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17-Jährige sucht nach Jugendwort "Jugendliche werden oft vergessen"

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"I bims" wurde 2017 offiziell zum "Jugendwort des Jahres gewählt".

(Foto: picture alliance / Lino Mirgeler)

"Ehrenmann/Ehrenfrau", "I bims", "Smombie" oder "Yolo" sind allesamt zu "Jugendwörtern des Jahres" gewählt worden. Doch in diesem Jahr fällt die Wahl aus. Einer 17-jährigen Junior-Bloggerin ist die Jugendsprache aber so wichtig, dass sie selbst eine Befragung auf die Beine stellt. Livia Kerp war früher selbst Teil der Langenscheidt-Jury und will nun ein Zeichen für ihre Generation setzen.

n-tv.de Wie bist du auf die Idee gekommen, eine eigene Jugendwort-Umfrage zu starten?

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Livia Kerp setzt sich für das Jugendwort ein.

(Foto: Livia Kerp)

Livia Kerp: Der Langenscheidt-Verlag hatte die Rechte daran verkauft und dann gab es online eine Ersatzwahl. Doch diese Seite wurde gehackt und das bedeutete auch gleich das Aus für das Online-Voting. Ich fand das ziemlich schade, denn ich als Jugendliche empfinde es auch als Wertschätzung, ein Jugendwort zu haben. Was der Langenscheidt-Verlag ursprünglich aus Marketing-Gründen 2008 gestartet hat, ist mittlerweile zum festen Bestandteil unserer Jugendkultur geworden. Ich möchte mir das nicht nehmen lassen. Da habe ich mir gedacht, dass ich selbst das Jugendwort des Jahres 2019 suche.

Wie lief das dann ab?

Ich habe viele Jurykollegen von früher und andere Leute gefragt, ob sie ein Wort kennen, das viel benutzt wird. Ich habe mich außerdem auch in meinem Freundeskreis umgehört. Mir war es wichtig, dass ich Leute aus ganz Deutschland suche und sie nach ihrem Jugendwort des Jahres frage, denn es gibt sicher auch regionale Unterschiede. Ich habe die Leute via E-Mail und via Instagram gefragt. Es waren so etwa 90 Personen. Zwei, drei Wörter haben sich dann schon herauskristallisiert. Das Jugendwort ist dann relativ eindeutig gewählt worden.

Zur Person

Livia Kerp schreibt in ihrem Blog www.liviajosephine.de hauptsächlich über Politik und Unterhaltung. Sie beschäftigt sich besonders mit jugendpolitischen Themen. 2016 bis 2018 war sie in der Jury zum "Jugendwort des Jahres".

Verrätst du es?

Nein, die Wörter verrate ich noch nicht. Ich werde es erst am 8. November auf meinem Blog www.liviajosephine.de veröffentlichen.

Deine Befragung ist allerdings nicht repräsentativ …

… Naja, bei Langenscheidt konnte wirklich jeder, egal welchen Alters, ein Wort an den Verlag senden und dann wurde darüber abgestimmt. Das war jedes Jahr etwas kritisch und die Suche schwierig. Ich habe meine Umfrage dagegen von Jugendlichen für Jugendliche gemacht. Das sind auch Worte, die wirklich gesprochen werden.

Warum legst du auf das Jugendwort so viel Wert?

Ich finde, Jugendsprache ist real und das muss man akzeptieren. Das hat meiner Meinung nach auch nichts mit Statistiken zu tun. Sondern es zeigt das Selbstbewusstsein meiner Generation. Ich denke, Jugendliche werden von der Politik auch oft vergessen. Wir sind in der Gesellschaft und in der Politik relativ unsichtbar und stehen beim Jugendwort wenigstens einmal pro Jahr im Fokus der Öffentlichkeit. Es ist ein Zeichen, ein "Hallo, wir sind auch noch da". Als ich hörte, dass es das nicht mehr gibt, war ich richtig sauer.

Im Sommer gab es ziemlich viel Aufmerksamkeit rund um die Fridays-for-Future-Proteste. Glaubst du nicht, dass diese Aufmerksamkeit anhalten könnte?

Ja, bei Fridays for Future hat man schon gemerkt, dass viele Jugendliche auf die Straße gegangen sind. Ich fand es nur schade, dass vieles daran so in den Dreck gezogen worden ist - als es hieß, "Jugendliche wollen nur die Schule schwänzen". Ich finde es ganz toll, dass so viele Jugendliche die Motivation hatten, das zu machen.

Was wäre, wenn du einen Wunsch für deine Generation frei hättest?

Ich fände es gut, wenn die Jugendlichen überall ab 16 Jahren wählen und mitbestimmen könnten. Ich würde mir wünschen, dass wir Jugendlichen mehr gehört werden.

Das heißt, für dich ist das Jugendwort auch ein politisches Statement?

Ja, ich möchte damit einfach transportieren, dass wir Jugendliche auch da sind.

Mit Livia Kerp sprach Sonja Gurris

Quelle: n-tv.de

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