Panorama

Dokumente lagerten in Wand KGB-Akten bei Hausrenovierung entdeckt

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Das "Eckhaus" in Lettlands Hauptstadt Riga. Hier unterhielt der KGB eine Folterzentrale.

(Foto: imago/robertharding)

Historischer Fund in Lettland: Bei der Renovierung eines Hauses kommen plötzlich Dokumente des sowjetischen Geheimdienstes KGB ans Licht. Offenbar hatte ein Geheimdienstmitarbeiter die Aktenordner in einer Wand versteckt.

In Lettland sind bei der Renovierung eines Privathauses mehrere sehr gut erhaltene Unterlagen des früheren sowjetischen Geheimdienstes KGB gefunden worden. Die drei Dokumentenordner waren nach einem Bericht des lettischen Rundfunks in einer Wand versteckt. Sie wurden dem Lettischen Nationalarchiv in Riga übergeben. Alle Schriftstücke seien in russischer Sprache verfasst - einige davon handgeschrieben, andere mit der Maschine getippt. Nach Angaben von Historikern bestehe kein Zweifel an der Echtheit der bislang unbekannten Unterlagen - ihre Fallnummern stimmen mit anderen KGB-Dokumenten im Archiv des baltischen EU-Landes überein.

Der historisch wertvolle Fund stammt den Angaben zufolge aus einem Haus, in dem zu Sowjetzeiten ein KGB-Mitarbeiter lebte. "Warum er die Dokumente versteckt hat, können wir im Moment nur vermuten. Wir klären immer noch seine Daten und seinen Namen", sagte Archivforscher Gints Zelmenis. Die Unterlagen umfassen verschiedene Zeitspannen und stammen aus der KGB-Abteilung für ideologische Spionageabwehr. Nach Angaben von Zelmenis hätten sie auf Vorgabe des damaligen KGB-Chefs beim Kollaps der Sowjetunion eigentlich zerstört werden müssen.

Lettland wurde im Zweiten Weltkrieg abwechselnd von der Sowjetunion und Hitler-Deutschland besetzt. Nach Kriegsende blieb der Baltenstaat bis zu seiner erneuten Unabhängigkeit 1991 unfreiwillig Teil der Sowjetunion - und die lettische Gesellschaft unter Kontrolle des KGB. Nach Abzug des Geheimdienstes verblieben in Lettland nur mehrere dicke Säcke mit Akten und Dokumenten sowie Listen mit Namen von KGB-Agenten. Brisantes Material wurde zuvor vernichtet oder nach Moskau geschafft. Bis heute sind viele KGB-Spitzel nicht enttarnt.

Was mit den verbliebenen KGB-Akten geschehen soll, war in Lettland wegen ihrer Unvollständigkeit lange umstritten. Erst Ende 2018 veröffentlichte das Lettische Nationalarchiv erstmals einige Dokumente, die zuvor gut 25 Jahre unter Verschluss gehalten wurden.

Quelle: ntv.de, jpe/dpa