Panorama

373 Punkte in Flensburg Fahrer ohne Führerschein muss doch in Haft

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Das Fahrzeug des Verkehrssünders im Wert von 35.000 Euro wurde beschlagnahmt.. Auf die Rücknahme des Audi verzichtete der Mann aber.

(Foto: Polizeidirektion Neustadt/Weinstraße/dpa)

Sage und schreibe 373 Punkte in Flensburg sammelt ein Berufsfahrer. Der Mann fährt jahrelang ohne Führerschein - zumindest ohne aktuellen. Jetzt muss der frühere Lkw-Fahrer doch ins Gefängnis, entscheidet ein Gericht.

Ein bereits zu einer Bewährungsstrafe verurteilter Autofahrer mit 373 Punkten in Flensburg muss nun doch ins Gefängnis. Das Landgericht Frankenthal in Rheinland-Pfalz wandelte seine Strafe zu neun Monaten Haft um, wie die "Bild"-Zeitung meldet. Der 38-Jährige war im vergangenen Dezember zunächst wegen Fahrens ohne Führerschein schuldig gesprochen worden und hatte dafür neun Monate auf Bewährung bekommen. Damit war der Staatsanwalt aber nicht einverstanden gewesen und hatte Berufung eingelegt - mit Erfolg, wie sich nun zeigte.

Das hatte auch damit zu tun, dass es bereits die zweite Bewährungsstrafe für den Mann war. Im Februar 2019 war er vom Amtsgericht Speyer zu acht Monaten verurteilt worden. Dabei ging es um mehr als 150 Fahrten ohne Führerschein, für die ihm je zwei Punkte in Flensburg angerechnet worden waren - so war es zu seinem prall gefüllten Punktekonto in der Verkehrssünderkartei gekommen.

Vor diesem Hintergrund hielt die Staatsanwaltschaft die erneute Bewährungsstrafe im Dezember nicht mehr für gerechtfertigt. Bei seiner ersten Verurteilung im Februar hatte sich noch positiv ausgewirkt, dass er darauf verzichtet hatte, seinen beschlagnahmten Audi im Wert von rund 35.000 Euro zurückzunehmen.

Nichts gelernt - deswegen auch keine Bewährung

In der Berufung wurde nun unter anderem geprüft, ob sich der Mann die Verurteilung zu Herzen genommen hat - und ob es also eine günstige Sozialprognose gibt. Der Mann war jahrelang mit einem ungültigen italienischen Führerschein unterwegs. Der Beschuldigte sprach in der Berufungsverhandlung von "großen Fehlern", die er gemacht habe. Er habe daraus gelernt. Die Staatsanwaltschaft bezeichnete den Mann hingegen als uneinsichtig und forderte zehn Monate Gefängnis, die Verteidigung plädierte auf sechs Monate auf Bewährung.

Ursprünglich sollte die Berufung bereits im April verhandelt werden, aber die Corona-Pandemie ließ dies nicht zu. Allgemein spielt eine spätere Berufung oft dem Angeklagten in die Hände: Je mehr Zeit ohne Verstoß seit dem ursprünglichen Urteil vergeht, desto günstiger ist das für den Beschuldigten - weil es dann heißen könnte: Die Prognose war offenbar richtig, eine Bewährungsstrafe ist angemessen.

Quelle: ntv.de, cbr/dpa