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Der Prozess könnte sich noch weiter in die Länge ziehen.
Der Prozess könnte sich noch weiter in die Länge ziehen.(Foto: dpa)
Mittwoch, 22. November 2017

Höxter-Mordprozess: Hat Wilfried W.s Gutachter geschlampt?

In einem Gutachten schreibt der Uni-Professor Osterheider über den Angeklagten Wilfried W., der sei voll schuldfähig und sadistisch veranlagt. Doch nun muss sich der Gutachter unangenehme Fragen gefallen lassen, wie er zu dieser Einschätzung gekommen ist.

Im Prozess um die tödlichen Misshandlungen in einem Haus in Höxter gerät der für den Angeklagten Wilfried W. zuständige Sachverständige weiter unter Druck. Gutachter Michael Osterheider erschien nicht vor dem Landgericht Paderborn und meldete sich krank. Als Zeuge befragt wurde sein Mitarbeiter Maximilian Wertz.

Aus dessen Aussage ergab sich, dass Osterheider in seinem Gutachten Gespräche des Mitarbeiters mit Wilfried W. als eigene Befragungen des Angeklagten angegeben haben soll. Verteidiger Detlev Binder warf Osterheider daraufhin Lügen und Abrechnungsbetrug vor. Das Gericht muss den Sachverhalt jetzt prüfen und eine Stellungnahme des Professors der Uni Regensburg abwarten. Bereits in der vergangenen Woche hatte sich Osterheider bei einer Befragung durch Binder in Widersprüche verwickelt, unter anderem bei den sexuellen Vorlieben des Angeklagten.

Osterheiders vorläufigem Gutachten zufolge ist der 47-jährige Angeklagte Wilfried W. nicht nur voll schuldfähig. Der Professor der Uni Regensburg schätzt ihn auch für die Allgemeinheit als gefährlich ein, und er zeige sadistische Züge. Der Gutachter spricht sich für eine Sicherungsverwahrung aus. Nach seiner Ansicht hat Wilfried W. einen Hang zu gravierenden Straftaten.

Zweite Gutachterin steht bereit

Keinen Widerspruch gab es bei der Schilderung des Gutachters, der Angeklagte habe ihm gegenüber ein Teilgeständnis abgelegt. Osterheider hatte berichtet, der Angeklagte habe eingestanden, dass er die Gewaltexzesse in dem Haus hätte stoppen müssen. Auch habe der Angeklagte bei einem der zwei Todesfälle unterlasse Hilfeleistung eingestanden. Er hätte zur Polizei gehen müssen, habe der Angeklagte ihm gegenüber offenbart, schilderte Osterheider. Bislang hatte der Angeklagte alle Vorwürfe stets zurückgewiesen und alle Schuld auf die mitangeklagte Angelika W. geschoben.

Sollte Osterheider als Gutachter aus dem Prozess ausscheiden, könnte die für die Angeklagte Angelika W. zuständige Sachverständige diese Aufgabe zusätzlich übernehmen, sagte eine Gerichtssprecherin. Über Jahre hinweg sollen die beiden Angeklagten Frauen in ein Haus nach Höxter in Ostwestfalen gelockt und dort schwer misshandelt haben. Zwei Frauen aus Niedersachsen starben infolge der Quälereien. Der Prozess wird am 28. November fortgesetzt.

Quelle: n-tv.de

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