Panorama

Medikamente tödlich kombiniertImmer mehr junge Menschen sterben an Drogen

07.07.2026, 10:28 Uhr
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Schmerz- und andere Arzneimittel können ein tödliches Risiko bergen. Manche Tabletten sehen auch nur harmlos aus. (Foto: picture alliance / Zoonar)

Besonders Arzneimittel, oft zusammen mit Alkohol und anderen Substanzen, werden für Jugendliche und junge Erwachsene zunehmend zur tödlichen Gefahr. Der Rausch ist nur wenige Klicks entfernt, das Risiko oft nicht bewusst.

Fast jeder vierte Drogentote in Deutschland ist heute unter 30 Jahre alt - die Zahl ist in den vergangenen vier Jahren um mehr als die Hälfte gestiegen. Bei den unter 20-Jährigen verdoppelte sich die Anzahl sogar fast, wie der Bundesdrogenbeauftragte Hendrik Streeck mitteilt. Insgesamt starben im vergangenen Jahr 2150 Menschen an den Folgen ihres Drogenkonsums, die Zahl bleibt damit auf Rekordniveau.

528 Drogentote waren unter 30 Jahre alt, 106 sogar unter 20. Die jungen Todesopfer konsumierten demnach vor allem Medikamente. Überdurchschnittlich oft spielten Benzodiazepine, opioidhaltige Schmerzmittel und andere psychoaktive Arzneimittel eine Rolle, auch wenn sie nicht die alleinige Todesursache bildeten.

Mehr als vier von fünf Drogentoten starben nach dem gleichzeitigen Konsum mehrerer Substanzen, wie Streeck erklärt. "Mischkonsum ist hochgefährlich. Vielen jungen Menschen ist dieses Risiko nicht bewusst. Sie konsumieren aus psychischer Belastung, aus Neugier oder Übermut und mischen Substanzen."

Gleichzeitig breiten sich demnach synthetische Opioide weiter aus. Bei Fentanyl etwa wurden im vergangenen Jahr 118 Todesfälle registriert - gut ein Fünftel mehr als im Jahr zuvor.

Kokain und Crack oft im Spiel

Auch Unwissenheit wird zur tödlichen Gefahr: "Wir sehen auf dem Markt Tabletten, die aussehen wie bekannte Medikamente, aber mit hochpotenten synthetischen Opioiden wie Nitazenen versetzt sind", berichtet Streeck. Wer sie einnimmt, wisse oft nicht, was tatsächlich drinsteckt. "Genau das macht sie so gefährlich, schon kleinste Mengen können tödlich sein."

Weltweit nehme der Drogenkonsum zu. "Besonders Kokain und synthetische Drogen gewinnen weiter an Bedeutung", heißt es in der Mitteilung. Bei 769 Todesfällen in Deutschland war im vergangenen Jahr Kokain beziehungsweise Crack im Spiel.

"Gleichzeitig verändern sich die Drogenmärkte rasant: Neue psychoaktive Stoffe, immer potentere Substanzen und digitale Vertriebswege erhöhen die Risiken und die Verbreitung." Drogen, gefälschte Medikamente und hochriskante Mischungen seien oft nur wenige Klicks entfernt, warnt Streeck.

Der Regierungsbeauftragte fordert mehr Prävention sowie frühere Hilfe und warnt vor Verharmlosung: "Junge Menschen mischen Medikamente, Alkohol und andere Substanzen, oft ohne die tödlichen Risiken der Kombinationen zu kennen." Das an sich gute Suchthilfesystem dürfe nicht kaputtgespart werden. "Gerade Jugendliche brauchen schneller Hilfe: ausreichend Entzugs- und Therapieplätze, Begleitung für Familien und Angebote, die sie erreichen, bevor aus Risiko ein Todesfall wird."

Quelle: ntv.de, chl

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