Panorama

Angst vor Missbrauch bleibt Mehr Deutsche wollen Organe spenden

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Vor allem junge Menschen zwischen 18 und 25 Jahren zeigen der Barmer-Umfrage zufolge mit 43 Prozent eine deutlich höhere Bereitschaft zur Organspende.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Bereitschaft, Organe zu spenden, steigt laut einer Umfrage zurzeit deutlich an. Vor allem junge Menschen zeigen großes Interesse. Doch aufgrund des Organspendeskandals von 2012 haben viele kein Vertrauen in die Ärzte.

Die Bereitschaft zur Organspende ist in Deutschland gestiegen. In einer Umfrage der Krankenkasse Barmer erklärten 32 Prozent der Befragten, dass sie auf jeden Fall zur Organspende bereit seien. Ein Jahr zuvor waren es mit 23 Prozent deutlich weniger gewesen. Zugleich sank die Zahl derer, die eine Organspende bestimmt ausschließen, von 16 Prozent auf neun Prozent. Befragt wurden im Mai 1000 Menschen. Am Samstag ist der Tag der Organspende, mit dem alljährlich auf das Thema aufmerksam gemacht wird. Wegen der Corona-Epidemie wird der Tag in diesem Jahr ausschließlich im Internet begangen.

Vor allem junge Menschen zwischen 18 und 25 Jahren zeigen der Umfrage zufolge mit 43 Prozent eine deutlich höhere Bereitschaft zur Organspende, wobei eine Bereitschaft noch nicht mit tatsächlicher Spendenwilligkeit gleichzusetzen ist. Nach Angaben von Barmer-Chef Christoph Straub wirkt vor allem bei den Älteren der Organspendeskandal noch nach. So habe unter den 16- bis 25-Jährigen jeder Fünfte bestätigt, dass durch den Skandal das Vertrauen gesunken sei. Bei den Befragten zwischen 51 und 64 Jahren sei dieser Wert doppelt so hoch.

Als 2012 bekannt wurde, dass Ärzte an mehreren deutschen Universitätskliniken offenbar Patientendaten manipulierten und so die Vergabe von Spenderlebern beeinflussten, brachen die Spenderzahlen massiv ein. 2017 sanken die Organspendezahlen auf den niedrigsten Stand seit 20 Jahren. 2019 spendeten 932 Menschen nach ihrem Tod ihre Organe. Insgesamt 2995 Organe konnten zur Transplantation vermittelt werden.

In den ersten vier Monaten dieses Jahres verzeichnete die Deutsche Stiftung Organtransplantation ungeachtet der Corona-Krise einen deutlichen Anstieg bei den Organspenden. Von Januar bis April stiegen die nach dem Tod gespendeten Organe gegenüber dem Vorjahreszeitraum um elfeinhalb Prozent.

Quelle: ntv.de, can/AFP