Retter graben mit bloßen HändenHunderte Tote bei Beben in China

Erneut wird China von einem starken Erdbeben erschüttert. Hunderte Menschen sterben, rund 10.000 werden verletzt. Noch ist das Ausmaß der Katastrophe kaum absehbar. Ein Funktionär beschreibt die Situation als chaotisch: "Fast alle Häuser sind eingestürzt."
In der westchinesischen Provinz Qinghai hat ein schweres Erdbeben fast 600 Menschen in den Tod gerissen und rund 10.000 weitere verletzt. Nach Angaben der Behörden wurden weite Teile des abgelegenen Bezirks Yushu im tibetischen Hochland verwüstet.
Der Erdstoß mit einer Stärke von mindestens 6,9 überraschte die Menschen im Schlaf. Zahlreiche Häuser aus Holz und Lehm stürzten ein, Stromleitungen wurden zerstört, Erdrutsche blockierten die Straßen. Besonders schlimm traf es die Verwaltungshauptstadt Jiegu nahe des Epizentrums. Die 100.000 Einwohner zählende Stadt wurde "fast dem Erdboden gleichgemacht", sagte der Funktionär Zha Xi von der Katastrophenzentrale der Nachrichtenagentur dpa in Peking. "Die meisten Häuser sind eingestürzt. Wir suchen nach Verschütteten."
"Die Verletzten liegen überall in den Straßen, viele haben offene Kopfwunden", berichtete ein Vertreter der Stadt. Eine Schule stürzte ein, mindestens 20 Kinder sollen unter den Trümmern begraben sein. Auch das Gebäude der Industrie- und Handelskammer stürzte ein. "Dort sind zwischen 40 und 50 Menschen verschüttet. Aber sie leben, wir haben Kontakt zu ihnen", sagte der Feuerwehrmann Kang Zifu dem Fernsehsender CCTV. Nach seinen Angaben konnten bis zum Nachmittag mehr als 30 Menschen in Jiegu geborgen werden.
Hilfe noch nicht eingetroffen
Hilfe von außerhalb war auch acht Stunden nach dem Beben noch nicht eingetroffen, die Rettungskräfte gruben teils mit bloßen Händen nach Überlebenden. "Gegenwärtig sind wir bei den Rettungsarbeiten auf uns alleingestellt", sagte der Beamte. "Unsere Hauptaufgabe ist, verschüttete Menschen aus den Trümmern zu graben." Die Straße zum nahe gelegenen Flughafen sei nach Erdrutschen blockiert. "Wir bemühen uns, den Weg von der Gemeinde zum Flughafen freizubekommen, weil es die einzige Möglichkeit ist, um Hilfsgüter hierher zu bekommen."
In dem autonomen Bezirk Yushu leben rund 80.000 Menschen, vor allem tibetische und mongolische Bauern und Nomaden. Die bergige Region in etwa 4000 Metern Höhe wird immer wieder von Erdbeben erschüttert.
Wieder stürzen Schulen ein
Qinghai grenzt an die Provinz Sichuan, wo im Mai 2008 bei einem verheerenden Erdbeben der Stärke 8,0 mindestens 87.000 Menschen getötet oder als vermisst gemeldet wurden. Auch diesmal stürzten Schulen ein. Wie viele Kinder ums Leben kamen, ist unklar. "Viele Studenten sind in den Trümmern eines eingestürzten Gebäudes einer Berufsschule begraben", sagte ein Funktionär laut Xinhua. Ein Grundschullehrer sagte: "Die Gebäude unserer Schule stürzten alle ein." Das Beben sei vor Beginn des Unterrichts passiert. "Einige Schüler rannten aus den Schlafsälen, und jene, die nicht rechtzeitig flüchten konnten, wurden begraben."
Rettungsteams und medizinisches Personal wurden aus benachbarten Provinzen entsandt. 5000 Helfer wurden mobilisiert, wie Xinhua berichtete. Das Militär bereitete drei Flugzeuge mit Bergungstrupps und Hilfsmaterial vor. Das Verwaltungsministerium in Peking kündigte an, 5000 Zelte sowie jeweils 50.000 Decken und Mäntel in die Erdbebenregion zu schicken. In der Präfektur leben insgesamt 250.000 Menschen.
In einem Beileidsschreiben übermittelte Bundeskanzlerin Angela Merkel dem chinesischen Ministerpräsidenten Wen Jiabao ihre "große Trauer und Bestürzung". Den Opfern und ihren Angehörigen gelte ihr "tief empfundenes Mitgefühl". Der japanische Ministerpräsident Yukio Hatoyama bot der Regierung in Peking Hilfe an. Papst Benedikt XVI. rief zur Solidarität auf. Seine Gedanken seien bei China und der Bevölkerung, und er bete für die Opfer der Katastrophe.