Panorama

Wo sind die 1,3 Millionen hin? "König von Deutschland" droht neue Strafe

206cf7aa0261df15b0ff350b8a2c93ae.jpg

Peter Fitzek argumentiert, das Geld der Anleger sei in den Aufbau seines "Königreichs" geflossen.

(Foto: dpa)

Der selbst ernannte "König von Deutschland" könnte heute seiner Liste der Urteile gegen sich ein weiteres hinzufügen. Peter Fitzek soll 600 Anleger bei seiner selbst gegründeten Bank um mindestens 1,3 Millionen Euro geprellt haben.

Peter Fitzek ist nicht gerade ein zurückhaltender Mensch. Der selbst ernannte "König von Deutschland", der 2012 im sachsen-anhaltischen Wittenberg sein Fantasiereich ausrief und sich pompös krönen ließ, nutzt sogar die immer wiederkehrenden Gerichtsprozesse gegen ihn als große Bühne. Im aktuellen Untreueprozess gegen den 51-Jährigen wird heute das Urteil erwartet.

8b452669914bdab96b5f1f550f3b592c.jpg

Peter Fitzek trägt gerne sein Hemd mit dem Logo seines "Königreichs".

(Foto: dpa)

Der gelernte Koch soll der Anklage zufolge zwischen 2009 und 2013 in Wittenberg ohne die Erlaubnis der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht Bankgeschäfte getätigt haben. Über ein Internetportal soll er eine sogenannte Kooperationskasse betrieben und darüber Anlagegeschäfte abgewickelt haben.

Fast 600 Menschen zahlten insgesamt rund 1,7 Millionen Euro auf Sparbücher ein. Fitzek soll davon nach Auffassung der Staatsanwaltschaft 1,3 Millionen abgehoben und für eigene Zwecke verwendet haben. Wo das Geld blieb, sei unbekannt. Die Anklage lautet daher auf Verstoß gegen das Kreditwesengesetz sowie Untreue. Sie fordert für Fitzek eine Freiheitsstrafe von vier Jahren.

Fitzek sitzt in Untersuchungshaft

Fitzek, der gern im Hemd mit königlichem Logo auftritt, weist den Untreuevorwurf zurück. Nach Verlautbarungen aus seinem "Königreich" wurden die Gelder wie vorgesehen für den Aufbau gemeinnütziger Strukturen verwendet.

Es ist nicht die erste Konfrontation Fitzeks mit der Justiz. Mehrfach schon stand er wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis vor Gericht, einen Führerschein hatte er sich selbst ausgestellt. Unter anderem wurde er dafür im vergangenen Jahr von den Amtsgerichten Wittenberg und Dessau zu acht Monaten beziehungsweise einem Jahr und drei Monaten Haft verurteilt. Weil er auch unerlaubt eine eigene Krankenversicherung betrieb, wurde er zu einer Geldstrafe verurteilt.

Seit Juni vergangenen Jahres sitzt der "Imperator" wegen Fluchtgefahr in Untersuchungshaft und kann sein Königreich nur noch aus der Ferne dirigieren. Ein im Prozess vorgelegtes psychiatrisches Gutachten attestierte Fitzek manipulatives Verhalten und eine narzisstische Persönlichkeitsstörung, hält ihn aber für voll schuldfähig.

Fitzek erkennt Bundesrepublik nicht an

Vor fast fünf Jahren ließ sich Fitzek im rot-weißen Königsmantel "krönen". Das selbsternannte Reich residiert auf einem früheren Klinikgelände in Wittenberg. Neben eigener Bank und Krankenversicherung kreierte es auch eigene Ausweisdokumente.

In seiner Argumentation ähnelt Fitzek den sogenannten Reichsbürgern, die die Bundesrepublik nicht anerkennen. Sie gehen davon aus, dass das Deutsche Reich in den Grenzen von 1937 noch existiert. Einige Anhänger vertreten rechtsextremistische Positionen.

Auch das "Königreich Deutschland" sieht sich nach eigenem Bekunden als "Rechtsnachfolger" des Deutschen Reichs. Die Bundesrepublik sei nur übergangsweise Verwalter. Sowohl die Reichsbürgerbewegung als auch sogenannte Selbstverwalter wie Fitzeks "Königreich" werden in Sachsen-Anhalt vom Verfassungsschutz beobachtet. Letztendlich bedienten die sogenannten Selbstverwalter "Argumentationsmuster der rechtsextremistischen 'Reichsideologie'", heißt es beim Verfassungsschutz.

Quelle: n-tv.de, Andrea Hentschel, AFP

Mehr zum Thema