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Aktion "nicht zielführend"Tierschützer kritisieren Versuch der Rettung des Buckelwals

16.04.2026, 12:30 Uhr
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15-04-2026-Mecklenburg-Vorpommern-Wismar-Ein-Fahrgastschiff-faehrt-in-Sichtweite-an-dem-gestrandeten-Buckelwal-in-einer-Bucht-vor-der-Ostseeinsel-Poel-vorbei
Ein Fahrgastschiff fährt in Sichtweite an dem gestrandeten Buckelwal in einer Bucht vor der Ostseeinsel Poel vorbei. (Foto: Bernd Wüstneck/dpa)

Der gestrandete Buckelwal bei Wismar soll in die Nordsee gebracht werden. Zwei prominente Unternehmer wollen das finanzieren. Tierschützer kritisieren die Aktion jedoch und plädieren für ein schmerzfreies Ende.

An dem Rettungsversuch des bei Wismar gestrandeten Buckelwals gibt es Kritik von Tierschützern. Die Organisation Whale and Dolphin Conservation (WDC) bezeichnet die Aktion als "nicht zielführend". "Selbst im Fall einer Verbringung des Wals in die Nordsee oder den Atlantik wird nach fachlicher Einschätzung davon ausgegangen, dass der Wal aufgrund seines Zustands dort mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit sterben würde", schreibt WDC. Eine tatsächliche Rettung im Sinne einer nachhaltigen Überlebenschance wäre damit nicht gegeben.

Nach offiziellen Angaben des Landes Mecklenburg-Vorpommern ist geplant, Luftkissen unter den Buckelwal zu bringen und ihn damit schonend anzuheben. Der Schlick unter dem tonnenschweren Tier soll weggespült werden. Danach soll der Buckelwal auf einer Plane zwischen zwei Pontons gelagert und transportiert werden. Der Transport kann den Plänen zufolge frühestens am Freitag beginnen. Ein Schlepper soll die beiden Pontons bis in die Nordsee und den Atlantik ziehen, um den Wal dort freizulassen.

"Haben keine Chance, aber wir ergreifen sie"

Das Konzept soll von einer privaten Initiative umgesetzt werden, die für die Aktion laut Umweltministerium die Verantwortung trägt. Dahinter stehen der Mediamarkt-Gründer Walter Gunz und die Unternehmerin Karin Walter-Mommert, die aus dem Pferdesport bekannt ist. "Wir haben keine Chance, aber wir ergreifen sie", sagte die Unternehmerin. Sie wüssten, dass der Rettungsversuch tödlich ausgehen könne.

Laut der Meeresbiologin und WDC-Strandungskoordinatorin für Nordamerika, Lauren Brandkamp, sei die "einzige vertretbare Maßnahme", den Wal durch Einschläfern zu erlösen. Die Durchführung erfordere jedoch spezielle fachliche Expertise sowie Erfahrung mit dem Einschläfern großer Wale und sei mit Risiken für die beteiligten Einsatzkräfte verbunden, so WDC. "Grundsätzlich bestünde die Möglichkeit, hierfür internationale Unterstützung mit entsprechender Erfahrung hinzuzuziehen."

Expertin: Stranden wie schwerer Unfall

Seit Wochen bewegt das Schicksal des vor Wismar gestrandeten Buckelwals viele Menschen. Seit dem 31. März liegt der Buckelwal in etwa 1,50 Meter Wassertiefe vor der Insel Poel. Laut Angaben des Umweltministeriums Mecklenburg-Vorpommern ging es dem Wal zuletzt zusehends schlechter, in seiner Lunge habe sich Wasser gesammelt. Dies sei ein Hinweis, dass seine Organe schwer geschädigt seien. Laut WDC-Expertin Brandkamp sei das Aufsetzen von Großwalen auf Sandbänken aus physischer Sicht mit schweren Unfällen vergleichbar.

Das Deutsche Meeresmuseum, das bislang eng in die Bewertung der Lage des Wals eingebunden war, hatte am Mittwoch mitgeteilt, dass es "nicht in die Vorbereitungen der aktuell geplanten Lebendbergung des Buckelwals vor Poel einbezogen wurde". Auch das gesamte Konzept liege dem Museum nicht vor. Die Situation des Wals hatte zuletzt für starke Emotionen in Teilen der Bevölkerung gesorgt. Von Anfeindungen und sogar Morddrohungen gegen Beteiligte war die Rede. Menschen protestierten vor Ort und drangen in einen Sperrbereich ein.

Quelle: ntv.de, kst/dpa

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