Panorama
Dienstag, 10. August 2010

Kulturkampf in den Niederlanden : Homo-Eltern in Schulbüchern

Einst haben die Niederländer als weltweit erste die Homo-Ehe und die Adoption von Kindern durch schwule und lesbische Paare erlaubt. Nun gehen sie einen logischen Schritt weiter.

Homosexuelle Eltern in Schulbüchern? Das stößt auf Widerstand.
Homosexuelle Eltern in Schulbüchern? Das stößt auf Widerstand.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Papa und Papa kaufen ein Meerschweinchen. Die Zoohandlung gibt auf den Preis von 17,95 Euro einen Rabatt von 20 Prozent. Wie viel müssen Jans Väter bezahlen? So oder ähnlich werden künftig Aufgaben in niederländischen Mathematik-Lehrbüchern lauten. Auch in Erdkunde, Fremdsprachen und anderen Fächern soll an Hollands Schulen nicht mehr an der Realität homosexueller Paare und Eltern vorbeiunterrichtet werden.

Schulen müssten endlich auch Homo-Ehen als Selbstverständlichkeit behandeln, forderte Eberhard van der Laan. Der 55-jährige Vater von fünf Kindern ist Bürgermeister der Stadt Amsterdam, die sich wegen ihrer vielen Kanäle nicht allein als "Venedig des Nordens", sondern auch als Schwulen-Metropole der Welt touristisch vermarktet. Seinen Aufruf hat jetzt der größte Schulbuchherausgeber des Landes aufgegriffen.

"Das geht doch auch anders"

"Lehrbücher sind immer mit unserem Alltag verbunden", sagt Frans Grijzenhout, der Direktor des Verlages Noordhof Uitgeverij. "Wenn es in Lesebüchern zum Beispiel um den Familienurlaub geht, sieht man auf Zeichnungen Kinder mit Vater und Mutter. Das geht doch auch anders."

Künftig wird bei der Gestaltung von Noordhof-Schulbücher darauf geachtet, dass die gesellschaftliche Realität von Papa-Papa- sowie Mama-Mama-Familien angemessen widergespiegelt wird. Längst seien doch auch muslimische Mädchen mit Kopftüchern oder andere Repräsentanten fremder Kulturkreise Lehrbuchgestalten, sagt Grijzenhout. "Auf ähnliche Weise machen wir für Kinder auch Homosexualität erkennbar."

Toleranz lässt nach

Die Niederländische Vereinigung für die Integration von Homosexuellen (COC) reagierte begeistert. Schon längst hätte man Schluss machen müssen mit der "Hetero-Normativität in Schulbüchern". Mit Sorge beobachtet die COC vielerorts in den Niederlanden "eine nachlassende Toleranz gegenüber Homosexuellen".

Die Fröhlichkeit bei Schwulenparaden könne nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Zahl der Angriffe auf Homosexuelle zugenommen habe. Selbst in Amsterdam berichten Homo-Paare, dass sie sich weniger sicher fühlen als früher. Die Täter sind oft Jugendliche aus muslimischen Einwandererfamilien. Umso wichtiger sei es, dass schon in Schulbüchern "Männer-Paare und Frauen-Paare als etwas ganz Normales dargestellt sein werden", heißt es bei der COC.

Ganz bestimmt nicht in allen. Strenggläubige Calvinisten lehnen "Homo-Figuren" im Lehrmaterial ihrer Kinder ebenso energisch ab wie konservative Katholiken. "Der Schule darf nicht die Homo-Emanzipation aufgezwungen werden", forderte das "Reformatorisch Dagblad", die wichtigste Zeitung orthodox-protestantischer Christen in den Niederlanden.

Quelle: n-tv.de