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Eltern ziehen Einsprüche zurück Komapatient Lambert ist tot

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Lamberts Mutter mit ihrem Sohn.

(Foto: picture alliance/dpa)

Es ist das Ende eines tragischen Prozesses, der nicht nur eine Familie, sondern ganz Frankreich spaltete. Am Morgen stirbt der 42-jährige Vincent Lambert, dessen medizinische Versorgung vor mehreren Gerichten verhandelt wurde.

Der bekannteste französische Koma-Patient Vincent Lambert ist tot. Der 42-jährige starb am Morgen in der Uniklinik in Reims, teilte seine Familie mit. Die Ärzte hatten die künstliche Ernährung vor gut einer Woche gegen den Widerstand der Eltern eingestellt. Dem Schritt war ein jahrelanger Rechtsstreit vorausgegangen.

Der frühere Krankenpfleger lag seit einem schweren Autounfall vor elf Jahren in einer Art Wachkoma. Dabei hatte er erhebliche Kopfverletzungen erlitten, war querschnittsgelähmt und befand sich in einem vegetativen Zustand. Die Ärzte der Klinik in Ostfrankreich bewerteten nach Jahren der medizinischen Versorgung weitere lebenserhaltende Maßnahmen als "unverhältnismäßig" und wollten sie beenden.

Diese Meinung vertraten auch Lamberts Ehefrau Rachel und einige seiner Geschwister, die sich seit 2013 um die Einstellung der Ernährung bemühten. Nach Angaben seiner Frau hatte sich Lambert stets gegen eine künstliche Verlängerung seines Lebens ausgesprochen. Eine schriftliche Verfügung dazu hatte er allerdings nicht hinterlassen. Die streng katholischen Eltern forderten durch alle Instanzen die Fortsetzung der lebenserhaltenden Maßnahmen. Sie scheiterten jedoch immer wieder vor französischen Gerichten, auch der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte gab den Ärzten Recht.

"Nicht am Ende seines Lebens"

Ende 2018 kam eine Untersuchung zu dem Schluss, dass Lamberts Zustand "nicht mehr rückgängig zu machen" ist. Im Mai wurde Lamberts Behandlung daraufhin gestoppt. Wenige Stunden später ordnete ein französisches Berufungsgericht jedoch die Wiederaufnahme an. Am Montag kündigten Lamberts Eltern schließlich an, nicht weiter juristisch gegen den Behandlungsstopp vorzugehen.

Der tragische Fall hatte nicht nur Lamberts Familie zerrissen, sondern auch Frankreich gespalten. Die katholische Bischofskonferenz Frankreichs kritisierte die behandelnden Ärzte und die Justiz scharf: Lambert habe "nicht am Ende seines Lebens gestanden", sagte ihr Sprecher Thierry Magnin der Zeitung "La Croix". In den Fall hatte sich zuletzt auch Papst Franziskus eingeschaltet. Er rief im Mai auf Twitter dazu auf, das Leben aller Menschen "vom Beginn bis zu seinem natürlichen Ende" zu schützen.

Die Diskussion über das Schicksal von Koma-Patienten geht auch nach Lamberts Tod weiter: Der Europaabgeordnete Nicolas Bay von der rechtspopulistischen Partei Rassemblement National erklärte: "Mit einer Gesellschaft, die einen Menschen wegen seiner Behinderung sterben lässt, geht es gefährlich abwärts." Der bekannte Schriftsteller Michel Houellebecq nannte Vincent Lambert das Opfer einer "exzessiven Medienberichterstattung", die das Recht auf Privatsphäre nicht achte.

Quelle: n-tv.de, sba/AFP

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