Panorama

Aufnahmerituale und Mordaufträge Ex-Mafiaboss plaudert aus

Ein Mafiaenthüller interviewt einen ehemaligen Mafiaboss. Und dieser packt aus: über Morde als Aufnahmeritual und Deutschland als Waffenmarkt. Überhaupt könne man hier "prima arbeiten". Man dürfe halt nur nicht einen Deutschen umbringen.

Sein Anti-Mafia-Buch «Gomorrha» machte Roberto Saviano weltberühmt - und verdammte ihn fortan zu einem Leben im Untergrund.

Roberto Saviano erhält selbst Morddrohungen von der Mafia und lebt permanent unter Personenschutz.

(Foto: dpa)

Die italienische Mafia pflegt nach Angaben eines ihrer ehemaligen Bosse brutale Aufnahmerituale. Jeder, der in die engeren Zirkel der Camorra aufgenommen werden will, müsse einen Mord begehen, berichtet Maurizio Prestieri, bis 2003 einer der führenden Bosse der Camorra in Neapel, im "Zeit-Magazin". "Wir sind zur Nummer eins geworden, weil wir uns durch nichts haben aufhalten lassen", sagte Prestieri dem "Zeit"-Autor Roberto Saviano, der ihn heimlich unter Polizeischutz sprechen konnte. "Wir hatten vor nichts Angst."

Für die Feuertaufen wähle der Clan häufig ein leichtes Ziel, etwa einen ahnungslosen und unbewaffneten Dealer. So habe auch der Sohn des "Scissionisti"-Bosses Raffaele Abbinante auf Befehl seines Vaters ohne weiteren Grund einen Drogenkurier erschossen. Härtere Aufnahmeriten gebe es, wenn jemand zu einem konkurrierenden Clan wechseln wolle. "Du musst ein Mitglied deiner Familie umbringen", sagte Prestieri. "Erst dann wirst Du aufgenommen, denn so können sie sicher sein, dass Du sie nicht bescheißt."

"Deutschland war Drogenabsatzland"

Deutschland sei für die Mafia vor allem ein erstklassiger Waffenmarkt. Seine Leute seien jahrelang in Deutschland unterwegs gewesen und würden das Land wie aus der Westentasche kennen, berichtete Prestieri. "Für uns war Deutschland Drogenabsatzland." Man dürfe nur nicht "zu viele Leute kaltmachen, vor allem keine Deutschen". Und wenn man nicht allzu sehr bei der Justiz "aneckt", könne man in Deutschland "prima arbeiten".

Prestieri selbst habe bis zu seiner Verhaftung 2003 keinen Menschen umgebracht, werde aber beschuldigt, 30 Morde veranlasst zu haben, schreibt Saviano, Autor des dokumentarischen Romans "Gomorrha". Prestieri war für den Clan von Paolo Di Lauro tätig, einem Schwerverbrecher, der bis zu seiner Verhaftung 2005 einer der meistgesuchten Camorra-Chefs Italiens war.

Quelle: n-tv.de, dpa

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