Panorama

Prostitution in Heimen Mallorca kämpft gegen Missbrauchsdrama

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Rund eineinhalb Monate nach Bekanntwerden des Skandals legte der Inselrat ein Maßnahmenprogramm vor.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Baleareninsel Mallorca ist das beliebteste Urlaubsziel der Deutschen. Die Situation in den dortigen Kinderheimen ist allerdings katastrophal. Dutzende Heimbewohner sollen zu Prostitution verleitet worden sein. Jetzt will die Inselregierung durchgreifen.

Mallorca geht gegen den sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen in zahlreichen Heimen der spanischen Urlaubsinsel vor. Rund eineinhalb Monate nach Bekanntwerden des Skandals legte der Inselrat ein Maßnahmenprogramm vor. Man wolle insgesamt 1,5 Millionen Euro zur Verfügung stellen, um die Lage der Heimbewohner zu verbessern, teilte die Behörde nach einer Sitzung in Palma de Mallorca mit. Die Bildung eines Untersuchungsausschusses zu dem Thema lehnte der auf Mallorca regierende Linkspakt jedoch ab. Das wurde von der konservativen Opposition kritisiert.

Nach Klagen von Sozialarbeitern ist sexueller Missbrauch in vielen der insgesamt 30 Kinder- und Jugendheime Mallorcas, in denen insgesamt rund 350 Minderjährige untergebracht sind, verbreitet. Die Zustände sind seit Jahren ein offenes Geheimnis. Aber erst eine Anzeige wegen einer mutmaßlichen Vergewaltigung einer 13-Jährigen an Heiligabend löste eine heftige Debatte aus.

Mallorca plant Zentrum für minderjährige Opfer

Die Sozialbehörde hatte im Januar nach zunehmender Kritik von Sozialarbeitern eingeräumt, man habe von mehreren Fällen Kenntnis. Mindestens 16 Heimbewohner, 15 Mädchen und ein Junge, seien auf Mallorca zur Prostitution verleitet worden. Häufig betätigten sich nach Aussagen von Sozialarbeitern, die die Missstände seit Jahren anprangern, Mitbewohner der Opfer als "Kuppler", um an Geld oder Drogen zu kommen. Aber auch Erwachsene sollen verwickelt sein.

Unter den vorgesehenen Maßnahmen ist der Mitteilung zufolge die Einrichtung eines neuen Zentrums für minderjährige Opfer von sexueller Ausbeutung. Ausgebildetes Personal werde ab Juni zur Verfügung stehen, um auf die Jugendlichen einzugehen und Workshops zur Prävention zu geben. Die Sozialbehörde IMAS wolle zwei zusätzliche Psychologen einstellen und außerdem die Kampagnen zur Aufnahme von Heimkindern in Pflegefamilien verstärken.

Quelle: ntv.de, can/dpa