Panorama

Unter Kardinal Woelki Kirche verschwieg Missbrauchsfall jahrelang

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Kardinal Woelki steht schwer in der Kritik, weil er Missbrauchsfälle vertuscht haben soll.

(Foto: picture alliance/dpa)

Erst vier Jahre nachdem ein Priester des Erzbistums Köln seinen wiederholten Missbrauch verschiedener Kinder gestanden hatte, brachte einer von Woelkis Beratern den Fall 2018 zur Anzeige. Den ohnehin schon taumelnden Kardinal Woelki dürfte das weiter belasten.

Im Erzbistum Köln gibt es einem Bericht der "Bild"-Zeitung zufolge einen weiteren Fall, in dem der sexuelle Missbrauch durch einen Priester mehrere Jahre nicht weiter verfolgt worden sein soll. Erst vier Jahre nach einem Geständnis eines Geistlichen zu jahrelangen Sexualstraftaten an Kindern habe ein Rechtsanwalt aus dem Beraterstab von Kardinal Rainer Maria Woelki im Jahr 2018 den Priester angezeigt, berichtete die Zeitung.

Woelki ist mit Vertuschungsvorwürfen im Zusammenhang mit dem Missbrauchsskandal der katholischen Kirche konfrontiert. Er soll einen inzwischen gestorbenen Priester nicht an den Vatikan gemeldet haben, der sich an einem Kind vergangen haben soll. Medienberichten zufolge will der Vatikan diesen Fall aber kirchenrechtlich nicht weiter verfolgen.

Anders als bei diesem Priester geht es in dem nun bekannt gewordenen Fall des Geistlichen Josef M. laut "Bild" nicht um eine kirchenrechtliche, sondern um eine strafrechtliche Verfolgung. Der vor wenigen Wochen gestorbene Geistliche habe 2014 der Personalabteilung des Erzbistums gestanden, ab den 70er Jahren bis ins Jahr 1996 Jungen und Mädchen missbraucht zu haben.

Taten sind verjährt

Im Juni 2017 habe der Geistliche dies erneut der Personalabteilung gestanden - erst im Oktober 2018 aber habe das Erzbistum Strafanzeige erstattet. Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Düsseldorf bestätigte, dass das Erzbistum in dem Fall eine Strafanzeige gemacht habe. Die Taten, um die es gegangen sei, hätten sich mutmaßlich zwischen 1982 und 1988 abgespielt und seien damit schon 1993 verjährt. Der Tatverdächtige wurde deshalb nicht verfolgt. Pfarrer M. starb der "Bild" zufolge im Januar mit 77 Jahren in seiner Wohnung in Wuppertal.

Die Zeitung berichtete, Kardinal Woelki habe von dem Geistlichen nur eine finanzielle Beteiligung in Höhe von 5500 Euro an Entschädigungs- und Therapiekosten für die Opfer verlangt. Nach Rücksprache mit der Glaubenskongregation im Vatikan sei zudem die Weisung ergangen, der Geistliche müsse auf öffentliche Gottesdienste und Kontakt mit Kindern verzichten. In seiner Personalakte habe das Erzbistum vermerkt: "Pfarrer M. ist über den Brief des Erzbischofs sehr erleichtert." Schon 2002 sei das Erzbistum zum ersten Mal auf ihn aufmerksam geworden, doch sei er damals von Woelkis Vorgänger Joachim Meisner nur verwarnt worden.

Ein Sprecher Woelkis teilte der Zeitung zu den Vorwürfen mit, M. sei bereits seit 2002 im Ruhestand gewesen und seitdem nicht mehr mit seelsorgerischen Aufgaben betraut worden. Nach "Bild"-Informationen ist sein Fall einer von 15 Fällen, die in dem von Woelki unter Verschluss gehaltenen Gutachten der Münchner Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl aufgeführt werden. In diesem Gutachten wird der Umgang von Bistumsverantwortlichen mit Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs von Kindern gegen Priester untersucht. Woelki betrachtet das Gutachten als mangelhaft und nicht rechtssicher. Er hat eine neue Untersuchung in Auftrag gegeben.

Quelle: ntv.de, lwe/AFP/dpa

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