Panorama

Eltern verwüsten Mädcheninternat Militär sucht 317 entführte Schülerinnen

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Nigerias Präsident Buhari lehnte es ab, Lösegeld zu zahlen.

(Foto: AP)

Zum wiederholten Male wird in Nigeria eine Schule überfallen. 50 Mädchen können fliehen, aber die "bewaffneten Banditen" bringen mehr als 300 Schülerinnen in ihre Gewalt. Die Eltern reagieren wütend, Polizei und Militär starten eine Rettungsmission.

Es ist bereits der dritte Angriff auf eine Schule in Nigeria binnen drei Monaten: Im Nordwesten des Landes wurden in der Nacht zu Freitag 317 Mädchen der Government Girls Science Secondary School von Jangebe von "bewaffneten Banditen" verschleppt, wie ein Polizeisprecher erklärte. Die Polizei des Bundesstaates Zamfara startete gemeinsam mit dem Militär eine Such- und Rettungsaktion, der sich laut Augenzeugen auch Eltern und Bewohner von Jangebe anschlossen.

Die Angreifer überfielen den Angaben zufolge das Internat im Nordwesten Nigerias in der Nacht und drangen in die Schlafsäle ein. Rund 50 Schülerinnen gelang die Flucht. Ihre aufgebrachten Eltern weigerten sich im Anschluss, sie für Befragungen durch die Polizei zurückzulassen und verwüsteten die Schule. "Sie sind gewalttätig geworden und haben Türen und Fenster eingeschlagen. Wir hatten keine andere Wahl, als sie gehen zu lassen", berichtete ein Lehrer.

Die Lage in Jangebe war nach der Tat angespannt: Wütende Dorfbewohner griffen einen Fahrzeugkonvoi mit Journalisten, Sicherheitskräften und Behördenvertretern an, der nach der Entführung in das Dorf kam. "Die Dorfbewohner haben mit Steinen nach unseren Fahrzeugen geworfen", berichtete Umar Shehu, Reporter der Zeitung "Daily Trust". "Wir waren gezwungen, schnell wieder umzukehren." Ein Videojournalist wurde demnach durch einen Stein am Kopf verletzt.

Es geht wohl ums Geld

Nigerias Präsident Muhamadu Buhari verurteilte die Entführung als "unmenschlich und völlig inakzeptabel". "Diese Regierung wird sich nicht von Banditen erpressen lassen, die es auf unschuldige Schüler abgesehen haben, weil sie hohe Lösegeldzahlungen erwarten", erklärte er. UN-Generalsekretär António Guterres forderte die sofortige Freilassung der Schulmädchen. "Schulen sollten ein sicherer Raum bleiben, wo ohne Angst vor Gewalt gelernt werden kann", sagte sein Sprecher Stéphane Dujarric.

Bei dem Vorfall handelt es sich bereits um den dritten Angriff auf eine Schule in Nigeria binnen drei Monaten. Mitte Februar waren im Nachbarbundesstaat Niger 42 Menschen aus einem Internat entführt worden, darunter 27 Schüler. Sie wurden bis heute nicht freigelassen. Nach Behördenangaben laufen die Verhandlungen mit den Entführern noch. Im Dezember waren zudem mehr als 300 Jungen einer Schule in Kankara im Bundesstaat Katsina verschleppt worden. Sie kamen später wieder auf freien Fuß.

Seit Jahren mehren sich die Angriffe krimineller Banden im Nordwesten und im Zentrum Nigerias. Die in Nigeria als "Banditen" bezeichneten Gangs entführen Menschen und sind für Plünderungen und Vergewaltigungen verantwortlich. Die Banden handeln vornehmlich aus finanziellen Motiven und haben keine bekannten ideologischen Ausrichtungen. Es gibt jedoch wachsende Bedenken, dass sie mit Dschihadisten aus dem Nordosten kooperieren könnten. Diese kämpfen seit Jahren für die Errichtung eines islamischen Staats.

Auch die Hilfsorganisation Save the Children verurteilte die wiederholten Angriffe auf Schulen als "inakzeptabel". "Schulen dürfen keine Orte der Angst sein, sie müssen sichere Lernorte sein, in denen Kinder spielen, lernen, ihr volles Potenzial entfalten und ausleben können", erklärte Mercy Gichuhi, Länderdirektorin von Save the Children in Nigeria.

Quelle: ntv.de, tsi/AFP