Panorama

Großer Philosoph der GegenwartErnst Tugendhat stirbt mit 93 Jahren

13.03.2023, 15:17 Uhr
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"Das menschliche Verstehen lässt sich nur in Reflexion auf fundamentale sprachliche Strukturen erhellen", lehrte Tugendhat. (Foto: picture alliance / dpa)

Als Kind muss er mit seiner Familie vor den Nazis fliehen. Später prägt er die Sprachphilosophie wie kein anderer, manche seiner Vorlesungen gehen in die Geschichte ein. Nun ist Ernst Tugendhat gestorben - seine Theorien aber bleiben unvergessen.

Der Philosoph Ernst Tugendhat ist tot. Er starb im Alter von 93 Jahren in Freiburg im Breisgau, wie sein Sohn mitteilte. Tugendhat war einer der wichtigsten Philosophen der Gegenwart, vor allem auf dem Gebiet der analytischen Sprachphilosophie.

Geboren wurde er 1930 in Brünn (heute Brno in der Tschechischen Republik). Die Familie floh 1938 vor den Nationalsozialisten - zuerst in die Schweiz, später nach Südamerika. Nach dem Krieg studierte Tugendhat an der Stanford-Universität in Kalifornien Klassische Philologie.

Zum Studium der Philosophie Martin Heideggers kam er 1949 nach Europa zurück. Freiburg, Tübingen, Heidelberg, Max- Planck-Institut Starnberg, Freie Universität Berlin - das waren seine wichtigsten Stationen, bis er 1992 wieder nach Südamerika ging, um in Santiago de Chile zu lehren.

Vorlesungen gingen in die Geschichte ein

Tugendhat widmete sich verschiedenen philosophischen Themen, unter anderem erörterte er die Angst der Menschen vor dem Tod. Manche von Tugendhats Vorlesungen gingen sogar in die Geschichte der Philosophie ein. So etwa die zur Einführung in die sprachanalytische Philosophie. Anfang der 70er Jahre hatte Tugendhat damit die angelsächsisch-analytische Schule mit der kontinental-europäischen Metaphysik und Transzendentalphilosophie vermittelt.

"Das menschliche Verstehen lässt sich nur in Reflexion auf fundamentale sprachliche Strukturen erhellen", lehrte er einst seine Studierenden in Heidelberg - und machte ihnen die unentrinnbare Unklarheit des Denkens deutlich.

Quelle: ntv.de, can/dpa

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