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Zehn Jahre alter Mordfall Lebt Clara Gaucke noch?

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Karen Gaucke und ihre Tochter Clara auf einem privaten Foto.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Der Fall Karen und Clara Gaucke wurde schon vor Jahren zu den Akten gelegt, der Mörder verurteilt. Inzwischen ist er tot. Doch nun taucht eine ungeheuerliche Idee auf. Der Täter könnte Clara, damals ein halbes Jahr alt, nicht getötet haben.

Zehn Jahre ist es her, dass die 37-jährige Karen Gaucke verschwand und mit ihr ihre kleine Tochter Clara. Jetzt hat der Anwalt der Familie neue Hoffnung geweckt. Die damals sechs Monate alte Tochter Clara könnte noch am Leben sein, sagte Anwalt Matthias Waldraff der "Neuen Presse" in Hannover. Gaucke verschwand am 15. Juni 2006 nach einem Treffen mit ihrem Ex-Freund spurlos, ebenso wie die gemeinsame Tochter. Trotz umfangreicher Suchaktionen wurden beide nie gefunden. 2007 wurde der Ex-Freund  zu lebenslanger Haft verurteilt. Außerdem wurde die besondere Schwere der Schuld festgestellt.

Nach Überzeugung des Gerichts tötete der Manager die zwei, weil sie seinem Leben mit einer neuen Frau im Weg standen, die ein Kind von ihm erwartete. Der 43-Jährige starb 2012 im Gefängnis an Hodenkrebs. Oberstaatsanwalt Thomas Klinge erklärte, der Fall sei für die Ermittlungsbehörden abgeschlossen. Der Ex-Freund sei damals rechtskräftig verurteilt worden. "Es gibt keinerlei Anzeichen, die mir bekannt sind, dass das Kind irgendwo noch leben könnte", sagte Klinge zu den Vermutungen des Anwalts. Klinge hatte schon im Prozess die Anklage vertreten. In der Urteilsbegründung hatte es 2007 geheißen: "Das Schwurgericht hat keine Zweifel daran, dass der Angeklagte Karen und Clara Gaucke getötet hat."

Allerdings räumte die Kammer schon damals ein, dass in dem Indizienprozess nicht alle Einzelheiten des Geschehens im Juni 2006 geklärt werden konnten. So waren trotz intensiver Suche die Leichen nicht gefunden worden. Waldraff sagte der Zeitung, der verurteilte Mörder habe sich in der Haft engsten Bekannten anvertraut, die ihn mehrmals besuchten. Er habe glaubhaft versichert, dass Clara damals nicht in der Wohnung war. Während des Prozesses hatte der Mann geschwiegen, über seinen Anwalt aber bestritten, etwas mit dem Verschwinden von Karen und Clara Gaucke zu tun zu haben.

Streit über Unterhalt?

Karen Gaucke war nach einer kurzen Beziehung mit ihrem Mörder ungeplant schwanger geworden. Noch bevor Clara im November 2005 geboren wurde, trennte sich das Paar. Gut zwei Monate nach Claras Geburt wurde der spätere Täter erneut Vater, seine damalige Lebensgefährtin, mit der er bis zu seiner Verhaftung zusammenlebte, brachte einen Sohn zur Welt. Am Tag des Verschwindens war Gaucke mit dem Mann zu einem Gespräch über Unterhaltszahlungen verabredet. An seinen Turnschuhen fanden Kriminaltechniker später Blutspritzer von Karen Gaucke. Auch in seinem Mietauto wurden DNA-Spuren gefunden.

Die Polizei startete immer wieder aufwendige Suchaktionen, um Gaucke und ihre Tochter zu finden, unter anderem an einem See bei Braunschweig, wo das Auto des Mannes gesehen worden war. Doch die Aktionen mit Spürhunden, Tauchern und Sonarbooten blieben ergebnislos. Auch ein Appell der Eltern an den Mörder verhallte ungehört. "Wir haben nichts als die Erinnerung. Bitte geben Sie uns die Wahrheit! Wo sind die Leichen?", hatten die Eltern in einem Brief geschrieben. Inzwischen ist Gauckes Vater gestorben. Zum zehnten Jahrestag des Verschwindens ihrer Tochter und ihrer Enkeltochter sagte Gabriele Gaucke der Zeitung. "Der Verlust ist noch derselbe wie vor zehn Jahren, die Grausamkeit der Tat ist immernoch da." Sie könne ihre Tochter noch immer in der Erinnerung wie durch ein Fenster sehen. "Aber dann verdunkelt der Mörder das Fenster."

Quelle: n-tv.de, sba/dpa

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