DLRG-Boote begleiten TierGestrandeter Buckelwal schwimmt zunächst in falsche Richtung
Der an der Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommerns gestrandete Buckelwal schwimmt weg. Dies ist auf Livestreams im Internet zu erkennen. Allerdings bewegt sich das Tier zunächst nicht in Richtung offener Ostsee. DLRG-Boote begleiten es nun.
Der Buckelwal, der seit knapp drei Wochen vor der Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommerns festsaß, wird aktuell von Booten begleitet. Die Boote seien unterwegs, sagte die leitende Tierärztin der privaten Initiative, Janine Bahr-van Gemmert, der Nachrichtenagentur dpa. Der Wal war am frühen Morgen bei steigenden Wasserständen und starkem Wind losgeschwommen. Dies war auf Livestreams im Internet zu erkennen. Er wechselte immer wieder die Richtung. Nach Angaben von ntv-Reporer Ibrahim Kayed schwimmt das Tier jedoch in Richtung Hafen und nicht in Richtung Ostsee. Von den Booten aus wurde bisher vergeblich versucht, ihn gezielt in Richtung offene Ostsee zu lenken.
Umweltschutzminister Till Backhaus erklärte, dass er bereits zuvor hoffnungsvoll war, da Windstärken zwischen 5 und 7 angekündigt waren. Daher wurde ein Wasseranstieg erwartet, der am Sonntag auch einsetzte. Für den Minister sei klar gewesen, dass das Tier es nun schaffen und sich freischwimmen könnte. Nun greife Plan B, wie er vor Ort sagte. Das bedeutet, Boote sollen das Tier in Richtung Ostsee begleiten. Aktuell seien sechs Boote der DLRG im Einsatz, weitere sollen folgen. Den Booten sei es bereits gelungen, den Wal die Richtung ändern zu lassen. Zunächst war er weiter in Richtung Hafen geschwommen, nun sei er in Richtung offener See unterwegs.
Nach Angaben des Umweltministeriums ist der Wal bislang noch ohne Sender. Nach letztem Stand von Sonntag sollte dieser erst noch angebracht werden, sagte eine Ministeriumssprecherin. Dazu sollte noch die Art des Geräts, des Klebers und die Stelle am Wal geklärt werden, auch wegen der Hautprobleme des Wals.
Nach dem Losschwimmen des gestrandeten Wals hat sich einer der Geldgeber des Rettungsversuchs ernüchtert gezeigt. Man habe zwei Tage Verzögerung im Plan gehabt, sagte Mediamarkt-Mitgründer Walter Gunz, der die Aktion zusammen mit der Unternehmerin Karin Walter-Mommert finanziert. "Und jetzt ist das aus der Bahn gelaufen alles." Mehr könne er derzeit nicht sagen. "Jetzt kann man nur hoffen, dass die Begleitung gelingt."
Der Wal irrt seit Anfang März vor der Ostseeküste umher. Er strandete mehrfach vor Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern, zuletzt setzte er sich vor Poel bei Wismar auf Grund. Eine von Unternehmern finanzierte Initiative bereitete zuletzt tagelang eine Rettungsaktion vor, bei der das Tier mit einem System aus Luftkissen und Pontons angehoben und bis in die Nordsee oder den Atlantik geschleppt werden sollte.
Die Vertreter der Rettungsinitiative auf Poel sahen sich zuletzt auf sehr gutem Weg und im Zeitplan. Der Wal habe am Sonntagmorgen "tolle Reaktionen" und viel Lebensenergie gezeigt. Sie schlossen am Sonntag nicht aus, dass sich der rund zwölf Meter lange Meeressäuger aus eigener Kraft freischwimme. In diesem Fall greife "Plan B". "Das heißt, die DLRG-Boote sind auf Stand-by, dass für den Fall, dass er losschwimmt, wir ihn dann guiden können. Und es ist sichergestellt, dass wir ihn dann auch bis in die Nordsee und dann über die Nordsee in den Atlantik leiten können", sagte Rechtsanwältin Constanze von der Meden von der privaten Rettungsinitiative.
Rettungs-Finanzier war zuletzt skeptisch
Ein Finanzier der Aktion, der Mediamarkt-Mitgründer Walter Gunz, zeigte sich pessimistischer. Der Wal registriere vollumfänglich, dass er völlig frei sei. Daher sei die Frage, "ob sich dieser Wal noch geleiten lässt".
Bislang geplant war, dass unter den Wal eine zwischen Pontons - also schwimmenden Plattformen - befestigte Plane geführt wird. Damit soll er aus dem flachen Bereich geborgen und später Richtung Nordsee gebracht werden. Die Pontons sollen dazu von einem Schlepper an einer langen Leine gezogen werden. Die Netzplane, auf der das Tier zwischen Pontons in die Nordsee und in den Atlantik transportiert werden soll, war nach Behördenangaben bereits im Wasser.
Messungen des Umweltministeriums zufolge ist der Buckelwal 12,35 Meter lang, 3,20 Meter breit und 1,60 Meter hoch. Der geschwächte Wal liegt bereits seit 20 Tagen in der Wismarbucht vor der Insel Poel.
Zwischen dem Hafen in Kirchdorf und dem vor der Insel Poel liegenden Wal waren zuletzt DLRG-Boote unterwegs, die auch zur Sicherung des Einsatzpersonals vor Ort waren.
Seit Anfang März war der Wal den Angaben zufolge immer wieder an der Ostseeküste aufgetaucht, zunächst im Hafen von Wismar, später in der Lübecker Bucht und an der Küste bei Steinbeck (Kreis Nordwestmecklenburg). Das Tier hatte sich demnach wiederholt in Netzen verfangen. Einsatzkräfte und Meeresschützer der Organisation Sea Shepherd hatten es von einem Teil des Materials befreit. Mehrfach lag der Wal fest.
