Panorama

Vergiftung von Kim Jong Nam Gericht hält Mordanschlag nicht für "Streich"

RTS1XI8X.jpg

Die Indonesierin Siti Aisyah (Mitte) ist eine von zwei Angeklagten.

REUTERS

Am Flughafen von Kuala Lumpur wird der Halbbruder von Nordkoreas Machthaber Kim mit einem Nervengift attackiert. Wenig später ist er tot. Zwei Frauen müssen sich wegen der Tat vor Gericht verantworten. Sie weisen die Vorwürfe vehement zurück.

Der Prozess um den Giftmord am Halbbruder von Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un, Kim Jong Nam, geht in eine neue Runde. Ein Gericht in Malaysias Hauptstadt Kuala Lumpur lehnte den Antrag der Verteidigung auf Freispruch der beiden angeklagten Frauen ab. Damit müssen die beiden mutmaßlichen Täterinnen, eine 25-Jährige aus Indonesien und eine 29-Jährige aus Vietnam, weiterhin mit dem Todesurteil rechnen.

Ihnen wird zur Last gelegt, den Nordkoreaner im Februar 2017 mit einem Nervengift ermordet zu haben. In monatelangen Anhörungen vor Gericht wiesen die Indonesierin Siti Aisyah und die Vietnamesin Doan Thi Huong die Mordvorwürfe zurück. Die beiden Frauen behaupten, das Ganze für einen "Streich" gehalten zu haben. Angeblich waren sie im Glauben, für eine Art TV-Scherz im Stil der "Versteckten Kamera" angeheuert worden zu sein und hielten das Gift für ungefährlich.

Richter Azmi Ariffin schenkte dem jedoch keinen Glauben. Die Tötung von Kims 45 Jahre altem Halbbruder sei "kein Scherz" gewesen, sagte der Richter bei der Wiederaufnahme des Prozesses nach der Sommerpause. Der Nordkoreaner war auf dem Flughafen von Kuala Lumpur mit dem Nervengift VX überschüttet worden. An der Täterschaft der Frauen gibt es aufgrund der Aufnahmen der Überwachungskameras keine Zweifel.

Nordkorea soll Auftraggeber sein

Wenn sie wegen Mordes verurteilt werden, hat das zwangsläufig die Todesstrafe zur Folge. Ihre einzige Chance: glaubhaft zu machen, dass sie keine Ahnung davon hatten, was sie da eigentlich taten. Vermutet wird, dass der nordkoreanische Geheimdienst die Tat in Auftrag gab.

Das Opfer war ältester Sohn des langjährigen Machthabers Kim Jong Il (1941-2011) aus einer früheren Ehe. Eine Zeit lang galt er als erster Anwärter auf die Nachfolge, fiel dann aber in Ungnade. Die letzten Jahre lebte er außerhalb Nordkoreas. Regimekritiker war er nicht. Manche Experten vermuten, dass er sich für einen Sturz seines Halbbruders bereithielt.

Quelle: n-tv.de, fzö/dpa/AFP

Mehr zum Thema