Wirtschaft

Produktion wird wohl nachgeholtWintereinbruch bremst Konjunktur leicht aus

09.01.2026, 17:33 Uhr
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Der Logistikverband BGL sieht sich trotz Schnee und Eis gut aufgestellt. (Foto: picture alliance / Andreas Franke)

Der kräftige Wintereinbruch könnte die Januar-Bilanz vieler Firmen kurzzeitig eintrüben, warnen Ökonomen. Während die Bauindustrie besonders stark leidet, dürften einige Einzelhändler sogar von den starken Schneefällen profitieren.

Der Wintereinbruch schlägt Ökonomen zufolge auch auf die deutsche Konjunktur durch - aber wohl nur leicht. "Das gibt sicher einen erheblichen Rückschlag für die Bauindustrie im Januar", sagte der Chefvolkswirt der Berenberg Bank, Holger Schmieding, angesichts der Kältewelle mit teilweise viel Schnee. Auch einige andere Bereiche dürften betroffen sein, wenn Mitarbeiter für einige Tage nicht zur Arbeit kommen, Kunden nicht erscheinen könnten oder Transportwege kurzzeitig gesperrt seien.

"Diese Verluste werden erfahrungsgemäß kurz danach weitgehend aufgeholt", sagte Schmieding. "Die Monatszahlen können erheblich betroffen sein, die Quartalszahlen zur Wirtschaftsleistung wohl nur geringfügig."

Das sieht ING-Chefvolkswirt Carsten Brzeski ganz ähnlich. "Ich würde dem bisherigen Wintereinbruch noch keine 0,1 Prozentpunkte Wachstumsverlust zuschreiben wollen", sagte Brzeski. "Hinzu kommt ja auch, dass der Schnee irgendwann wieder weg ist und dann liegengebliebene Produktion nachgeholt wird." Zudem sei der Süden der Republik noch nicht so schwer betroffen. Auch sei Heimarbeit in vielen Bereichen möglich.

Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) hatte zuvor mitgeteilt, dass etwa die Straßenbauarbeiten derzeit "größtenteils ruhen". Bereits Lufttemperaturen unter fünf Grad Celsius ließen eine Baustelle im Straßenbau zum Erliegen kommen. "Auch das Ausheben von gefrostetem Boden kann mit konventionellen Methoden nicht erfolgen - alles darüber hinaus ist mit erhöhten Kosten verbunden", hieß es. Die betroffenen Bauunternehmen würden die Wintergeldregelung nutzen - eine finanzielle Unterstützung für Beschäftigte, die Lohnverluste durch witterungsbedingte Arbeitsausfälle ausgleicht.

Handel rechnet nicht mit Versorgungsengpässen

"Der Einzelhandel in Deutschland und seine Logistikketten sind auf Schnee und Eis im Winter hervorragend vorbereitet", erklärte der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Deutschland (HDE), Stefan Genth. Der Logistikverband BGL sieht sich ebenfalls gut aufgestellt.

Einige Händler dürften sogar vom Wintereinbruch profitieren. "Erfahrungsgemäß steigen die Umsätze mit warmer Winterbekleidung bei niedrigen Temperaturen", sagte HDE-Experte Genth. "Der größte Teil der Kunden ist bei warmer Bekleidung wie Winterjacken, Mützen, Schals und Handschuhen eher Bedarfskäufer - insofern kann das kalte Wetter für höhere Umsätze in diesem Bereich sorgen."

Die deutschen Flughäfen und die Bahn stellen sich derweil auf Behinderungen des Luft- und Zugverkehrs durch die erwarteten Schneestürme ein. Der gesamte Schienenverkehr im Großraum Hannover sei bis mindestens Freitagmittag eingestellt, teilte die Deutsche Bahn mit.

Quelle: ntv.de, bho/rts

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