Panorama

"Großer Schritt für die Frauen" Indisches Gericht verbietet Blitzscheidungen

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Die Entscheidung des Gerichts wird als historisch für die Geschlechtergleichheit gewertet.

(Foto: dpa)

"Talaq, Talaq, Talaq": Nach alter muslimischer Tradition reicht die dreimalige Wiederholung dieses Wortes in Indien aus, um eine Ehe zu beenden. Nun hat das Oberste Gericht diesen so genannten Blitzscheidungen jetzt ein Ende gesetzt - für Frauen ein Sieg.

Indiens Oberster Gerichtshof hat die islamische Scheidung durch das Verstoßen der Frau verboten. Eine Ehe zwischen Muslimen galt in Indien bisher als geschieden, wenn der Mann drei Mal innerhalb kurzer Zeit das Wort "Talaq" (Verstoßung) aussprach. Das Gericht in Neu Delhi habe diese "Triple Talaq" oder auch "Sofort-Scheidung" genannte Praxis mit einer 3:2-Mehrheit für verfassungswidrig erklärt, weil sie das Recht auf Gleichheit vor dem Gesetz verletze. Das teilte Zakia Soman von der muslimischen Frauenorganisation "Bharatiya Muslim Mahila Andolan", die zu den Klägern gehörte, vor Reportern mit.

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Eine muslimische Braut in Indien.

(Foto: dpa)

Premierminister Narendra Modi twitterte, die Entscheidung sei "historisch". Die indische Familienministerin Maneka Gandhi bezeichnete das Urteil als "großen Schritt für die Frauen". Muslime machen etwa 14 Prozent der rund 1,3 Milliarden Einwohner Indiens aus. Für sie gilt ein eigenes religiöses Personenrecht. Das Gremium, das über die Einhaltung dieser Gesetze wacht, das "All India Muslim Personal Law Board", hatte sich gegen ein Verbot des umstrittenen Scheidungsbrauches ausgesprochen. Es handle sich um eine religiöse Angelegenheit, für die das Gericht nicht zuständig sei.

Die für den Fall zuständigen fünf Richter, die fünf unterschiedlichen Religionen angehören, entschieden allerdings Medienberichten zufolge mehrheitlich, dass "Triple Talaq" auch gegen die Lehre des Korans verstoße. "Was in der Religion Sünde ist, kann rechtlich nicht gültig sein", erklärte das Gericht.

Sieg für die Geschlechtergleichheit

Die Richter - ein Hindu, ein Christ, ein Muslim, ein Sikh und ein Zoroastrier - bewerteten die Blitzscheidungen als verfassungswidrig und gegen die Regeln des Islam. Indien, offiziell ein säkulares Land, erlaubt religiösen Institutionen ein Entscheidungsrecht in Fragen, die sich um Heirat und Scheidung drehen. Indische Medien sprachen von einem großen Sieg für die Geschlechtergleichheit. Eine der Klägerinnen, Shayara Bano, sagte nach der Urteilsverkündung: "Ich appelliere an das Volk, die Entscheidung des Obersten Gerichts zu akzeptieren und nicht zu politisieren".

Muslimische Männer haben in Indien ihre Ehefrauen in den vergangenen Jahren durch dreimaliges Aussprechen von "Talaq" etwa per Telefon, E-Mail oder SMS verstoßen. In Indien leben rund 180 Millionen Muslime. In vielen mehrheitlich muslimischen Ländern gibt es diesen Brauch nicht.

Quelle: ntv.de, vck/AFP/dpa