"Nettes Beisammensein"Jugendamt will keine Kindeswohlgefährdung bei Block-Kindern erkannt haben

Kurz nach ihrer Entführung aus Dänemark erlebt eine Sozialpädagogin die Block-Kinder und trifft nun vor Gericht überraschende Aussagen. Unterdessen könnten die Angriffe im Iran die Vernehmung israelischer Zeugen verzögern.
Der Block-Prozess wurde nach vierwöchiger Pause in Hamburg fortgesetzt. Wenige Tage nach der mutmaßlichen Entführung der Kinder vom Wohnort ihres Vaters in Dänemark hat eine Mitarbeiterin des Hamburger Jugendamts keine Anzeichen für eine Kindeswohlgefährdung bei dem Jungen und dem Mädchen festgestellt. Das sagte die Sozialpädagogin als Zeugin vor der Strafkammer am Landgericht aus. Demnach habe sie die Kinder im Haus von Christina Block am 4. Januar 2024 getroffen - die Entführung fand kurz davor in der Silvesternacht statt.
Sie habe den damals 10-jährigen Jungen und dessen 13 Jahre alte Schwester beim Spielen angetroffen. Sie selbst habe sich dazugesellt. "Es war ein nettes Beisammensein", berichtete die 47-jährige Sozialpädagogin am Landgericht Hamburg. Der Sohn und die Tochter waren in der Silvesternacht 2023/24 gewaltsam nach Süddeutschland gebracht worden. Von dort hatte Christina Block sie nach Hamburg geholt. Der 52-Jährigen wird vorgeworfen, einer israelischen Sicherheitsfirma den Auftrag zur Entführung ihrer beiden Kinder gegeben zu haben. Die Tochter des Gründers der Steakhaus-Kette "Block House", Eugen Block, bestreitet das vehement.
Kinder kehren 2021 nicht von Dänemark-Trip zurück
Die angeklagte Unternehmerin streitet seit Jahren mit ihrem Ex-Mann Stephan Hensel um das Sorgerecht für die beiden jüngsten der vier gemeinsamen Kinder. Sie waren im Sommer 2021 nicht wie vereinbart nach einem Wochenendbesuch bei ihrem Vater in Dänemark nach Hamburg zurückgekehrt.
Im vergangenen Herbst hatte sich der gesuchte Chef des Sicherheitsunternehmens Cyber Cupola aus Israel, David Barkay, bei den deutschen Ermittlungsbehörden gemeldet. Nach der Gewährung sicheren Geleits sagte er erst bei der Staatsanwaltschaft in Hamburg und dann vor Gericht aus. An sieben Prozesstagen erschien der 68-Jährige bislang unter hohen Sicherheitsauflagen vor Gericht. Richter, Staatsanwälte und Nebenklage befragten ihn stundenlang.
Barkay sagte, er sei engagiert worden, um die Familie des Ex-Mannes Stephan Hensel in Dänemark auszuspionieren und Informationen zu sammeln, die im Sorgerechtsstreit helfen sollten. Als das nicht den gewünschten Erfolg gebracht habe, sei der Druck auf ihn immer größer geworden. Die Cybersicherheit bei der Block-Gruppe sei auch Thema gewesen - allerdings nicht zu Anfang.
Zeitplan des Gerichts wackelt
Der ebenfalls angeklagte Familienanwalt Andreas Costard sei sein wichtigster Ansprechpartner gewesen, berichtete der Zeuge. Der habe ihm immer wieder erklärt, dass eine Rückholung nach Deutschland legal sei. Auch Eugen Block sei informiert gewesen. Ihn nannte der Zeuge immer nur "Patriarch". Nach Aussage eines anderen Zeugen soll Barkay Berufssoldat bei den israelischen Spezialkräften und Abteilungsleiter beim Geheimdienst Mossad gewesen sein. Seine Befragung ist nicht abgeschlossen. Drei weitere Israelis, darunter eine enge Mitarbeiterin des Firmenchefs, sollen als Zeugen gehört werden. Bei der Staatsanwaltschaft haben sie bereits ausgesagt.
Wegen der Angriffe im Iran gerät der Zeitplan des Gerichts möglicherweise durcheinander. "Wir müssen sehen, ob das aufgrund der weltpolitischen Lage klappt", sagte die Vorsitzende Richterin Isabel Hildebrandt. Eventuell müsse das Beweisprogramm umgestellt werden. Es gebe noch weitere Zeugen.
Bei dem Besuch der Jugendamtsmitarbeiterin Anfang Januar 2024 war auch die zweitälteste Tochter der geschiedenen Eltern anwesend. Sie lebt bei der Mutter in Hamburg. Die älteste Tochter dagegen war nach einem Streit im Sommer 2021 mit Zustimmung der Mutter zu ihrem Vater nach Dänemark gezogen. Alle drei anwesenden Kinder hätten in ausgelassener Stimmung miteinander gespielt, sagte die Zeugin über die Situation damals. "Sie waren sehr vertraut miteinander." Sie habe bei keinem Tränen gesehen.
Jugendamtsmitarbeiterin sieht Loyalitätskonflikt
Die beiden jüngsten Kinder hätten gesagt, was sie in ihren alten Zimmern neu gestalten wollten. Der Junge habe auf keinen Fall mehr seinen rosafarbenen Papierkorb haben wollen, die 13-jährigen Tochter wollte eine andere Tapete, berichtete die Jugendamtsmitarbeiterin. Über den Vater habe das Mädchen nur gesagt: "Ich würde gern mit ihm sprechen, aber das geht im Moment nicht." Die Kinder hätten keine Anzeichen dafür gezeigt, dass sie nicht im Haus ihrer Mutter sein wollten.
Später soll die Tochter gegenüber den Behörden in Dänemark ausgesagt haben, dass sie die Jugendamtsmitarbeiterin um Hilfe gebeten habe. Die Staatsanwaltschaft Hamburg hatte darum ein Ermittlungsverfahren gegen die Sozialpädagogin eingeleitet, das jedoch wieder eingestellt wurde. Auf die Frage, wie sie sich die spätere Aussage des Mädchens erkläre, sagte die Zeugin: "Es kann ein Anzeichen dafür sein, dass Kinder in einem Loyalitätskonflikt stehen und Dinge nachträglich anders schildern, als sie tatsächlich waren." Das Gericht hat in den kommenden Monaten noch zahlreiche Prozesstage terminiert.