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Kein Jahrhundert-Event"Elli" verursacht viele Unfälle, doch die Katastrophe bleibt aus

09.01.2026, 20:36 Uhr
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Zahlreiche kleine Schneefiguren stehen auf einer Mauer der Hamburger Krugkoppelbrücke an der Alster. (Foto: picture alliance/dpa)

"Elli" sorgt für zahlreiche Unfälle - in Bayern sterben drei Menschen. Der Zugverkehr bricht im Norden zusammen und ein Kreuzfahrtschiff muss die Reise verkürzen. Doch das befürchtete ganz große Chaos bleibt Deutschland bisher erspart.

Wintersturm "Elli" hat zwar für Schneechaos und einige Unfälle gesorgt, aber die schlimmsten Befürchtungen sind bislang nicht eingetroffen. Die Meteorologen erwarten nach Auflösung des Sturms im Verlauf des Wochenendes sogar winterliches Bilderbuchwetter.

Die Deutsche Bahn will den Fernverkehr in Norddeutschland am Samstagmorgen wieder "schrittweise" aufnehmen. Trotzdem sei bundesweit noch mit Einschränkungen und Zugausfällen zu rechnen. Die Bahn bittet alle Reisenden, sich vor Fahrtantritt in der App DB Navigator und auf der Internetseite der Bahn über die aktuelle Verkehrslage zu informieren. "Es sind vor allem die heftigen Schneeverwehungen, die uns zu schaffen machen", räumte Bahnsprecher Achim Strauß ein.

Viele Straßen waren von Schneefall und akutem Glatteis betroffen. Es gab zahlreiche Unfälle, in Bayern starben drei Menschen. Auf vielen Autobahnen kam es im Tagesverlauf zu kilometerlangen Staus durch festgefahrene und querstehende Lastwagen.

Ein Kreuzfahrtschiff der Reederei Aida musste wegen "Elli" vorzeitig nach Hamburg zurückkehren. Das Schiff kam am frühen Freitagmorgen im Hamburger Hafen an, wie die Rostocker Kreuzfahrtreederei mitteilte. Ursprünglich hätte das Schiff erst am Samstagmorgen in der Hansestadt ankommen sollen.

Nach Reedereiangaben hätte die "Aidanova" am Donnerstag eigentlich die englische Hafenstadt Southampton anlaufen sollen. Doch der Stopp entfiel - das Schiff begab sich am Mittwochabend ab Cherbourg in Nordfrankreich direkt auf den Weg nach Hamburg. Aida teilte mit, die Gäste könnten auf Wunsch in Hamburg noch auf dem Schiff bleiben. Die Reise ende offiziell wie geplant am Samstag, betonte die Reederei.

Hamburger Polizei: Viele Menschen sind zu Hause geblieben

Die winterlichen Warnmeldungen - einige Meteorologen sprachen sogar von Lebensgefahr - zeigten offenbar ihre Wirkung. Ein Hamburger Polizeisprecher teilte mit, die Lage sei ruhiger als erwartet, was daran liege, dass viele Menschen zu Hause geblieben seien. Auch in Schleswig-Holstein berichtete die Polizei von einem eher ruhigen Verkehrsgeschehen auf den Straßen.

In den besonders betroffenen Ländern Niedersachsen und Bremen kam es zu zahlreichen Unfällen, aber meist blieb es bei Blechschäden. Auch gab es laut Angaben mehrerer Kliniken in der Region keine besonderen oder unbeherrschbaren Auswirkungen.

Der Busverkehr in und um Hannover musste wegen des Winterwetters am Freitagabend komplett eingestellt werden. Die Sicherheit der Fahrgäste sei nicht mehr gewährleistet, teilte das zuständige Verkehrsunternehmen Üstra mit. Zuvor waren in Hannover am späten Nachmittag zwei Stadtbahnen der Üstra unabhängig voneinander entgleist. Ursache seien festgedrückter Schnee und Eis im Gleisbereich gewesen. Ein Fahrer wurde dabei verletzt und in ein Krankenhaus gebracht. Fahrgäste waren nach Angaben des Unternehmens nicht betroffen.

"Nichts sonderlich Außergewöhnliches"

Die schlimmsten Erwartungen der Meteorologen hat "Elli" nicht mit sich gebracht. "Ich würde es nicht als ein Jahrhundert-Event einordnen. Das ist es auf gar keinen Fall", ordnete Meteorologe David Menzel vom Deutschen Wetterdienst (DWD) das Tief ein. "Es ist ein winterlicher Sturm und - wenn man das große Ganze betrachtet - nichts sonderlich Außergewöhnliches."

Am Wochenende soll sich "Elli" langsam auflösen. In Nord- und Ostdeutschland lässt der Schneefall etwas nach. "Wobei insbesondere von der Ostsee her sowohl nachts als auch am Samstag tagsüber weitere Schneeschauer drin sind", sagte ntv-Meteorologe Björn Alexander. "Zeitgleich drückt übrigens der Oststurm das Wasser an der Ostsee in die Uferbereiche, so dass die Wasserstände an der schleswig-holsteinischen Küste über ein Meter höher sein können als normal, was wiederum einer Sturmflut entspricht."

In Sachsens Skigebieten sind derweil viele Pisten, Lifte und Loipen geöffnet. In Thüringen sollen die wegen Sturms geschlossenen Pisten am Wochenende wieder befahrbar sein. "Wir haben traumhafte Bedingungen", sagte auch Jörg Wilke, Sprecher des Skigebiets im hessischen Willingen.

Doch der Winter ist noch lange nicht vorbei: "Bereits ab Montag folgen aus Westen erneut atlantische Tiefausläufer mit Schnee, Regen und Glätte", warnte ntv-Meteorologe Alexander.

Quelle: ntv.de, bho/dpa

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