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Schießerei mitten in Frankfurt "Hells Angel" muss zehn Jahre in Haft

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Zehn Jahre Gefängnis? Der verurteilte 57-Jährige nimmt`s gelassen.

dpa

Am Himmelfahrtstag fallen im Zentrum Frankfurts Schüsse - eine Bande der "Hells Angels" will ein Ex-Mitglied bestrafen. Vor Gericht nimmt einer der Attentäter sein Urteil gelassen: Selbst die Aussicht auf zehn Jahre Knast kann ihm die gute Laune nicht nehmen.

Im Prozess um eine Fehde im Rockermilieu mit Schüssen in der Frankfurter Innenstadt ist ein 57-jähriges Mitglied der "Hells Angels" zu einer Haftstrafe von zehn Jahren und drei Monaten verurteilt worden. Das Landgericht Frankfurt stellte versuchten Mord, versuchten Totschlag und gefährliche Körperverletzung fest. Die Tat sei wohl nicht von langer Hand geplant, aber auch kein Zufallsereignis gewesen, sagte die Vorsitzende Richterin zur Begründung.

Der Mann eröffnete laut Anklage am Himmelfahrtstag 2016 das Feuer auf einen 41-jährigen Kontrahenten, der mit dem Auto in der Frankfurter City unterwegs war. Ein zweiter Attentäter hatte unmittelbar davor bereits Schüsse auf den Rivalen abgegeben und diesen lebensgefährlich verletzt - dieser Angreifer ist aber nach wie vor auf der Flucht.

Das Tatmotiv: Mit den Schüssen wollten sich die Bandenmitglieder an dem 41-Jährigen rächen. Ihr Opfer war einige Monate zuvor von der Gruppierung der "Hells Angels" ausgeschlossen worden. Durch den Angriff sollte die "Ehre" des eigenen "Charters" wieder hergestellt werden, hieß es. Der Angeklagte und seine Bande hätten dabei Selbstjustiz geübt, urteilte die Richterin. Sie seien Teil einer Parallelgesellschaft, die ganz bewusst Regeln breche und nach ihren eigenen Gesetzen lebe. "Das kann der Rechtsstaat nicht dulden."

Die vom Angeklagten geschilderte Version einer angeblichen Notwehr wollte ihm das Gericht nicht abnehmen. Es sei nicht überzeugend, dass der 41-Jährige die zahlenmäßig "haushoch überlegene Gruppe" angegriffen und dabei das Leben seiner Lebensgefährtin auf dem Beifahrersitz und seines ebenfalls durch Schüsse verletzten Cousins auf dem Rücksitz riskiert hätte. Vielmehr habe die Gruppe um den Angeklagten das Fahrzeug des 41-Jährigen von drei Seiten umzingelt - eine koordinierte, abgesprochene Aktion. Das Opfer habe damit "in der Falle" gesessen.

Terrorangst in der Innenstadt

Das Schwurgericht verurteilte den Mann auch wegen fahrlässiger Körperverletzung und unerlaubten Waffenbesitzes. Die Vorsitzende Richterin betonte, dass die Schüsse am Himmelfahrtstag viele unbeteiligte Menschen in Panik versetzt und für Chaos gesorgt hätten - viele Zeugen glaubten demnach an einen Terroranschlag oder einen Amoklauf, als plötzlich in der belebten Innenstadt Schüsse fielen.

Der 57-Jährige, der gegen das Urteil noch Revision einlegen kann, verfolgte die Urteilsbegründung weitgehend ungerührt. Bevor er wieder abgeführt wurde, winkte er lächelnd seinen zahlreichen Freunden im Zuschauerraum -  und bekundete mit erhobenem Daumen Optimismus.

Quelle: n-tv.de, ftü/dpa

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