Panorama

"3096 Tage" Kampusch schweigt bei Premiere

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Natascha Kampusch schweigt auf dem roten Teppich vor der Film-Premiere.

(Foto: picture alliance / dpa)

Es ist einer der größten Kriminalfälle Österreichs, der schockierende Entführungsfall von Natascha Kampusch. Jetzt ist er auf Leinwand gebannt: "3096 Tage", die filmische Darstellung des Falls, feiert in Wien Premiere. Die Stimmung ist gedrückt. Kampusch und ihre Familie sind da, geben aber keine Interviews.

In Anwesenheit von Natascha Kampusch und ihren Eltern ist die mit Spannung erwartete Premiere des Entführungsdramas "3096 Tage" in Wien gezeigt worden. Die Atmosphäre war beklemmend. Im Vorfeld hatte es viel Kritik gehagelt, nicht wenige empfanden es geschmacklos, wie das österreichische Entführungsopfer Kampusch die Verfilmung ihrer Geschichte beworben hat.

Der Titel "3096 Tage" bezieht sich auf die Zeit, die Kampusch von 1998 bis 2006 in der Gewalt ihres Entführers Wolfgang Priklopil verbrachte. Der mit internationalen Darstellern auf Englisch gedrehte Film zeigt in beklemmender Weise Kampuschs Martyrium, nachdem Priklopil sie als Zehnjährige auf dem Schulweg verschleppte und in ein Kellerverlies von nicht einmal sechs Quadratmetern Fläche sperrte.

Hunger und sexueller Missbrauch

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Kampusch-Darstellerin Antonia Campbell-Hughes, Regisseurin Sherry Hormann, Priklopil-Darsteller Thure Lindhardt und Produzent Martin Moskowicz (v.l.n.r.)

(Foto: picture alliance / dpa)

Gezeigt wird im Film unter anderem, wie der Mann das Mädchen hungern lässt. Verstörend sind auch die Szenen, in denen Priklopil sich und Kampusch an den Händen zusammenbindet und seine Gefangene missbraucht. Kampusch selbst beurteilt den Film als authentisch. Der Streifen komme ihren tatsächlichen Erfahrungen während der Entführung sehr nahe, sagte sie kürzlich der "Bild"-Zeitung.

Erst im August 2006, nach achteinhalb Jahren Gefangenschaft, war Kampusch die  Flucht gelungen. Ihr Peiniger beging daraufhin Selbstmord. Viele Premieren-Besucher verließen am Abend in gedrückter Stimmung oder mit Tränen in den Augen den Kinosaal. Eine Feier danach war nicht geplant, angesichts des Themas verzichteten die Organisatoren zudem auf jeglichen Glamour.

Kein Wort von Kampusch

Kampusch selbst ließ sich zu Beginn des fast zweistündigen Dramas im schwarz-roten Kleid vor den Plakaten fotografieren, sagte aber kein Wort. Ihre Eltern verließen nach der Vorstellung ohne Interviews und sichtlich bewegt den Kinosaal. Nur die britische Schauspielerin Antonia Campbell-Hughes, die Kampusch im Film spielt, schritt gemeinsam mit anderen Darstellern über den roten Teppich und gab Interviews.

Der Film ist auf der gleichnamigen Biografie von Kampusch aufgebaut. Der 2011 gestorbene Regisseur Bernd Eichinger hatte noch die Verhandlungen mit Kampusch geführt und das Drehbuch begonnen. Regie führte Sherry Hormann. Den Entführer des 1998 entführten Mädchens spielt der Däne Thure Lindhardt. Ab Donnerstag läuft der Film in Deutschland, Österreich und der Schweiz in den Kinos.

Quelle: n-tv.de, dpa/AFP

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