Panorama

"90 Prozent der Menschen sind Pudel" Gutachter: Drach ist schuldfähig

Der Prozess gegen Thomas Drach wird immer skurriler. Der Richterin erzählt der Reemtsma-Entführer, dass 90 Prozent der Menschheit Pudel seien. Er gehöre zu den 10 Prozent der Schäferhunde. Ein psychiatrischer Gutachter hält den Angeklagten allerdings für voll schuldfähig.

Der psychiatrische Gutachter Norbert Leygraf hält den Reemtsma-Entführer Thomas Drach für voll schuldfähig. "Es gibt nichts, was für eine Beeinträchtigung oder Aufhebung der Schuldfähigkeit sprechen würde", sagte Leygraf im Prozess gegen Drach vor dem Hamburger Landgericht. Eine psychische Erkrankung liege nicht vor. Drach zeige ein unreif-pubertäres Verhalten gepaart mit einer gewissen Impulsivität und einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung. Drach hatte sich vorab geweigert, mit dem Psychiater zu sprechen.

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Thomas Drach hat eine eigene Weltsicht.

(Foto: dpa)

Drach ist wegen versuchter räuberischer Erpressung angeklagt. Er soll im Gefängnis versucht haben, einen Freund zur Erpressung seines Bruders anzustiften. Drach hatte 1996 mit Komplizen den Hamburger Millionenerben Jan Philipp Reemtsma entführt. Reemtsma kam nach 33 Tagen Gefangenschaft gegen ein Millionen-Lösegeld frei. Drachs Haft endet im Juli 2012. Wird er zu mindestens zwei Jahren Haft verurteilt, könnte er danach in Sicherungsverwahrung kommen.

Seine Taten habe Drach nicht im Affekt begangen, sondern akribisch geplant. Dabei sei er nicht vor Gewalt zurückgeschreckt. Drach habe die Tendenz, sein Leben ohne Rücksicht auf die Rechte anderer Menschen mit Straftaten zu finanzieren. Der Angeklagte sei auch heute noch der Meinung, dass es richtig gewesen sei, den Millionär Jan Philipp Reemtsma zu entführen. Wahrscheinlich werde Drach sein kriminelles Verhalten in Freiheit weiter fortführen.

"In seinem Bewusstsein steht ihm das Geld zu"

Vor Gericht verhalte der Entführer sich betont selbstsicher und genieße die Aufmerksamkeit, analysierte Leygraf. "Er sieht sich selbst als einen ganz besonderen Gefangenen", sagte der Gutachter. Drach betrachte sich als erfolgreichen Berufskriminellen, der den Verbleib des Lösegelds nicht preisgebe. Er genieße es, dass die Welt auf seinen Mund starre und sich frage, ob er sich doch noch verrate.

"In seinem Bewusstsein steht ihm das Geld zu", sagte Leygraf. Drach habe schon in früher Jugend den gehobenen Lebensstil als den einzig richtigen angesehen. Schon mit 17 Jahren habe er auf Bestellung Autos gestohlen, um sich "ein flottes Leben" leisten zu können.

Zuvor hatte Drach vor Gericht betont, sein Bruder sei schuld daran, dass er im Gefängnis sitze. "Hätten die nicht gequatscht, wäre ich jetzt noch in Uruguay", sagte er über seinen Bruder und einen anderen Bekannten, der ebenfalls einen Teil des Reemtsma-Lösegeldes gewaschen haben soll. Deshalb schulde ihm sein Bruder Geld: "Ich verlange 15 Millionen Euro Schmerzensgeld für die 14 Jahre Gefängnis und 15 Millionen Euro Verdienstausfall", sagte der Angeklagte.

90 Prozent der Menschen sind Pudel

Drach erzählte der Vorsitzenden Richterin, sein Bruder sei ein Pudel, so wie 90 Prozent der Menschen. Diese Menschen würden niemals eine Million Euro auf einem Haufen sehen. Die anderen 10 Prozent seien Schäferhunde. "Man kann den Pudel frisieren wie man will, er wird nie ein Schäferhund."

Zum Auftakt des Prozesses hatte Drach sich geweigert, während des Weges vom Gefängnis zum Gerichtssaal eine Augenbinde zu tragen. Nach mehreren Stunden Verzögerung wurde er zwangsweise vorgeführt. Als Reaktion darauf sprach er davon, mit einer Kalaschnikow durch Hamburg ziehen sowie "einen Beamten bestrafen" zu wollen. "Wie ist der Name der Schwuchtel, die das angeordnet hat?", fragte Drach.

Quelle: ntv.de, dpa