Panorama

Suezkanal dicht Frachter "malte" Penis ins Meer - 200 Schiffe stauen sich

Seit zwei Tagen versuchen Bergungsteams, den havarierten Super-Frachter "Ever Given" aus dem Suezkanal zu befreien. Bislang vergeblich, doch Ägyptens Regierung ist optimistisch. Kurz vor dem Einlaufen war das Containerschiff auf einem kreativen Kurs unterwegs.

Die "Ever Given" blockiert weiterhin den Suezkanal. Bergungsteams zufolge könnte sich die Befreiung des festgefahrenen Containerschiffs noch Wochen hinziehen. Dies sei nicht auszuschließen, sagte der Chef der mit der Bergung betrauten Firma Bos, Peter Berdowski, dem Sender Nieuwsuur. Bug und Heck des 400 Meter langen Schiffes seien an den Seiten des Kanals hochgedrückt worden. Die "Ever Given" sei damit "wie ein riesiger gestrandeter Wal".

Optimistischer ist die Einschätzung eines Vertreters der ägyptischen Regierung. Die Schifffahrt auf dem Kanal zwischen Rotem Meer und Mittelmeer werde "binnen 48 bis 72 Stunden höchstens wieder aufgenommen" werden, sagte der Berater für Seehäfen von Ägyptens Staatschef Abdel Fattah al-Sisi, Mohab Mamisch. Als ehemaliger Chef der Behörde für den Suezkanal habe er bereits mehrere Bergungsaktionen miterlebt, führte Mamisch aus. "Ich kenne jeden Zentimeter des Kanals."

Bis zum späten Nachmittag stauten sich bereits mehr als 200 Schiffe auf beiden Seiten des Kanals, einer der wichtigsten Wasserstraßen der Welt. Die weltgrößte Container-Reederei Maersk prüfte nach eigenen Angaben, ob sie ihre Schiffe um die Südspitze Afrikas schicken sollte, bei einer zusätzlichen Fahrdauer von bis zu sechs Tagen.

Das enorme Gewicht des Schiffes laste auf dem Sand auf beiden Seiten des Kanals, erklärt Berdowski: "Möglicherweise müssen wir mit einer Kombination aus Gewichtsreduzierung arbeiten, indem wir Container, Öl und Wasser vom Schiff holen, Schlepper einsetzen und Sand ausbaggern."

Der japanische Eigner Shoei Kisen entschuldigte sich für den Vorfall. Auch er bestätigte, dass sich die Arbeiten "extrem schwierig" gestalteten. Es sei nicht klar, wann das Schiff wieder flottgemacht werden könne. Zu weiteren Verzögerungen könnte es kommen, sollte ein Teil der Ladung von Bord geholt werden müssen. Am Sonntag werde eine höhere Flut erwartet, die möglicherweise bei der Bergung helfen könne, hieß es aus Schifffahrtskreisen.

Genital manövriert

Wie es zu der Havarie kam, ist noch unklar. Einen Beweis seiner Manövrierfähigkeiten erbrachte der Kapitän unmittelbar vor der Einfahrt in den Kanal. Die Tracking-Website "Vesselfinder" twitterte ein Bild der Route, die der Frachter nahm, während er auf das Signal zum Einlaufen wartete. Man braucht nicht viel Fantasie, um zu erkennen, was der Steuermann da ins Wasser "zeichnete": einen Penis. Komplettiert wird das "Dick Pic" durch zwei größere Kreise, die man passend dazu als Pobacken interpretieren kann.

Ein Versehen? Eher unwahrscheinlich. Ein Sprecher von "Vesselfinder" bestätigte dem "Vice"-Portal, dass das Schiff die Strecke tatsächlich so gefahren ist. Es gebe keinen Raum für Verschwörungstheorien oder für fehlerhafte Daten. Hier lässt sich die Route auch per Video nachvollziehen. Dass Schiffe "herummäanderten", während sie auf Einfahrt warteten, sei nicht ungewöhnlich, erklärte ein Sprecher von Bernhard Schulte Shipmanagement dem "Spiegel".

Die Lust am Schabernack ist dem kreativen Nautiker inzwischen womöglich vergangen angesichts der Misere, die die Havarie auslöst: Durch den Suezkanal werden etwa 30 Prozent des weltweiten Containervolumens verschifft und etwa 12 Prozent aller Waren. "Jeder Hafen in Westeuropa wird das merken", sagte ein Sprecher für den Hafen von Rotterdam, dem größten in Europa. Besonders betroffen dürften Russland und Saudi-Arabien sein, die beiden Staaten, die am meisten Öl durch den Kanal schicken. Indien und China sind die größten Importeure.

Auch die deutsche Wirtschaft dürfte der Stau teuer zu stehen kommen. "Das wird uns noch mindestens ein, zwei Monate auf Trab halten", sagte auch der Lieferketten-Experte Joachim Schaut vom Logistikdienstleister DB Schenker.

Quelle: ntv.de, ino/AFP/rts

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