Ehrungen nicht mehr angemessen?Heidelberger Mäzen Jarecki hatte enge Freundschaft mit Epstein

Über Jahrzehnte hat der Name Henry Jarecki in Heidelberg einen guten Klang. Jarecki unterstützt die Stadt mit Millioneninvestitionen. Die Epstein-Files zeichnen jedoch ein anderes Bild von dem Mann, der nun sogar sein Bundesverdienstkreuz verlieren könnte.
Der über viele Jahre als Philanthrop und Mäzen geschätzte Psychiater, Unternehmer und Investor Henry Jarecki ist durch die Veröffentlichung der Epstein Files unter Druck geraten. Jarecki war über Jahre hinweg als Förderer wissenschaftlicher und sozialer Projekte in Heidelberg aktiv.
Mehrere Medienberichte legen nun eine enge Freundschaft zu dem verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein nahe. Jarecki ist demnach der Empfänger einer der ersten E-Mails, die Epstein im Juli 2009 nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis verschickte. Den Akten zufolge schrieb Epstein an Jarecki: "Frei und zu Hause." Zuvor hatte er wegen Prostitution einer Minderjährigen mehrere Monate in Haft verbracht. "Der König ist zurück!", antwortet Jarecki demnach, "ich hoffe, du kommst nicht zur Besinnung. Und wann ist die Party?"
Im Juni 2010 schrieb Epstein an Jarecki: "Wenn es etwas gibt, was ich tun kann, kannst du auf mich zählen." Jarecki antwortete: "Danke. Ich weiß." Nach bisherigem Kenntnisstand schrieben Epstein und Jarecki über die Jahre mehr als 450 E-Mails. Auf den vom US-Justizministerium veröffentlichten Bildern ist Jarecki ebenfalls zu sehen.
Millionen für Heidelberg
Über die nach seinem Vater benannte Max-Jarecki-Stiftung hatte Jarecki über Jahre hinweg große Summen in Deutschland investiert. Dem "Spiegel" zufolge gingen seit 2010 so etwa mehr als 250 Millionen Euro in das Heidelberger Stadtentwicklungsprojekt Bahnstadt. 2014 ernannte die Universität Heidelberg Jarecki zum Ehrensenator, 2016 erhielt er unter anderem für seine jahrzehntelangen Bemühungen um das deutsch-amerikanische Verhältnis das Bundesverdienstkreuz.
Die Heidelberger Bundestagsabgeordnete und Co-Vorsitzende der Grünen Franziska Brantner forderte zusammen mit einer Landtagsabgeordneten ihrer Partei und der Gemeinderatsfraktion von Oberbürgermeister Eckart Würzner sämtliche Beziehungen und die Zusammenarbeit der Stadt Heidelberg mit Jarecki zu überprüfen. "Zudem bitten wir den Bundespräsidenten zu prüfen, ob Dr. Henry G. Jarecki das Bundesverdienstkreuz entzogen werden kann", schrieben sie in einer gemeinsamen Pressemitteilung. "Ebenso bitten wir die Universität Heidelberg um die Überprüfung des Ehrensenator-Titels."
Zuvor hatte es bereits ähnliche Forderungen von der Stadtratsfraktion der SPD in Heidelberg gegeben. Der Fraktionsvorsitzender Sören Michelsburg forderte eine Aufklärung und Entkräftung der Vorwürfe. "Bis dahin sollte die Stadt Heidelberg die Beziehungen zu Jarecki und seinen Stiftungen einstellen."
Gegen Jarecki selbst lief bis 2025 ein Zivilverfahren wegen Vergewaltigung und Freiheitsberaubung, das schließlich auf Betreiben des Opfers eingestellt wurde. Wie es dazu kam, ist unklar. In den Prozessakten wird Jarecki als der "go-to doctor" von Epstein beschrieben. Epstein schickte demnach seine sexuell missbrauchten Opfer dorthin, wenn diese depressiv wurden. Der Klageschrift zufolge hatte Jarecki die Klägerin in New York festgehalten und vergewaltigte diese über Monate hinweg fast täglich.
Keine Antworten mehr möglich
Der 1933 in Stettin geborene Jarecki war mit seiner Familie vor den Nazis geflohen. In den USA begann seine Karriere 1957 an der Universität Yale, wo er später auch als Professor für Psychiatrie unterrichtete. Anschließend gründete er nach eigenen Angaben eines der weltweit führenden Edelmetall-Handelsunternehmen. Später verkaufte er seine Anteile und engagierte sich in Investmentfirmen.
Ein Sprecher der Max-Jarecki-Stiftung erklärt auf Anfrage des "Spiegel", der inzwischen 92-jährige Jarecki leide an Demenz und könne Fragen zur Sache nicht mehr selbst beantworten. Bevor seine Krankheit fortgeschritten sei, habe er "tiefes Bedauern" über seine Verbindung zu Epstein geäußert.