Panorama

"An Schlaf nicht zu denken"Minister Backhaus will die Nacht beim Wal verbringen 

20.04.2026, 21:57 Uhr
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Die Situation um den gestrandeten Buckelwal raubt Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Backhaus den Schlaf. Wie geht es weiter mit dem Tier, das nun wenige Meter von der Fahrrinne am Ausgang der Bucht liegt? Der Politiker will hautnah dabei sein - und verbringt die Nacht vor Ort.

Der in einer flachen Bucht der Ostsee-Insel Poel gestrandete Buckelwal hat sich am Abend in Richtung Fahrrinne bewegt, ist in der Dämmerung dann aber wieder zur Ruhe gekommen. Dies war in Livestreams von Medien zu sehen. Die Helfer hoffen indes weiter, dass er es bis ins tiefe Wasser schafft und dann den Weg aus der Bucht herausfindet.

Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus entschied sich, die Nacht vor Ort auf einem Fischereiaufsichtsboot zu verbringen. Er wolle mit einem Nachtsichtgerät beobachten, was weiter passiere, sagte er. An Schlaf werde nicht zu denken sein, aber er sei hart im Nehmen. Er habe in den vergangenen Wochen überhaupt wenig geschlafen.

Bereits seit rund drei Wochen ist der Buckelwal in der Kirchsee-Bucht. Nachdem er tagelang im bauchtiefen Wasser festlag, schwamm er am Morgen plötzlich los. Nach zwei Stunden blieb er jedoch am Ausgang der Bucht wieder im flachen Wasser liegen, unweit der Fahrrinne.

Experten gegen den Rettungsversuch

Mit eigenen Bewegungen gelangte er am Abend bis auf einige Meter an die Fahrrinne heran. Helfer hatten zuvor Schlick unter dem Tier weggeblasen, um ihm den Start zu erleichtern. Es ist ein Kampf gegen die Zeit: In der Nacht soll der Wasserstand sinken.

Nach Auskunft des beauftragten Tauchunternehmers Fred Babbel soll der Buckelwal aus dem Kirchsee in die Wismarbucht und dort Richtung Nordwesten zum offenen Meer geleitet werden. Boote sollen ihm demnach den Weg nach Osten, in Richtung Wismar, versperren. Unterdessen erkrankte die leitende Tierärztin der privaten Rettungsinitiative, Janine Bahr-van Gemmert, wie Backhaus bestätigte. Sie wurde demnach ins Krankenhaus gebracht.

Tierschützer und Experten kritisierten die Rettungsmission. "Man hat angefangen, dem Tier helfen zu wollen, und es wurde immer aktiver. Es liegt nahe, dass es gestresst ist", sagte Florian Stadler von Sea Shepherd ntv.de. Die langen Liegezeiten dürften schwere Organschäden verursacht haben. "Das macht ein Überleben unmöglich. Selbst, wenn man den Wal in die Nordsee bringt, wird er dort nur auf seinen letzten Tauchgang gehen." Auch Greenpeace spricht von "Megastress für das Tier". Wissenschaftler und Tiermediziner empfehlen, den Wal in Ruhe zu lassen - ein Gegengutachten, das ein aktiveres Eingreifen rechtfertigen würde, konnten die privaten Retter bislang nicht vorweisen.

Quelle: ntv.de, uzh/dpa

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