Panorama

Schnee nur in den Hochlagen Milde, grüne Weihnacht

98098708.jpg

Wettertechnisch ist etwas die Luft raus aus den Weihnachtstagen. Es wird wenig winterlich.

(Foto: picture alliance / Jens Büttner/)

"Weiße Weihnachten" werden jedes Jahr herbeigesehnt - und beinahe jedes Jahr gibt es dann die Enttäuschung außerhalb der Gebirge. Warum also sollte es in den kommenden Tagen anders sein? Eher ungewöhnlich sind vereinzelt die Temperaturen.

Gestern war kalendarischer Winterbeginn. Doch vom Winter ist irgendwie nichts mehr übrig. Wo muss man an Weihnachten hin, um doch noch Schnee zu haben?

Für Reisewillige bieten sich da die Regionen am Polarkreis an. Bei uns daheim sind es die Hochlagen von Harz, Erzgebirge, Bayerischer Wald, Thüringer Wald oder Schwarzwald. Dort liegt genug Schnee, der auch die mildere Phase zwischendrin überdauern kann. Alles richtig gemacht haben auch diejenigen, die in diesen Winterferien in die Alpen zum Wintersport fahren. Denn im Vergleich zu den vergangenen, teils sehr schneearmen Weihnachtsferien hat Frau Holle im Dezember ja richtig was rieseln lassen.

Ansonsten ist der Schnee weg?

Auf den westlichen und im Bereich der zentralen Mittelgebirge gibt es natürlich auch noch Schnee. Jedoch sind die Schneedecken dort nicht so gewaltig, wie beispielsweise auf dem Brocken, so dass es jetzt schon mal ein bisschen Glück braucht, dass das Tauwetter nicht zu schnell zuschlägt.

Wie viel Schnee liegt denn?

Auf dem Brocken und auf dem Feldberg waren es heute in der Früh etwa 1,20 Meter, auf dem Fichtelberg im Erzgebirge 90 Zentimeter. Und ähnlich sieht es auf dem Großen Arber aus. Im Bereich Thüringer Wald vermeldeten die Wetterstationen auf der Schmücke, auf dem Gehlberg oder in Neuhaus am Rennweg um die 50 Zentimeter. Durchhalten könnte der Schnee auch noch auf den Bergen weiter westwärts, wo es 30 Zentimeter oder mehr sind. Also auf der Wasserkuppe, dem Vogelsberg oder auf dem Kahlen Asten. In den Lagen darunter wird es für den Schnee dagegen schon ziemlich eng.

Schade eigentlich.

Der n-tv Wetterexperte Björn Alexander

Von allem etwas - nur kein Schnee: n-tv Meteorologe Björn Alexander blickt auf das Weihnachtswetter.

Das finde ich auch. Denn eine "Weiße Weihnacht" ist natürlich vor allem für die Kinder eine tolle Sache. Rein statistisch gesehen ist es aber auf der anderen Seite wirklich eine richtige Rarität. Das bislang letzte Mal Schnee zum Fest in ganz Deutschland hatten wir 2010. Zum Teil mit Rekordschneehöhen für Ende Dezember. Auch der Dezember 2017 hatte diesbezüglich ganz klar Hoffnungen gemacht. Schließlich hatten wir in den vergangenen Wochen ja fast jedes Wochenende einen Polarluftvorstoß mit Schnee bis runter ins Flachland. Aber ausgerechnet das Weihnachtswochenende bringt uns die - vielleicht einzige - milde Phase in diesem jungen Winter.

Es wird also schon bald wieder kälter?

Nach jetzigem Stand ja. Denn bereits am zweiten Weihnachtsfeiertag nahen schon wieder etwas kühlere Luftmassen, die sich zwischen den Jahren und zu Beginn des neuen Jahres mit etwas milderer Luft abwechseln. Ein Wechselspiel, mit dem auch die Schneefallgrenze wieder sinken und der Wind phasenweise stark bis stürmisch auffrischen kann. Es bleibt also abwechslungsreich in unserer Wetterküche. Zumal die Wettercomputer keine längere Hochdruckphase im Programm haben.

