Rezepte für Alltag und FesteGina Sandrin lädt zum Schlemmen ein
Von Heidi Driesner
Unkomplizierte Gerichte ohne großen Aufwand an Zeit und Zutaten, die aber richtig gut schmecken, finden immer mehr Anhänger. Doch manchmal fehlt's an Ideen und auch an Erfahrung. Da kommt Gina Sandrin ins Spiel: Mit Wohlfühl-Rezepten in zwei Kochbüchern trifft sie den Nerv der Zeit.
Gina Sandrin liebt die einfache und gute Küche und hat diese Leidenschaft zum Beruf gemacht. Sie ist Köchin, Rezeptentwicklerin, Creatorin und Autorin und hat darüber hinaus "ein Händchen" für Design und Interieur - so entstehen Genüsse für alle Sinne. Täglich begeistert sie ihre Follower mit Einblicken in ihren Alltag, mit Rezepten und Tipps. So hat sie sich schnell eine treue Fan-Gemeinde erarbeitet. Anlass genug, auch in der analogen Welt von sich reden zu machen. Bereits ihr erstes Kochbuch, "Einfach zu gut", wurde ein Bestseller. Daran knüpft sie nun mit "Holy - einfach, anders, gut" nahtlos an.
In "Holy" wird Sandrins Wohlfühlküche fortgesetzt, hier teilt sie ihre rund 80 neuesten Lieblingsrezepte. Auch äußerlich sieht man den beiden Büchern ihre Verwandtschaft an: Auf elegantem Grau (das erste Buch in Dunkel-, das zweite in Hellgrau) setzt eine klare, schnörkellose Prägung von Titel, Autorenname und einem silbrig-glänzenden "G" (wie Gina) sparsame Akzente. Zur hochwertigen Ausstattung beider Bücher gehören Lesebändchen und Bauchbinden, die zeigen, wie lebensfroh der Inhalt ist. Beide Bücher sind im Becker Joest Volk Verlag erschienen.
"Einfach zu gut"
Sandrins erstes Buch (hier noch als Gina Kaas) deckt mit fünf Kapiteln die ganze Speisen-Bandbreite ab: Hauptgerichte, Klassiker, Salate, Snacks, Kuchen und Süßes. Schon beim ersten Rezept läuft mir das Wasser im Mund zusammen: "Pulled Beef Burger". Meine Gedanken wandern im nasskalten Berlin durch die Zeit: Wäre das nicht mal 'ne Idee für eine Gartenparty? Oder der "Kartoffelkuchen" ein paar Seiten weiter, mit Hackfleisch und Gemüse? Oder nur mit Gemüse. Alles ist möglich – und das trifft nicht nur auf die Rezepte zu.
Die Autorin erzählt von ihrem Zuhause, wie aus einem Hunderte Jahre alten Hof ein modernes Heim wurde, ohne den alten Charme zu killen. Sandrin will mit ihrem Buch "auch einen kleinen, aber ganz persönlichen Einblick in das Leben auf unserem Hof geben". Schöne Fotos, flüssig lesbare Texte – ohne Zweifel. Allerdings: "Klein" fällt in Relation zum Umfang des Buches recht großzügig aus, der persönliche Einblick ins Familienleben umfasst acht Kapitel und nimmt ein Drittel des Buches ein. Weniger wäre hier mehr gewesen. Wer vor allem Wert auf Rezepte legt, muss ein bisschen blättern.
Ginas Philosophie
Für die Mehrzahl der Gerichte hält sich der Zeitaufwand tatsächlich in Grenzen. Gebackenes dauert natürlich, Backzeiten müssen eingeplant werden. Wer zum Beispiel das Baguette backen will, muss außerdem noch eine Ruhezeit von zwei Stunden bedenken. Die meisten Rezepte dürften Kochneulinge ansprechen, aber auch Routiniers finden sicher die eine oder andere Anregung. Es gibt gute Grundrezepte für etliche Dips, für eingelegte Gurkenscheiben oder rote Zwiebeln. Auch die Pistazien-Schnittlauch-Butter oder die Frischkäserolle mit gehackten Trockenfrüchten und Pistazien machen was her.
Das alles passt prima zu vielen anderen Rezepten im Buch; die Autorin gibt Tipps dafür. Die Salat-Rezepte sind sehr vielfältig, oft sind sie nicht nur als Beilage zu verstehen – die gibt es auch, aber es sind viele Salate dabei, die satt machen durch Pasta, Couscous, Quinoa oder Süßkartoffeln. Auch ein Kartoffelsalat fehlt nicht, der überraschenderweise im Ofen knusprig gebacken wird; passend dazu ein Dressing-Rezept.
Alle Geschmäcker dürften in "Einfach zu gut" das Passende finden: Für ganze Kerle gibt's den Wikingertopf, für Bescheidene die getoppte Pinsa (inklusive Teigrezept) und für Angeber die Trüffel-Pasta. Wer in Kindheitserinnerungen schwelgen will, kann saure Drachenzungen selbst herstellen und wer Angst vor Vampiren hat, entscheidet sich wahrscheinlich für das Hähnchen mit 100 Knoblauchzehen.
