"Wir sind wieder ein Paar"Fabians Vater gesteht erneute Beziehung mit Angeklagter

Am dritten Prozesstag im Fall Fabian überrascht der Vater mit einer Antwort zu seinem Beziehungsstatus: Er und die Angeklagte, die seinen Sohn getötet haben soll, seien wieder ein Paar. Der Schlüsselzeuge schildert, wie es dazu kam.
Im Prozess um den gewaltsamen Tod des achtjährigen Fabian aus Güstrow hat sich der Vater des Jungen zu seiner Beziehung mit der Angeklagten geäußert. "Wir sind wieder ein Paar", sagte er im Saal des Landgerichts Rostock. Das habe sich im Gefängnis im Januar ergeben. Er habe die Frau regelmäßig in der Untersuchungshaft besucht. "Ich glaub' an ihre Unschuld", erklärte Fabians Vater.
Die Staatsanwaltschaft wirft der deutschen Ex-Freundin des Vaters vor, den Jungen im Oktober vergangenen Jahres heimtückisch mit einem Messer getötet zu haben. Laut Anklage soll das Ende der ersten Beziehung zwischen Fabians Vater und ihr eine Rolle spielen.
Die Angeklagte, die selbst einen Sohn hat, der etwas jünger als Fabian ist, war mit dem Vater bis August 2025 rund vier Jahre lang in einer Beziehung. Fabian war oft tagelang bei ihnen, wobei er vom Vater oder auch der Angeklagten mit dem Auto bei der Mutter in Güstrow abgeholt wurde.
Kommunikation von Vater und Angeklagter im Fokus
Das Landgericht Rostock widmete sich an diesem dritten Prozesstag auch detailliert der Kommunikation zwischen dem Vater des Jungen und der des Mordes Angeklagten. Teils in Minutenschritten ging der Vorsitzende Richter Holger Schütt mit dem Vater die Nachrichten vom Tag des Verschwindens Fabians durch. Schütt sagte, das Bundeskriminalamt habe eigens eine Kommunikationsanalyse für den 35-Jährigen und die Beschuldigte erstellt. Demnach habe die 30-Jährige in Nachrichten normalerweise wenig Interesse an der Familie oder dem Befinden des Mannes gezeigt.
Schütt wies zudem darauf hin, dass sie am Tag von Fabians Verschwinden aber mehrmals nachfragte, was den Vater beschäftige, nachdem er Andeutungen gemacht, aber noch nicht verraten hatte, dass sein Sohn vermisst werde. Er habe sich nichts dabei gedacht, sagte der Vater im Verfahren zu dem Verhalten der Angeklagten.
Den Erkenntnissen zufolge wurde mit dem Google-Nutzeraccount der Angeklagten am Tag des Verschwindens frühzeitig nach Stichworten wie "Polizei" oder auch "Person vermisst" im Internet gesucht. Den Ausführungen des Gerichts zufolge passierte auch dies, bevor Fabians Vater der Angeklagten mitteilte, dass sein Sohn vermisst werde. Über den Account der 30-jährigen Beschuldigten wurde zudem am Tag nach Verschwinden des Jungen mit Stichworten gesucht wie "fressen Wildschweine tote Menschen".
Ein Video einer Überwachungskamera belastet die Angeklagte ebenfalls: Es zeigt ihren Wagen am Tag des Verschwindens binnen weniger Minuten zweimal unweit von Fabians Wohnung entfernt. Im entsprechenden Zeitraum wurde den Auswertungen zufolge nach zuvor permanenter Aktivität das Display von Fabians Handy deaktiviert. Es wurde demnach erst wieder am Nachmittag angeschaltet, als Fabians Mutter nach Hause kam, dort das Handy, aber nicht den Jungen auffand.
"Sie drehen die Beziehung hin und her"
Außerdem ging es um ein bestimmtes Telefonat zwischen dem Vater und der Angeklagten am Tag des Verschwindens. Fabians Vater sagte, er könne sich nicht mehr erinnern, worum es dabei ging, obwohl er wochenlang darüber nachgedacht habe. Schütt sagte, wenn sein einziges Kind verschwinde, könnte er sich wahrscheinlich an jede Minute erinnern.
Anhand der im Prozess präsentierten Nachrichten wurde deutlich, wie der Vater und die Angeklagte auch nach dem Ende der ersten Beziehung ausgiebig ihre Probleme diskutierten. "Sie drehen die Beziehung hin und her", sagte Schütt. Dabei ging es wiederholt auch um das angespannte Verhältnis der Beschuldigten zu Fabians Mutter. Demnach störte sich die Angeklagte etwa an immer wieder zu treffenden Absprachen den Sohn betreffend.
Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft soll Fabians Vater kurz vor der Tat klargemacht haben, dass er die Beziehung nicht wieder aufnehmen wolle. Der Grund: Er habe Angst, dann den Kontakt zu Fabian zu verlieren. Die Angeklagte sei an der Beziehung interessiert gewesen, weil sie befürchtet habe, "ihren bisherigen Lebensstil nicht weiter fortführen zu können", hieß es weiter. Sie habe das Leben Fabians "bedenkenlos" vernichtet - in der vagen Hoffnung, die "für sie auch monetär vorteilhafte" Beziehung zu dessen Vater wieder aufnehmen zu können. Die Angeklagte selbst äußerte sich zur Sache bisher nicht.