Panorama
Montag, 09. Mai 2011

100.000 Menschen gegen Gewalt: Mexikaner gehen auf die Straße

Etwa 40.000 Menschen kamen bisher im Drogenkrieg im Norden Mexikos ums Leben. Der Staat entsendet Truppen, die doch nichts ausrichten können. Nun protestieren 100.000 Menschen auf einem Schweigemarsch für ein Ende der Gewalt. Sie fordern auch personelle Konsequenzen und beklagen die Korruption der Behörden.

"Nein": Die Demonstranten haben genug von der Gewalt im Drogenkrieg.
"Nein": Die Demonstranten haben genug von der Gewalt im Drogenkrieg.(Foto: AP)

Mit einer Großkundgebung ist im Zentrum der mexikanischen Hauptstadt ein großer Schweigemarsch gegen die Gewalt im Land zu Ende gegangen. Gemeinsam mit dem Dichter Javier Sicilia sprachen sich rund 100.000 Menschen für einen "Bürgerpakt gegen die Gewalt" in der vom Drogenkrieg besonders betroffenen Grenzstadt Ciudad Juárez im Norden des Landes aus. Sicilia forderte in seiner Ansprache auf dem zentralen Platz Zócalo in Mexiko-Stadt zudem den Rücktritt von Sicherheitsminister Genaro García Luna.

Die Demonstranten trugen tausende weiße Ballons, auf denen die Namen der Opfer geschrieben waren. Als sie am Nachmittag auf dem Zocalo eintrafen, waren allein die Glocken der Kathedrale zu hören. "Wir wollen jedem der 40.000 Opfer, welche die mörderische Strategie (der Armee) hinterlassen hat, Gesicht, Namen und Datum geben", hatte Sicilia vor Beginn der Kundgebung gesagt. Nationale Sicherheit beschränke sich nicht auf die Entsendung von Truppen. Vielmehr müsse über eine Lösung nachgedacht werden.

Kriminelle sind in Institutionen eingedrungen

Der Marsch hatte auf Initiative Sicilias, dessen Sohn im März getötet worden war, in der Stadt Cuernavaca rund 80 Kilometer südlich von Mexiko-Stadt begonnen. In zahlreichen weiteren Städten Mexikos und in aller Welt gab es Solidaritätsmärsche. Die misshandelte Leiche von Sicilias Sohn war am 28. März mit sechs anderen Menschen in einem Auto in Cuernavaca gefunden worden.

Mit weißen Ballons wurde an die Opfer der Gewalt gedacht.
Mit weißen Ballons wurde an die Opfer der Gewalt gedacht.(Foto: REUTERS)

Scharf kritisierte Sicilia auch die politische Klasse Mexikos. Er warf ihr Korruption und Verwicklung in die Drogenkriminalität vor: "Wir wollen hier klarmachen, dass wir keine Wahl mehr akzeptieren werden, wenn nicht zuvor die politischen Parteien ihre Reihen von denen säubern, die unter der Maske der Legalität in die Verbrechen verwickelt sind und den Staat gefesselt haben."

Bereits zu Beginn des Marsches hatte Sicilia Präsident Felipe Calderón aufgefordert, zu begreifen, dass die Kriminellen nicht nur außerhalb der Gesellschaft stünden, sondern längst auch in die Institutionen eingedrungen seien. In der Amtszeit Calderóns seit Dezember 2006 sind im mexikanischen Drogenkrieg annähernd 40.000 Menschen umgekommen.

Quelle: n-tv.de