Panorama

Sexismus-Eklat in Gedenkstätte Hubertus Knabe fristlos gefeuert

29d5d59fd3755c6c20cf5932ca262a94.jpg

Die Gedenkstätte im Berliner Stadtteil Hohenschönhausen ist erneut in den Schlagzeilen.

(Foto: imago/Joko)

Die Anschuldigungen wiegen schwer: Mehrere Frauen werfen dem Führungsstab der Stasi-Gedenkstätte Hohenschönhausen sexistisches Verhalten vor. In einem Brief schreiben sie von erschreckender Regelhaftigkeit. Nun zieht der Stiftungsrat die Reißleine.

Nach einem Brandbrief über sexuelle Belästigung und strukturellem Sexismus muss die Führungsriege der Stasi-Gedenkstätte Hohenschönhausen gehen. Das hat der Stiftungsrat der Stiftung Gedenkstätte Hohenschönhausen in einer Sondersitzung entschieden, wie die Berliner Senatskulturverwaltung mitteilte. Der Beschluss fiel einstimmig.

Demnach müssen der 56-jährige Leiter Hubertus Knabe und sein Vize Helmuth Frauendorfer gehen. Der Stiftungsrat habe demnach kein Vertrauen, dass Knabe "den dringend notwendigen Kulturwandel in der Stiftung einleiten wird, geschweige denn einen solchen glaubhaft vertreten kann". Kultursenator und Chef des Stiftungsrates, Klaus Lederer, will die Beschäftigten der Gedenkstätte morgen informieren.

Frauendorfer wird vorgeworfen, Frauen sexuell belästigt zu haben. Er war am Vortag bereits von Knabe wegen Sexismusvorwürfen beurlaubt worden. In einem Brief an Kulturstaatsministerin Monika Grütters und Berlins Kultursenator Klaus Lederer hatten mehrere Mitarbeiterinnen, Volontärinnen und Praktikantinnen, die zwischen 2011 und 2018 in der Gedenkstätte beschäftigt waren, der dortigen Führungsetage sexistisches Verhalten vorgeworfen. In dem Brief vom 8. Juni 2018 formulierten sie Anschuldigungen über "erschreckende Regelhaftigkeit übergriffiger Verhaltensmuster". Aus Furcht vor beruflichen Nachteilen nannten die Betroffenen in dem Brief ihre Namen nicht.

Damit rückte die Gedenkstätte innerhalb weniger Monate erneut in den Fokus. So hatte sich jüngst ein ehemaliger Häftling und jetziger Gedenkstättenmitarbeiter in einem Interview AfD-nah gegeben und über den Holocaust relativierende Äußerungen getätigt. Er war daraufhin entlassen worden.

Die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen befindet sich im berüchtigten früheren Untersuchungsgefängnis der Staatssicherheit (Stasi) der DDR, das diese von 1951 bis 1989 betrieb. In der Anstalt waren insbesondere politische Gefangene inhaftiert. Viele wurden körperlich und seelisch gefoltert. Die Einrichtung wird von Bund und Land finanziert.

Quelle: n-tv.de, jwu/dpa/AFP

Mehr zum Thema