"In einer Welt, die sich ständig verändert, habe ich gelernt, dass es oft die kleinen, meist unscheinbaren Dinge sind, die uns Freude bringen und ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Sei es beim Kochen mit frischen Zutaten oder beim Einrichten unserer eigenen vier Wände, die Wärme und Geborgenheit ausstrahlen", heißt es im Vorwort. Diese Philosophie spiegelt sich im Buch wider: "Das Genießen mit allen Sinnen, das Miteinander von Familie und Freunden und die Kunst, die Schönheit des Lebens in all seinen kleinen Details zu entdecken."
"Holy - einfach, anders, gut"
Auch in ihrem zweiten Buch lässt sich die Autorin über die Schulter in ihr Zuhause gucken, aber moderater als in ihrem Erstling. Zudem geht es hier weniger um häusliches Design und Ambiente, sondern mehr um den Blick in Töpfe und Vorratsschränke, um kleines und großes Zubehör - was man als notwendig erachtet, muss jeder selbst entscheiden. Es gibt nicht nur Fehlkäufe für den Kleiderschrank, sondern auch für die Küche. Wer noch seinen eigenen Koch-Stil sucht, findet hier möglicherweise Anregungen. Mut zum Experiment kann manchmal alles sein, was fehlt.
Wie Sandrin ihre ersten Kochversuche beschreibt, das erinnert mich an meine eigenen Erfahrungen "aus jungen Jahren": Man klebt am Rezept, liest es x-mal rauf und runter, rennt hektisch durch die Küche, rührt willkürlich in den Töpfen, schmeckt unzählige Male ab - und wie bei Gina ist es auch bei Heidi irgendwie gut geworden, meistens jedenfalls. "Am Ende geht es mir genau darum: weniger Stress, mehr Genuss und mehr gemeinsame Momente mit Familie und Freunden, die in Erinnerung bleiben", heißt es im Buch. "Und dann? Einfach kochen, genießen, feiern!"
Ginas Handwerk
In sechs Kapiteln zeigt die Autorin, wie gesunde und genussvolle Ernährung auch mit Gästen funktioniert. Vieles lässt sich gut vorbereiten, Toppings sind I-Tüpfelchen, und Zeit ist auch hier ein wesentlicher Faktor. Gerade beim Zeitaufwand spielen Hilfsmittel wie Küchengeräte eine große Rolle. "Ich glaube, es gibt nichts, das ich nicht habe", so Sandrin.
Das trifft nicht auf alle zu (auf mich jedenfalls ein bisschen) und jeder hat auch in dieser Hinsicht Vorlieben und Tabus. Für Kartoffelpüree zum Beispiel verwende ich niemals einen Stabmixer, dessen Schneiden zerstören die Stärkemoleküle, die Stärke tritt aus und verbindet sich mit der Feuchtigkeit der gekochten Kartoffeln. Das so hergestellte Püree ist mir einfach zu kleistrig, ich bevorzuge wie Oma den herkömmlichen Kartoffelstampfer. Dauert übrigens auch nicht länger als die Arbeit mit dem Stab. Aber auch bei Küchenutensilien geht es nicht um Regeln, sondern darum, was für einen funktioniert.
Für die meisten von uns ist Zeit ein rares Gut - da bleibt einem oft nichts anderes übrig, als auf Fertigprodukte wie Teige, Gewürzmischungen oder Konserven zurückzugreifen. Nach ein paar Reinfällen weiß man, was geht, was gerade noch so und was überhaupt nicht geht. Die Auswahl ist groß und auch hier gilt: Es muss gefallen und vor allem schmecken.
"Ich mag es einfach, aber dennoch raffiniert", schreibt Sandrin zu ihrem Koch-Stil. Das zeigt sich bei den Rezepten in diesem Buch - leckere Gerichte für jede Gelegenheit, ohne Stress und ohne Küchenchaos. Ein simples Beispiel: die Röstkartoffelsuppe. Sandrin: "Ich weiß nicht, weshalb ich erst jetzt darauf komme. Geröstet schmeckt doch alles besser. Also rösten wir diese Kartoffeln, bevor sie zu einer cremigen Suppe werden." Das frage auch ich mich, wieso ich noch nie auf diese Idee kam!
Gambas in cremiger Tomatensauce
Zubereitung: 15-20 Minuten; glutenfrei
Das Öl in einer Pfanne erhitzen und die Garnelen darin bei hoher Hitze von beiden Seiten jeweils ca. 2 Minuten scharf anbraten, bis sie rosa durchgegart sind. Mit Salz, Pfeffer, Chiliflocken und Zucker würzen und aus der Pfanne nehmen.
