Panorama

Anwalt: "Wir sind doch nicht dämlich" Hoeneß schluckt die 27,2 Millionen

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(Foto: AP)

Wie viel Geld Hoeneß genau hinterzogen hat, spielt in München kaum noch eine Rolle. Die Verteidigung akzeptiert die neue Summe - und hofft trotzdem weiter darauf, dass der Bayern-Präsident ohne Strafe davonkommt.

Während der Angeklagte Uli Hoeneß gestern im Stadion saß und den Einzug seiner Bayern ins Championsleague-Viertelfinale feierte, musste sein Richter Rupert Heindl noch arbeiten. Er nutzte den Abend, die Zahlenkolonnen nachzuprüfen, die am Tag zuvor von einer Steuerfahnderin vorgetragen wurden. In der mündlichen Ausführung war vieles davon unverständlich, minutenlang besprachen Anwalt, Staatsanwalt und Richter die Tabellen, aus denen die Beamtin vorgetragen hatte. Nach der abendlichen Prüfung hatte Richter Heindl nun nur noch geringe Korrekturen an den Zahlen.

Die Verteidigung von Uli Hoeneß akzeptierte daraufhin die von der Finanzbeamtin genannten Steuerschulden in Höhe von 27,2 Millionen Euro. Zu Beginn des Prozesses hatte Hoeneß' Anwalt Hanns Feigen nur von 18,5 Millionen Euro gesprochen. Gerichtssprecherin Andrea Titz hatte darum gesagt, das Hoeneß-Team sei "überrascht" gewesen. Das wies Feigen nun brüsk zurück: In der Selbstanzeige seien die Zahlen alle enthalten. Er "verbitte" sich diese Kommentierung von außen. "Wir sind doch nicht dämlich."

In der Anklage war sogar nur von 3,5 Millionen Euro die Rede. Darum war zwischendurch diskutiert worden, ob es ein zweites Verfahren geben müsse. Der Richter stellte nun klar: Er wird bei seinem Urteil von den neuen Zahlen ausgehen. Die Sache kann damit in diesem Verfahren abgeschlossen werden.

Ist Hoeneß' Selbstanzeige gültig?

Kern des Verfahrens ist weiterhin die Frage, ob Hoeneß' Selbstanzeige gültig ist oder nicht. Übergeben wurde sie am 27. Februar 2014 in Form von 29 PDF-Dokumenten auf einem USB-Stick. Die Dokumente sind teilweise in PDFs umgewandelte Textdokumente, teilweise sind es eingescannte Seiten. Insgesamt sei das Material nicht mit einem "Schuhkarton mit irgendwas" vergleichbar, sagt einer von Hoeneß' Anwälten. Diese Formulierung hatte der Richter am Tag zuvor gebraucht. Der Anwalt setzte nun noch einen drauf: Eher seien es viele Schuhkartons, die "auf den Boden gekippt" wurden.

Die Verteidigung behauptet weiterhin, dass die Selbstanzeige freiwillig gestellt wurde und damit gültig ist. Zwar sei sie nicht ganz vollständig gewesen, erfülle aber den "Kern" der Anforderungen. Für die Staatsanwaltschaft ist die Unvollständigkeit dagegen Grund genug, die Selbstanzeige nicht gelten zu lassen.

Befragt wurden dann noch ein Zeuge, der mit den Betriebsprüfungen beim Privatmann Uli Hoeneß und seiner deutschen GmbH befasst war. 2012 habe er "ein paar Umzugskisten voll Unterlagen" durchgesehen, was in der Menge aber "angemessen" und "durchaus normal" sei. Auffälligkeiten habe es dabei nicht gegeben, Details wurden mit Hoeneß' Steuerberater geklärt. Wenn er Hoeneß' persönlich getroffen habe, so der Betriebsprüfer, habe er mit ihm vor allem über Fußball gesprochen.

Hoffnung auf Steuerabkommen zerschlagen

Der dritte Prozesstag endete nach nicht einmal eineinhalb Stunden. Gerichtssprecherin Andrea Titz sagte, voraussichtlich werde der Prozess wie geplant am Donnerstag mit den Plädoyers und dem Urteil zu Ende gehen.

Die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, dass Hoeneß vom deutsch-schweizerischen Steuerabkommen profitieren wollte. Wenn es in Kraft getreten wäre, hätte sich der Bayern-Chef freikaufen können. Eine schweizer Bank errechnete dafür eine Summe von 6,3 Millionen Euro. Damit wären Hoeneß wohl über 20 Millionen Euro an Nachzahlungen erspart geblieben. Das Abkommen hatte die schwarz-gelbe Bundesregierung ausgehandelt, 2013 wurde es von den rot-grün regierten Bundesländern im Bundesrat gestoppt.

Quelle: ntv.de

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