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Die Mönche hätten das Geld gut gebrauchen könnten, um das riesige Kloster in Schuss zu halten.
Die Mönche hätten das Geld gut gebrauchen könnten, um das riesige Kloster in Schuss zu halten.(Foto: picture alliance / Stefan Puchne)
Sonntag, 04. Februar 2018

Mysteriöser Geldfund im Kloster: Mönche warten geduldig auf ihre Millionen

Im Benediktinerkloster Neresheim werden vier Millionen Euro auf geheimen Konten entdeckt. Der Einzige, der das Rätsel lösen kann, ist tot. Eigentlich steht das Geld den Mönchen zu. Doch es gibt auch andere Interessenten, die Ansprüche auf das Vermögen erheben.

Geduld ist eine Tugend: Obwohl den Mönchen von Neresheim in Schwaben bereits Ende 2016 eine im Kloster gefundene Millionensumme vom Oberlandesgericht Stuttgart zugesprochen wurde, haben die Geistlichen das Geld noch nicht angerührt. Wie ein Sprecher bestätigte, warten die Mönche weiter auf absolute Rechtssicherheit. Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe entscheide demnächst noch über eine Nichtzulassungsbeschwerde des Mannes, dessen angebliche Ansprüche auf Teile der Millionen mehrfach abgewiesen worden waren.

Die Geschichte beginnt am 24. April 2013. An jenem Tag stirbt Abt Norbert Stoffels - seit 1977 Klostervorsteher, Träger des Bundesverdienstkreuzes Erster Klasse und der Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg - im Alter von 77 Jahren. Mehr als 33 Jahre hatte er an der Spitze des Klosters Neresheim gestanden. Als sich seine Brüder um den Nachlass kümmern, stoßen sie in einem alten Sekretär auf Unterlagen von zwei auf den Namen des Klosters laufenden Konten. Drei Millionen Euro liegen auf einem Konto in Aalen, eine Million auf einem in Krefeld.

Woher der enorme Geldfund stammt, davon will im Kloster niemand etwas wissen. "Mit solchen Summen hantieren wir im Kloster gewöhnlich nicht", erklärt der neue Klosterchef, Pater Albert Knebel. Das Geld sei weder in der Buchführung des Klosters berücksichtigt, "noch war es der Kloster-Verwaltung, meinen Mitbrüdern oder mir bekannt."

Geldwäsche im Namen des Herrn?

Erste Spuren des Rätsels um die geheimen Kloster-Millionen führten kurz nach der Entdeckung der Konten nach Nordrhein-Westfalen. Ein in Krefeld ansässiger Anwalt behauptete, Teile des Geldes gehörten ihm. Die Millionen seien Bestandteil eines raffinierten Steuersparmodells, das unter dem Namen "Weinberg" bekannt ist und Geldgeber aus dem gesamten Bundesgebiet habe. Seine Forderung auf Herausgabe des Geldes wiesen jedoch mehrere Gerichte ab. Er habe keinen Titel, also keinen Anspruch auf das Geld. Auch das vorgegebene Modell sei inzwischen von Richtern als "nicht schlüssig" bezeichnet worden.

Später hatten weitere Kläger Teile der vier Millionen Euro beansprucht. Das Oberlandesgericht hatte verschiedene Klagen abgewiesen. Die Kläger hätten ihre vermeintlichen Ansprüche nicht ausreichend belegen können, hieß es. So hatte zuvor auch schon das Landgericht Ellwangen entschieden. Eine erste Nichtzulassungsbeschwerde eines Klägers habe der Bundesgerichtshof im August 2017 abgewiesen, sagte der Sprecher. Eine zweite - und dann wohl letzte - stehe noch aus.

Die Mönche wollten dies abwarten, bis das Geld in das Klostervermögen übernommen werde. Vermutlich gehe es dann nach und nach in den Erhalt der Bausubstanz des uralten Klosters.

Quelle: n-tv.de