch der Donau-Nebenfluss Morava (March) weiter über die Ufer.

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Wieder müssen tausende Sandsäcke gefüllt werden.

(Foto: dpa)

Auch in den meisten slowakischen Landesteilen hat sich die Lage entspannt. Der Fluss Ondava hatte in den vergangenen Tagen zwischen den Bezirksstädten Michalovce und Trebisov an mehreren Stellen Dämme durchbrochen und Häuser, Straßen und Felder überflutet. Mehrere Campingplätze und Tankstellen mussten wegen des Hochwassers gesperrt werden. Tausende Soldaten sind im Einsatz, um der Feuerwehr bei den Rettungs- und Aufräumungsarbeiten zu helfen.

Brandenburg rüstet sich

Während in Polen Dammbrüche, Evakuierungen und auch Todesopfer die Schlagzeilen bestimmen, erwarten Experten, dass die Flutwelle in Deutschland zu Pfingsten wesentlich glimpflicher anrollen wird. Seit dem Jahrhunderthochwasser von 1997 wurden entlang der Oder und deren Zuflüsse nicht nur moderne Pegelmessstationen installiert, sondern auch die Weitergabe der Daten und die Kommunikation der Experten grenzüberschreitend verbessert. So steht das Brandenburger Landesumweltamt in engem Kontakt mit den polnischen Kollegen.

Das Wasser stammt aus den Quellgebieten von Oder und Weichsel in Polen. Derzeit meldet Polen Messwerte, die an der Oder rund 1,60 Meter unter der Rekordmarke von 1997 liegen. Dennoch gibt es für Entwarnung keinen Grund, denn am Mittellauf der Oder steigt das Wasser in Polen weiter.

Erinnerungen an 1997

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Gespanntes Warten auf die Flut in Brandenburg.

(Foto: dpa)

In Ratzdorf rund 15 Kilometer südlich vor Eisenhüttenstadt mündet an der deutsch-polnischen Grenze die Lausitzer Neiße in die aus Polen kommende Oder. Dort ist derzeit noch alles normal. Die Menschen bereiten sich nicht auf eine Evakuierung vor. 1997 kamen aus Ratzdorf noch dramatische Hochwasserbilder, als sich die Oder auf einer Länge von etwa 30 Kilometern Richtung Norden ins Hinterland ergoss und Orte wie Aurith und andere Teile der Gemeinde Ziltendorf teils bis zu den Dachrinnen unter Wasser setzte. Am 22. Juli 1997 wurden dort Menschen und Tiere in Sicherheit gebracht, einen Tag später begann eine ganze Serie von Deichbrüchen. Die Ziltendorfer Niederung lief kilometerweit wie eine riesige Badewanne voll.

Die Hochwasserkatastrophe löste weit über die Grenzen Deutschlands hinweg eine Spendenwelle aus. Das US-Popidol Michael Jackson spendete Geld für den Wiederaufbau der Schule, die es in Ratzdorf jedoch gar nicht gab. Die Gemeinde legte das Geld unter anderem in einem nach dem King of Pop benannten Kinderspielplatz an.

Modernste Deichanlagen

Das jetzt erwartete Oderhochwasser ist nach Meinung von Umweltexperten in seinen Folgen nicht mit jenem vor 13 Jahren vergleichbar. Seit 1997 wurden mit Millionen-Fördergeldern die Deiche grundlegend mit moderner Technik erneuert und aufgestockt. Im Fall des Falles können dafür vorgesehene Polderflächen, also tief gelegene Oderwiesen, gezielt geflutet werden, um Pegelspitzen ihren gefährlichen Druck zu nehmen. Gescheitert ist indes die eigentlich sinnvolle Umsiedlung von Menschen aus den Hochwasserrisikogebieten. Die Spendenwelle hatte dazu beigetragen, dass die Hochwasserschäden für die Bewohner ohne gravierende finanzielle Folgen blieben und niemand sein Haus verlassen wollte.

Quelle: n-tv.de, dpa

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