Panorama

Saharaluft und Frühlingsgefühle Jetzt kommt das nächste Wetter-Extrem

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Warme Saharaluft strömt nach Norden und lässt den Schnee schmelzen.

(Foto: picture alliance / blickwinkel/S. Derder)

Mit eiskalten Temperaturen und üppigem Schneefall ist vorerst Schluss. Stattdessen strömt uns warme Saharaluft mit frühlingshaften Temperaturen entgegen. Am Wochenende kündigen sich sogar neue Wärmerekorde an, sagt ntv-Meteorologe Björn Alexander.

ntv.de: Dem Winter scheint mächtig die Puste auszugehen. Wie sind die Trends für den Rest des Februars 2021?

Björn Alexander: Wir steuern jetzt von einem Extrem ins nächste. Letzte Woche Eiswinter mit neuen Minusrekorden an manchen Wetterstationen. Und jetzt kommt ein Schwall Saharaluft zu uns. Damit klettern die Temperaturen am Wochenende in den Rekordbereich am anderen Ende. Für den absoluten und deutschlandweiten Februar-Rekord wird es zwar sehr wahrscheinlich nicht reichen. Aber für neue Rekorde an einzelnen Orten wird es auf jeden Fall knapp.

Wie hoch ist der Rekord?

23,1 Grad, aufgestellt in Jena am 26. Februar 1900. Eine wirklich alte Höchstmarke, die wohl auch das Jahr 2021 überdauern dürfte. Dabei wäre die Luftmasse eigentlich warm genug. Einzig die Trübung durch den Saharastaub wirkt bremsend. Hierdurch wird uns der Himmel nämlich am Wochenende zum Teil recht milchig. Und dadurch fehlt es an der maximalen Sonnenkraft.

Welche Rekorde könnten denn fallen?

Spannend wird es beispielsweise in Bremen (bisher 18,5 Grad), in Hannover (18,2 Grad) oder in Hamburg (17,4 Grad). Je nach Beeinträchtigung durch den Staub könnte es hier auf jeden Fall eng werden.

Stichwort Wetterkontraste: Wie kommt es zu so einem extremen Wetterwechsel?

Auslöser der winterlichen Witterungsphase war ein Hoch über Skandinavien. An dessen Rand und mit Unterstützung der arktischen Strömungen am Rand des geteilten Polarwirbels konnte vor gut zehn Tagen die sibirische Kaltluft bis nach Deutschland gelangen. Gleichzeitig drückte warme Saharaluft dagegen, was uns wiederum den Blutschnee bescherte. Jetzt fehlt der kalte Gegenspieler und damit kann die Saharaluft ohne Gegenwehr nach Norden strömen. Außerdem mit dabei: ein Hoch, das uns die Option auf einige Sonnenstunden eröffnet.

Ein Hauch vom Frühling, der uns ereilt?

Korrekt. Denn das wird sich ganz bestimmt schon mal wie (Vor-) Frühling anfühlen. Nur nachts spüren die Menschen vor allem im Süden und Osten mit leichtem Frost oder Bodenfrost, dass der Winter eigentlich noch nah ist.

Ist das dann schon der richtige Startschuss für den Frühling?

Vorerst einmal noch nicht. Dafür braucht die Natur schon noch ein paar mehr warme Tage. Und natürlich ist es auch nur bedingt gut, wenn es jetzt schon richtig los gehen würde in puncto Frühling und Wachstum. Denn nichts ist schlimmer als ein früher Frühlingsstart, der dann vom Winter noch einen auf den Deckel bekommt.

Steht da etwa noch einmal was in Sachen Winter an?

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Björn Alexander ist Wetter-Experte bei ntv.de.

Auszuschließen ist es definitiv nicht. So sehen die experimentellen Langfristvorhersagen des Amerikanischen Wetterdienstes NOAA einen "nur" durchschnittlich temperierten März auf uns zukommen. Das würde noch einige Frostnächte bedeuten. Zumal die Niederschlagsvorhersage einen extrem trockenen März 2021 sieht. Das spricht für Hochdrucklagen mit eher östlichen Winden. Selbst ein richtiger Märzwinter wäre damit nicht auszuschließen. Das wahre Problem ist aber: Fällt der März 2021 deutlich zu trocken aus, dann steuern wir direkt in das vierte Dürre-Frühjahr in Folge.

Vom März zurück zum kommenden Wochenende: Wie sehen die Vorhersagen aus?

Am Samstag dominiert abseits von teils zähen Nebelfeldern vielfach die Sonne. Einzig den Norden streifen noch kompaktere Wolkenfelder. Dazu bringen es die Temperaturen auf durchaus frühlingstaugliche 19 Grad im Westen. Am unteren Ende der Temperaturskala liegt Vorpommern bei 9 Grad.

Und am Sonntag?

Sieht es ebenfalls gut aus. Der Saharastaub wird zwar einen sehr milchigen Eindruck am Himmel hinterlassen. Aber für 5 bis 9 Sonnenstunden von 10 maximal möglichen Sonnenstunden sollte es reichen. Die Temperaturen erreichen oft 11 bis 19, stellenweise vielleicht auch bis knapp 20 Grad. Hier ist wie gesagt noch fraglich, wie stark der Staub die Sonne stört.

Bei so viel Sonne: Müssen wir uns eincremen?

Für empfindliche Hauttypen ist das jetzt am Ende des Winters sicherlich ratsam. Der UV-Index liegt im Süden bei 3, vielleicht sogar schon bis 4. Das entspricht einer mäßigen Belastung. Zumindest bei längeren Aufenthalten in der prallen Sonne würde ich Sonnencreme oder einen Sonnenschutz empfehlen

Welches Wetter bringt uns die nächste Woche?

Es bleibt bei diesen vergleichbar hohen Temperaturen zwischen rund 10 und knapp 20 Grad und nächtlicher Frostgefahr unterm klaren Himmel. Tagsüber überwiegt derweil die Sonne und das Regenrisiko ist gering. Einen Wetterwechsel hin zu wechselhaft und kühler sehen die Wettercomputer frühestens in der zweiten Wochenhälfte beziehungsweise zum Ende des Monats.

Quelle: ntv.de