Panorama

Rettungsaktion gestartetMinister Backhaus: "Der Wal hat eine Chance"

16.04.2026, 15:22 Uhr
00:00 / 03:44
Video poster

Viele Kritiker beäugen argwöhnisch einen neuen Rettungsversuch für den vor Poel gestrandeten Wal, der am Mittag startet. Der politisch verantwortliche Minister Till Backhaus verteidigt die Entscheidung, die Initiative zu genehmigen. Wissenschaft könne sich auch einmal irren, argumentiert der SPD-Politiker.

Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus hat den Versuch einer privaten Initiative zur Rettung des gestrandeten Buckelwals verteidigt. Entscheidend sei, dass nun erstmals ein geeignetes ernstzunehmendes Konzept vorliege, das minimalinvasiv vorgehe, so der SPD-Politiker. "Es darf dem Tier nicht geschadet werden." Der Wal dürfe nicht verletzt werden. "Solange das eingehalten wird, sehe ich keinen Grund, dass die Chance nicht genutzt wird", sagte Backhaus auf der Insel Poel.

Alle Beteiligten wüssten, dass der Wal sich in einem schwierigen Zustand befinde. "Aus meiner Sicht hat der Wal aber auch eine Chance." Er zeige nach wie vor Aktivitäten. Ab und zu bewege er die Flossen. Er hebe den Kopf aus dem Wasser und atme regelmäßig und kommuniziere auch durch Rufe. "Und ich habe immer gesagt, ich werde diesen Wal bis zum Ende begleiten, in die Freiheit fürs Leben oder auch andersrum. Und dazu stehe ich."

Bei allem Wohlwollen finde er, dass auch die Wissenschaft sich mal irren könne, sagte er mit Blick auf kritische Stimmen zu dem Rettungsversuch, der von zwei Unternehmen initiiert wird. Die Verantwortung für den Gesamtprozess liege nun bei diesen Organisatoren.

Wal soll in den Atlantik gezogen werden

Zustimmung bekommt Backhaus in Person des Meeresbiologen Boris Culik, der den neuen Rettungsversuch durchaus positiv bewertet. Er schätze die Maßnahmen, die man vorhabe, als sehr vielversprechend ein, sagte Culik, der früher am Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel gearbeitet hat. "Also, man kann ihn damit auf jeden Fall aufschwimmen." Dennoch sei es eine andere Frage, ob der Wal dies überlebe. Denn das Hauptproblem des Netzrestes in seinem Maul bleibe bestehen.

Wenn man den Wal nun transportiert, müsse man sich auch Gedanken machen, wie man ihn von den Netzresten im Maul befreie. Dazu müsse man ihn zunächst dazu bringen können, sein Maul zu öffnen, sagt Culik, der sich vor einigen Jahren mit einer Firma selbstständig gemacht und akustische Warngeräte zum Schutz von Schweinswalen entwickelt hat. "Wenn man ihn nicht davon befreit, wie soll er sich dann ernähren und wieder zu Kräften kommen? Dann ist es letztlich der Abtransport eines sterbenden Tieres in andere Gewässer."

Mit mehreren Stunden Verzögerung begann am Mittag die Rettungsaktion für den gestrandeten Wal. Sechs Helfer begaben sich im hüfttiefen Wasser zu dem Buckelwal. Unter anderem spritzten sie mit den Händen Wasser auf den Wal. Ehe sie sich wieder entfernten, legten sie eine Art Tuch auf das Tier, das allerdings nur einen kleinen Teil von ihm bedeckt.

Die Behörden in Mecklenburg-Vorpommern hatten am Mittwoch eine private Rettungsmission genehmigt. Danach soll versucht werde, Luftkissen unter das Tier zu bringen und es schonend anzuheben. Dazu soll zuvor Schlick unter ihm weggespült werden. Der Wal soll dann auf einer Plane zwischen zwei Pontons gelagert und in die Nordsee beziehungsweise in den Atlantik transportiert werden. Ein Schlepper soll die Pontons ziehen.

Quelle: ntv.de, jog/dpa

WaleMecklenburg-Vorpommern