Obdachloser in Berlin angezündetErmittler sprechen von versuchtem Mord

Beinahe verbrennt ein schlafender Obdachloser in einem Berliner U-Bahnhof. Nur Passanten verhindern Schlimmeres. Gegen sechs Jugendliche und junge Männer erhebt die Staatsanwaltschaft nun Anklage.
Gegen sechs Jugendliche und junge Männer, die in Berlin mutmaßlich einen Obdachlosen anzünden wollten, ist Anklage wegen versuchten Mordes erhoben worden. Das teilte die Staatsanwaltschaft Berlin mit. Den Männern drohen mehrjährige Freiheitsstrafen.
Sie wirft den Flüchtlingen im Alter zwischen 16 bis 21 Jahren vor, in der Nacht zum ersten Weihnachtstag mehrere brennbare Gegenstände neben dem Kopf des Obdachlosen angezündet zu haben. Das Opfer lag auf einer Bank im Kreuzberger U-Bahnhof Schönleinstraße.
"Die Angeschuldigten sollen dabei erkannt und billigend in Kauf genommen haben, dass der schlafende Geschädigte durch ungehindertes Ausbreiten des Feuers qualvoll hätte verbrennen können", so die Staatsanwaltschaft.
Passagiere einer einfahrenden U-Bahn löschten das Feuer und verhinderten so Schlimmeres. Die jungen Männer wurden mit Bildern von Überwachungskameras gesucht und stellten sich daraufhin der Polizei. Warum die Männer den Mann anzünden wollten, blieb unklar.
Gewalttaten sorgen für Aufsehen
Einem 17-jährigen Begleiter wird unterlassene Hilfeleistung vorgeworfen. Die Anklage wurde vor einer Jugendkammer des Landgerichts Berlin erhoben. Der Angriff gegen den Obdachlosen hatte Weihnachten bundesweit Entsetzen ausgelöst.
Gewalttaten auf Bahnhöfen der Berliner U-Bahnlinie 8 hatten zuletzt mehrfach für Aufsehen gesorgt. So sorgte die Attacke auf eine Frau im Bahnhof Hermannstraße für Empörung. Auf Bildern einer Überwachungskamera war zu sehen, wie ein Mann der 26-Jährigen ohne erkennbaren Grund in den Rücken trat, so dass sie die Treppe hinab stürzte.