Panorama
Das havarierte Atomkraftwerk im japanischen Fukushima als Besuchermagnet?
Das havarierte Atomkraftwerk im japanischen Fukushima als Besuchermagnet?(Foto: picture alliance / The Tokyo Ele)
Samstag, 03. März 2018

AKW-Betreiber wirbt um Gäste: Fukushima soll mehr Touristen anziehen

Bislang durften nur handverlesene Gruppen das zerstörte Atomkraftwerk in Fukushima besichtigen. Das soll sich ändern: Wenn es nach dem Betreiber geht, sollen bald auch normale Einzelbesucher Zugang bekommen. Ein nicht ganz ungefährliches Unterfangen.

Mehr Besucher und ein besseres Image: Das erhofft sich der Betreiber des havarierten Atomkraftwerks im japanischen Fukushima von den Olympischen Spielen 2020 in Tokio. Seit der Nuklearkatastrophe am 11. März 2011 war der Zugang zum Gelände nur einer Handvoll Experten, Abgeordneten, Regierungs- und Medienvertretern gestattet.

2011 hatte ein heftiges Seebeben einen Tsunami ausgelöst, der die Nordostküste Japans verwüstete, mehr als 18.000 Menschen tötete und den schlimmsten Nuklearunfall seit Tschernobyl 1986 auslöste. Doch mit dem Rückgang der Strahlenbelastung in den meisten Bereichen des Kraftwerks stiegen die Besucherzahlen allmählich an. Inzwischen lässt die Betreiberfirma Tepco auch Gruppen von Anwohnern, Botschaftsvertretern und Schülern aufs Gelände, doch noch keine Einzelbesucher.

Die Zahl der Besucher für das Geschäftsjahr bis März 2017 stieg auf rund 10.000. Bis 2020, wenn Tokio die Olympischen Sommerspiele ausrichtet, will der Betreiber die Zahl verdoppeln, wie Takahiro Kimoto von Tepco sagt. "Wir wollen nicht die Botschaft aussenden, dass es sicher ist", betont er. "Uns ist wichtiger, dass die Leute sehen, was hier wirklich vor sich geht, ohne Vorurteile. Die Inspektionen werden dazu beitragen, die Region wiederzubeleben und den Imageschaden zu reduzieren."

Auch Vertreter des Internationalen Olympischen Komitees seien willkommen. Das Unternehmen sei nicht nur für die Wiederbelebung der Region verantwortlich, sondern sollte zukünftigen Generationen auch als mahnendes Beispiel dienen.

Region soll wieder mit Leben gefüllt werden

Um die Region mit neuem Leben zu füllen, wird Fukushima während der Olympischen Spiele die Baseball- und Softballwettbewerbe ausrichten. Tepco hofft zudem, Teams im Rahmen des Rugby World Cups 2019 in einem Fußballtrainingszentrum zu beherbergen, das derzeit den Arbeitern als Unterkunft dient.

Auf dem Kraftwerksgelände sind Dekontaminierungsarbeiten im Gange, Tausende Arbeiter bekommen warme Mahlzeiten, nutzen die Duschen und machen Einkäufe in einem Laden. Doch die Strahlenbelastung bleibt in den Gebieten rund um die drei geschmolzenen Reaktoren extrem hoch, was den Abbau der Anlage verlangsamt - der Prozess wird wohl Jahrzehnte dauern. Verdrehte Stahlträger und vom Tsunami und Wasserstoff-Explosionen eingerissene Wände zeugen heute noch von dem Desaster.

Vor dem siebten Jahrestag wurden Journalisten auf das Dach des Reaktors Nummer Drei gelassen: Von dort ist ein Becken mit Wasser zu sehen, in dem 560 Brennstäbe lagern. Jeder Arbeiter muss hier Schutzanzug und -maske tragen, drei Paar Handschuhe und einen Dosimeter zur Messung der Strahlenbelastung. Auf dem Dach, wo an jeder Ecke Messgeräte hängen, dürfen sich die Arbeiter maximal zwei Stunden pro Tag aufhalten.

Nun wird auf dem Dach eine gigantische Stahlkuppel gebaut, um zu verhindern, dass bei der Überführung der Brennstäbe aus dem Becken an einen externen Lagerplatz Strahlung austritt. Die größte Herausforderung sei die hohe Strahlenbelastung, sagt ein Vertreter des Kraftwerks, Daisuke Hirose: "Wir müssen die Strahlenbelastung für die Arbeiter senken, aber das verhindert lange Einsätze da oben." Die Gesamtkosten für Stilllegung, Dekontaminierung und Entschädigungszahlungen könnten sich Schätzungen zufolge auf umgerechnet 157 Milliarden Euro belaufen. Tepco rechnet mit einer Zeitspanne von 30 bis 40 Jahren.

Quelle: n-tv.de