Panorama

Berlin impft unter Polizeischutz Erste Seniorin hat Piks "gar nicht gemerkt"

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Impfarzt Fatmir Dalladaku (r.) verabreicht der 101-jährigen Gertrud Haase (M.) das begehrte Vakzin. im Pflegeheim Agaplesion Bethanien Sophienhaus.

(Foto: picture alliance/dpa/dpa Pool)

In mehreren deutschen Städten hat die Impfkampagne gegen das Coronavirus begonnen. Die erste Berlinerin, die das Vakzin von Biontech und Pfizer erhält, ist bereits 101 Jahre alt. Vor ihrem Pflegeheim stehen mehrere Mannschaftswagen der Polizei. Die Berliner Gesundheitssenatorin ist zufrieden.

Die Impfungen gegen das Coronavirus sind bundesweit angelaufen. In Berlin bekam am Morgen die 101 Jahre alte Gertrud Haase im Beisein von Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci in einem Pflegeheim eine Spritze mit dem Impfstoff der Firmen Biontech und Pfizer. Gleich danach wurden zwei weitere Seniorinnen geimpft. Mannschaftswagen der Polizei waren vor der Einrichtung platziert. Das mobile Impfteam war gegen 7.45 Uhr in einem Transporter vorgefahren. Am Steuer saß ein Bundeswehrsoldat.

"Ich merke nichts, die Impfung selbst war auch sehr gut. (...) Ich habe den Piks gar nicht gemerkt. Ganz toll", sagte Gertrud Haase anschließend. "Es ist sehr gut, dass man jetzt dagegen geimpft wird. Das ist schon ein großer Vorteil für uns alle Leute hier."

Auch Berlins Gesundheitssenatorin Kalayci zeigte sich erleichtert über den "guten Start" der Impfungen. Es sei das Signal, dass es für das Impfen nie zu spät sei, sagte die Senatorin. Gerade bei älteren Menschen könnten durch Impfungen schwere Krankheitsfälle und viel Leid vermieden werden. Die SPD-Politikerin appellierte an die Hausärzte, ihre Patienten in den Pflegeheimen gut auf das Impfen vorzubereiten und sie zu begleiten. Das mobile Impfteam, das zum ersten Mal im Einsatz war, habe "super funktioniert".

Die ersten Mitarbeiter von Berliner Pflegeheimen sollen am Nachmittag geimpft werden. Um 14 Uhr nimmt in einer Konzerthalle im Bezirk Treptow das erste und mit 80 Impfkabinen größte der sechs Impfzentren der Hauptstadt seinen Betrieb auf.

Bundesweiter Start

Im nordrhein-westfälischen Siegen wurde am Vormittag die 95-jährige Erika Löwer einem Seniorenheim geimpft. In Mecklenburg-Vorpommern begannen die Impfungen in einer Pflegeeinrichtung in Güstrow. "Wir beginnen behutsam und vorsichtig", sagte Landkreissprecher Michael Fengler dem NDR. In Magdeburg begannen drei mobile Impfteams um kurz vor 9 Uhr, Bewohnerinnen und Bewohner eines kommunalen Pflegeheims zu impfen, wie Matthias Boxhorn, organisatorischer Leiter vom zuständigen Johanniter-Regionalverband sagte. Rund 120 Senioren sowie etwa 60 Mitarbeiter wollten sich immunisieren lassen.

Die beispiellose Impfkampagne gegen das Coronavirus startet an diesem Sonntag in ganz Deutschland. Zuerst sollen Menschen über 80 Jahre sowie Pflegekräfte und besonders gefährdetes Krankenhauspersonal immunisiert werden. Dazu werden vor allem mobile Impfteams unterwegs sein. Die mehr als 400 Impfzentren werden größtenteils erst in den nächsten Tagen in Betrieb genommen.

Sachsen-Anhalt prescht vor

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Dirk Heinrich (r.), ärztlicher Leiter des Hamburger Impfzentrums an den Messehallen, begleitet die Ankunft des Impfstoffs im Hospital zum Heiligen Geist im Stadtteil Poppenbüttel.

(Foto: picture alliance/dpa)

In einem Seniorenzentrum in Halberstadt in Sachsen-Anhalt wurden bereits am Samstag die ersten Bewohner und Mitarbeiter geimpft, weil der Landkreis Harz nicht länger warten wollte. Die 101-jährige Edith Kwoizalla wurde geimpft, ebenso rund 40 der 59 Bewohnerinnen und Bewohner. Von den rund 40 Mitarbeitern wollten sich zehn impfen lassen.

"Für uns zählt jeder Tag", sagte der Technische Leiter des Impfzentrums im Landkreis, Immo Kramer, dem MDR. Karsten Fischer vom Pandemiestab des Landkreises sagte dem Sender: "Wir wollen diesen einen Tag, den der Impfstoff an Haltbarkeit dann verliert, nicht verschwenden. Wir wollen ihn gleich ausbringen."

Hohe Impfquote nötig

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn wurde von dem vorgezogenen Impfstart im Landkreis Harz überrascht. Spahns Sprecher sagte der "Bild am Sonntag", der Minister freue sich mit Edith Kwoizalla und wünsche ihr alles Gute. Der Sprecher betonte gleichwohl: "Allerdings hatten wir mit allen Partnerländern der EU und mit den 16 Bundesländern vereinbart, am Samstag an alle auszuliefern und ab Sonntag gemeinsam mit den Impfungen zu beginnen."

Die Bundesregierung wirbt dafür, dass sich möglichst viele Menschen impfen lassen - auch um andere zu schützen. Nach Einschätzung von Experten ist eine Impfquote von 60 bis 70 Prozent nötig, um die Pandemie in den Griff zu bekommen. Nach aktuellen Umfragen haben 65 Prozent der Deutschen vor, sich impfen zu lassen.

Quelle: ntv.de, chr/dpa