Für die Winterfreunde: Haben die Computer denn mal was in Sachen "Sibirienkälte" im Programm?

Das ist im Januar gar nicht so unwahrscheinlich. Denn einerseits basteln die Wettermodelle derzeit immer mal wieder daran, die Stabilität des Polarwirbels zu brechen - ein Szenario, das uns durchaus mal richtigen Winter bringen könnte. Andererseits resultieren daraus bei den langfristigen Computerberechnungen immer mal wieder stabile Kaltluftvorstöße aus Nord bis Ost ab etwa Mitte Januar. Und unabhängig davon umfassen sowohl der Januar als auch der Februar unseren klimatologischen Hochwinter. Da kann also durchaus nochmals was kommen. 

Was erwartet uns denn in den nächsten Tagen?

Am Samstag neben dichten Wolken sowie Nebel- oder Hochnebelfeldern höchstens kurze Auflockerungen. Besonders an den Westhängen der Berge regnet oder nieselt es gelegentlich. Schöner wird es nur vom südlichen Oberrhein über den Hochrhein bis zum Alpenrand. Dabei bleibt es weiterhin mild mit Höchstwerten von vier Grad Celsius am Bayerischen Wald und am Erzgebirge bis elf Grad am Niederrhein. Der Wind weht im Südwesten schwach bis mäßig, sonst aber mäßig bis frisch aus Südwest bis West mit starken, an der See teils stürmischen Böen. Selbst einzelne Sturmböen sind an der Küste drin.

Wie sieht es an Heiligabend aus?

Ruhig. Verbreitet ist es nämlich wolkig oder trüb und bevorzugt in der Nordhälfte fällt gelegentlich etwas Regen oder Sprühregen. Da bieten die weihnachtlichen Lichter und die geschmückten Tannenbäume definitiv einen tollen Kontrast und frieren muss man beim nachmittäglichen Spaziergang auch nicht allzu sehr bei teils windigen fünf bis elf Grad. Nur im Donaunebel kühle drei Grad. Weniger kontrastreich zeigt sich der Tag übrigens in den Alpen. Denn die Menschen auf den Bergen bekommen sehr viel Sonne überm glitzernden Schnee und ebenfalls relativ milde Temperaturen. Vorsicht ist allerdings dann beim Skifahren und beim Skitourengehen geboten. Milderung und Sonne sorgen dafür, dass die Lawinengefahr erhöht bleibt. Man sollte sich also nicht abseits der gesicherten Pisten bewegen.

Wie verläuft der 1. Feiertag?

Im Süden außerhalb von Nebel oder Hochnebel sehr sonnig. Im großen Rest hingegen weiterhin eher trüb und im Norden regnet es ab und an. Die Temperaturen erreichen hierbei zwei bis zehn Grad.

Und der zweite Weihnachtstag?

Bringt im Süden abseits der trüben Niederungen nochmal reichlich Sonne. Derweil wird es in der Nordwesthälfte schon wieder ruppiger. Denn mit einem auffrischenden Wind ziehen Schauer und kühlere Luft auf, mit der die Schneefallgrenze in den westlichen Mittelgebirgen auf 500 Meter sinkt. Am Mittwoch ist dann das schöne Wetter auch im Süden vorbei und auf den Bergen gibt es mal wieder Neuschnee. In den Mittelgebirgen weiterhin in den Lagen ab 500, in den Alpen ab etwa 800 Meter. Ansonsten bringt der Mittwoch oft auch nur noch windige vier bis acht Grad.

Und danach?

Donnerstag nach derzeitigen Berechnungen wieder etwas milder bei bis zu elf Grad. Freitag wieder kühler bei maximal noch 1 bis 9 Grad. Wie zu Beginn bereits gesagt: kein Dauerhoch in Sicht und es bleibt sehr abwechslungsreich und dementsprechend auch nicht ganz unspannend.

Quelle: n-tv.de