Panorama

"Pionier von Weltrang" Herbert W. Franke ist tot

77400fedbd1e88ff15a28cfcaf340cb6.jpg

Seit den frühen 1970er Jahren hatte Franke einen Lehrauftrag für Kybernetische Ästhetik inne.

(Foto: dpa)

Er war Philosoph und promovierter Physiker, forschte in verschiedenen Disziplinen, schrieb Science Fiction und war Pionier der Computerkunst: Herbert W. Franke war der Prototyp eines Universalgenies. Mit 95 Jahren ist er jetzt gestorben.

Der Künstler, Physiker und Science-Fiction-Autor Herbert W. Franke ist tot. Er sei am Samstag im Alter von 95 Jahren im Kreise seiner Familie im oberbayerischen Egling (Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen) gestorben, teilte ein PR-Berater unter Berufung auf die Ehefrau des Verstorbenen mit. Der in Österreich geborene Franke galt als Pionier der Computerkunst und Vordenker des Metaverse, eines digitalen Raums. 1979 hatte er das Festival Ars Electronica in Linz mitbegründet.

Seine Frau Susanne Päch meldete sich nach dem Tod ihres Ehemannes auf dessen Twitteraccount zu Wort. "Herbert nannte sich gerne den Dinosaurier der Computerkunst", schrieb sie auf Englisch. Sie sei "am Boden zerstört, mitzuteilen, dass unser Dinosaurier die Erde verlassen hat". Er sei in dem Wissen gestorben, dass eine Gemeinschaft von Künstlern und Kunstbegeisterten seine Arbeit zutiefst schätzen und sich um seine Kunst und sein Vermächtnis kümmern.

Auch auf die Biennale in Venedig hatte Franke es geschafft, im Jahr 1970 mit einem Siebdruck. Das mit einem Digitalcomputer geschaffene Werk sei sein erstes gewesen, bei dem er den Zufall mit einem Algorithmus zusammenarbeiten ließ, schreibt der PR-Berater. Franke war auch Mitglied der Schriftstellervereinigung PEN Deutschland und schrieb Science-Fiction-Werke wie "Der grüne Komet" oder "Zentrum der Milchstraße". Auch Lehraufträge hatte er, unter anderem an der Ludwig-Maximilians-Universität und der Akademie der Bildenden Künste in München. Das österreichische Bundeskulturministerium verlieh ihm 2007 das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst 1. Klasse.

"Er vereinte physikalisches, mathematisches, philosophisches und chemisches Wissen und war in vielem seiner Zeit weit voraus", würdigte ihn Österreichs Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer. Er sei einer der Ersten gewesen, der die ästhetisch-künstlerischen Möglichkeiten der Computertechnologie erarbeitet habe, "er dachte seine wissenschaftlichen Fragestellungen als Autor seiner Science-Fiction-Romane und Kurzgeschichten weiter und wurde quasi zum Geburtshelfer der Ars Electronica", so Mayer weiter. Der oberösterreichische Landeshauptmann Thomas Stelzer nannte ihn einen "Pionier von Weltrang".

Das in der oberösterreichischen Stadt Linz angesiedelte Museum Francisco Carolinum für Fotografie und Medienkunst nannte Franke ein Universalgenie und Urvater der Medienkunst. Anlässlich seines 95. Geburtstages am 14. Mai hatte ihm das Museum eine Ausstellung gewidmet, die erst vor wenigen Tagen endete.

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen