Panorama

Jawort in zwei Minuten Liebe in Zeiten des Coronavirus

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Viele Paare wollen trotz Coronavirus nicht auf ihre lang geplante und herbeigesehnte Hochzeit verzichten.

(Foto: picture alliance/dpa)

Heiraten in zwei Minuten, Trauung auf der Straße und Hochzeitsfeier via Internet: Die massiven Einschränkungen durch das Coronavirus stellen Brautpaare weltweit vor große Herausforderungen. Abblasen kommt für viele dennoch nicht infrage. Stattdessen werden sie kreativ.

Heiraten in Zeiten von Corona? Noch geht das vielerorts in Deutschland. Doch Paare, die sich in diesen Tagen in Frankfurt das Jawort geben wollen, brauchen Mut zu Schlichtheit und Kürze. Wegen der Ansteckungsgefahr habe das Standesamt die Zeremonie auf ein Minimum reduziert, sagte die Leiterin der Behörde, Andrea Hart, der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Der Trausaal ist geschlossen. Stattdessen bietet das Amt einen speziell eingerichteten Ersatzraum an, in dem Standesbeamte und Brautpaare durch eine Glasscheibe voneinander getrennt sind. Angehörige und Gäste sind nicht mehr erlaubt und es gibt auch keine Trauansprache. "Es geht nur noch um das Jawort", so Hart. Und nach zwei, drei Minuten sei dann alles schon wieder vorbei. "Aber so können wir es Paaren immerhin weiter ermöglichen, die Ehe zu schließen."

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Tatsächlich wollen viele Verliebte auf der ganzen Welt auch in Zeiten von Corona nicht auf ihren besonderen Tag verzichten - und werden kreativ. So hat ein New Yorker Pärchen kurzerhand seine Trauung auf die Straßen von Manhattan verlegt, wie der US-Sender CNN berichtet. Eigentlich wollten Reilly Jennings und Amanda Wheeler erst im Oktober vor den Traualtar treten. Doch sie hatten Angst, dass sich die Lage bis dahin verschlimmert und sie dann gar nicht mehr heiraten können. Sie wollten keine Zeit mehr verlieren.

Da das Standesamt im New Yorker Stadtteil wegen der Pandemie bereits geschlossen hatte, entschlossen sich Jennings und Wheeler zu improvisieren. Sie machten sich schick, besorgten einen Blumenstrauß und fuhren zu der Wohnung eines befreundeten Standesbeamten. Um den nötigen Sicherheitsabstand zu wahren, hielt dieser von seinem Fenster im vierten Stock aus die Zeremonie ab. Bevor das Brautpaar seine Ehegelübde vorlas, zitierte er aus dem Roman "Die Liebe in Zeiten der Cholera" des Schriftstellers Gabriel García Márquez.

Unter dem Jubel der ganzen Nachbarschaft gaben sich Jennings und Wheeler das Jawort. "Wir konnten unsere Liebe mit mehr Leuten teilen, als wir es uns hätten je vorstellen können", sagte das frischvermählte Paar CNN. "Wir lieben diese Stadt."

Hochzeitsfeier im Videochat

Der Ausbruch des Coronavirus durchkreuzte auch die Hochzeitspläne eines Paares in Mexiko: Der aus Kanada stammende Ian Karleff und die Mexikanerin Lucia Sol gaben sich ihr Jawort vor zwei Trauzeugen und einem Computer, der die Zeremonie an 300 Freunde und Verwandte des Brautpaares übertrug. "Wir haben Familie auf der ganzen Welt", sagte Karleff der kanadischen "National Post". Es sei ein Albtraum gewesen, überhaupt einen Termin zu finden. Schließlich hätten sie sich auf einen Tag im März geeinigt, an dem zumindest ihre Kinder zur Hochzeit einfliegen konnten.

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Doch drei Tage vor dem Termin verkündete Kanada, seine Grenzen schließen zu wollen. Daher mussten Karleffs Töchter umgehend wieder zurück in ihre Heimat fliegen. Und Sols Sohn, der in London lebt, musste nach seiner Ankunft in Mexiko in eine zweiwöchige Quarantäne. Die Hochzeit zu verschieben, kam für das Paar dennoch nicht infrage. Insbesondere nachdem sie gehört hatten, dass die mexikanische Regierung davon ausgeht, dass die Pandemie noch 12 Monate anhalten könnte.

So lange wollten sie nicht warten - und fanden eine moderne Lösung: Kurzerhand verschickten sie elektronische Einladungen an ihre Familie und Freunde und richteten einen Videochat und Facebook-Live ein. So konnten 300 Gäste in ihren heimischen Wohnzimmern der Zeremonie beiwohnen. "Niemals hätten wir zu einer anderen Zeit, so viele Menschen an Bord bekommen", sagte Karleff der Zeitung. Doch jetzt hätte niemand mehr etwas zu tun und daher Zeit gehabt.

Ihre Aktion hätte vielen ihrer Freunde Mut gemacht, den Kopf nicht hängenzulassen, erzählte das frischgebackene Ehepaar. "Sie sagten uns, wir hätten sie motiviert, trotz der schwierigen Situation nicht mit den Dingen aufzuhören, die wir lieben."

Quelle: ntv.de