Zwiebel, Knoblauch und Paprika in die Pfanne geben und bei mittlerer Hitze 1-2 Minuten anbraten. Das Tomatenmark dazugeben und leicht anrösten. Mit der Brühe ablöschen, Sahne, Zitronensaft und Paprikapulver einrühren und 3-4 Minuten einkochen lassen.
Die Garnelen in die Sauce geben und kurz erhitzen. Die Gambas nach Belieben mit Petersilie garnieren und mit Zitronenspalten servieren.
Tipp: Für dieses Rezept habe ich mich von der spanischen Küche inspirieren lassen, dort werden Riesengarnelen Gambas genannt. Sie schmecken fantastisch auf Pasta oder mit frischem Baguette zum Auftunken der leckeren Sauce. Probier mal mein selbstgemachtes Baguette (siehe S. 193), das du mit nur wenig Aufwand heiß und knusprig auf den Tisch zaubern kannst.
[Anmerkung H.D.: 500 g Gambas für 4 Personen finde ich ziemlich sparsam als Hauptgericht, als Vorspeise reicht die Menge.]
Karottenkuchen mit Frischkäsefrosting
Zubereitung: ca. 20 Minuten + 35-45 Minuten Backen + Abkühlen; vegetarisch
Den Backofen auf 180 °C Umluft vorheizen. Die Kasten- oder Auflaufform mit Backpapier auslegen.
Für den Kuchen Zucker, Vanillezucker, Öl, Joghurt und Eier in die Rührschüssel der Küchenmaschine geben und mit dem Schneebesen cremig rühren (alternativ das Handrührgerät verwenden).
Mehl, Backpulver, Zimt, Muskatnuss und Salz dazugeben und alles zu einem cremigen Teig verrühren. Zum Schluss die Karotten unterheben.
Den Teig in die vorbereitete Form füllen, glatt streichen und im vorgeheizten Ofen (mittlere Schiene) 35-45 Minuten goldbraun backen (die Backzeit ist abhängig von der Form). Am besten einen Stäbchentest durchführen.
Den Kuchen aus dem Ofen nehmen und etwas abkühlen lassen. Dann mithilfe des Backpapiers aus der Form heben und vollständig erkalten lassen.
Für das Frosting Frischkäse, Butter und Puderzucker in einer Schüssel verrühren und den Karottenkuchen damit bestreichen.
Tipp: Sehr attraktiv sieht es aus, wenn du den Kuchen mit frischen Karottenraspeln und/oder gehackten Pistazien dekorierst. Die Karottenraspeln vorher mit Zitronensaft beträufeln, damit sie nicht braun werden.
Rote-Bete-Tarte mit Ziegenkäse
Zubereitung: 15 Minuten + ca. 30 Minuten Backen; vegetarisch, frei von raffiniertem Zucker
Den Backofen auf 200 °C Umluft vorheizen.
Den Blätterteig auf der Arbeitsfläche entrollen und auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech legen. Mit den Zwiebelringen belegen, die Rote-Bete-Scheiben darauf verteilen, mit Salz und Pfeffer bestreuen und zwei Thymianzweige in kleinen Stücken darüber verteilen. Olivenöl und 2 EL Honig darüber träufeln und die Hälfte vom Ziegenkäse darüber verteilen.
In den vorgeheizten Ofen (mittlere Schiene) schieben und etwa 30 Minuten goldbraun backen.
Aus dem Ofen nehmen, die Tarte mit restlichem Thymian und Ziegenkäse bestreuen und mit dem übrigen Honig beträufeln. In Stücke schneiden und warm genießen.
Tipp: Wenn du keinen runden Teig bekommst und Teigreste übrig bleiben, kannst du daraus leckere Knusperstangen backen: In Streifen schneiden, mit fein geriebenem Käse und nach Belieben mit Kümmelsamen, Paprikapulver oder Chiliflocken bestreuen, verdrehen und etwa 10 Minuten mitbacken.
Kokos-Curry-Linsensuppe
Zubereitung: 10 Minuten + 10-15 Minuten Garen; vegan, laktosefrei, frei von raffiniertem Zucker
Also, so 'ne goldgelbe Kokos-Curry-Linsensuppe ist einfach unfassbar gut. Schnell und easy gezaubert sowieso. Probieren Sie sie aus:
Für die Suppe alle Zutaten mit etwas Salz und Pfeffer in einen Topf geben, umrühren, zum Kochen bringen, die Hitze reduzieren und abgedeckt 10-15 Minuten köcheln lassen.
Eventuell mit Salz und Pfeffer abschmecken.
Die Suppe in Schalen füllen, mit Petersilie, Sesam und Chiliflocken toppen und die Limettenspalten zum Beträufeln dazulegen.
Tipp: Mit dem Gemüse kannst du etwas variieren und auch das nehmen, was du gerade dahast. Probier auch mal Zuckerschoten, die passen sehr gut in diese Suppe.
Viel Spaß wünscht Ihnen Heidi Driesner

