Panorama

Filz-Verdacht gegen Direktorin NDR-Reporter belasten Hamburger Senderspitze

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Namhafte NDR-Journalisten werfen ihr Vetternwirtschaft vor: Direktorin im Funkhaus Hamburg Sabine Rossbach.

(Foto: IMAGO/Future Image)

Der NDR kommt nicht zur Ruhe: Nach Manipulationsvorwürfen im Funkhaus Kiel muss sich nun die Direktorin am Sendersitz in Hamburg rechtfertigen. Sie soll ihren Töchtern und ihrem Lebensgefährten unstatthafte Aufträge und Jobs verschafft haben.

Nach Enthüllungen zur politischen Einflussnahme leitender Redakteure im Funkhaus Schleswig-Holstein weitet sich die NDR-Affäre laut dem Portal Business Insider nach Hamburg aus. Im Fokus steht die Direktorin des NDR-Funkhauses Hamburg, Sabine Rossbach. Ihre ältere Tochter konnte demnach als Inhaberin einer PR-Agentur jahrelang ihre Kunden in NDR-Programmen platzieren, die jüngere Tochter bekam eine begehrte Festanstellung im Sender, so ein Bericht von Business Insider. Zu den Vorwürfen entgegnet der NDR auf Anfrage, dass die Stelle an Rossbachs jüngere Tochter ordentlich vergeben worden sei. Die Berichterstattung über Veranstaltungen der PR-Agentur "Hesse & Hallermann" sei Gegenstand einer internen Revisionsprüfung, wie der NDR mitteilte.

Anna Hesse, die ältere Tochter der Hamburger Funkhaus-Chefin, ist Inhaberin der PR-Agentur "Hesse & Hallermann". Sie habe es jahrelang geschafft, durch ihren "guten Draht" zur NDR-Spitze unter anderem Veranstaltungen ihrer Kundin, der Gastronomin Cornelia Poletto im Programm des öffentlich-rechtlichen Senders zu platzieren, so der Bericht von Business Insider. Es würden zahlreiche Belege des NDR dafür vorliegen, dass die PR-Agentur zwischen den Jahren 2014 und 2019 zahlreiche Kunden in unterschiedlichen Sendungen vor allem beim NDR Funkhaus Hamburg "unterbringen" konnte.

Laut Business Insider behaupten namhafte NDR-Journalisten, dass sie von Rossbach persönlich "ermuntert wurden", zu VIP-Veranstaltungen und öffentlichen Anlässen von Kunden der Agentur "Hesse & Hallermann" zu gehen. Etwa zur Ernte auf eines in Hamburg bekannten Erdbeerhofs oder als prominente Kellner zu Poletto ins Restaurant "Palazzo". "Das ist Filz", sagen NDR-Journalisten zu Business Insider, die nicht namentlich zitiert werden wollen.

"Thema von allgemeinem Interesse"

Eine NDR-Sprecherin sagt dagegen: "Ob ein Thema Eingang in die Berichterstattung des Landesfunkhauses Hamburg findet, entscheidet die zuständige Redaktion", hieß es in dem Bericht. Bei den Beispielen handele es sich um Themen allgemeinen Interesses, welche auch durch andere lokale Medien aufgegriffen wurden. Allerdings ist Rossbach nicht nur Leiterin des NDR-Funkhauses Hamburg, sondern auch Fernsehchefin und steht damit der besagten Redaktion vor, so Business Insider. Dadurch entscheide auch sie über die Berichterstattung.

Die PR-Agentur betont in einer Stellungnahme zu den Vorwürfen, dass der NDR "in keiner Weise" eine Sonderstellung einnehme. Über jedes einzelne Thema der Kunden, über das im NDR berichtet wurde, hätten nachweislich zeitgleich viele andere renommierte Medien berichtet. Der Vorwurf, die Agentur hätte von einer familiären Verbindung profitiert "trifft nicht zu", hieß es.

Feste Stelle für jüngere Tochter

Weiter heißt es im Bericht, dass der zweiten Tochter von Rossbach bei NDR Kultur vor einigen Jahren eine besonders begehrte und seltene feste Stelle zugeschoben worden sei. Mehrere NDR-Mitarbeiter hätten berichtet, dass es damals auf die vakante Stelle eine andere qualifiziertere Bewerberin gab. Laut Bericht seien die damalige Programmchefin von NDR-Kultur, Barbara Mirow und Rossbach "sehr gut vernetzt". Dagegen betont eine NDR-Sprecherin, dass die Stelle "nach den im NDR üblichen Genehmigungsverfahren unter Einbeziehung der Personalabteilung, des Personalrates und der Gleichstellungsbeauftragten" vorgenommen worden sei.

Rossbach soll im Gegenzug dafür der Tochter der Kulturchefin Aufträge vermittelt haben, so der Bericht. Mirows Tochter leitet eine Hamburger Produktionsfirma, die für den NDR eine Serie über "Hunde in Hamburg" produziert hat. NDR-Mitarbeiter berichten, dass Rossbach die Serie persönlich bei der Tochter der damaligen Kulturchefin in Auftrag gegeben haben soll. Am 8. Oktober 2019 erschien dann ein Beitrag, der intern und bei den Zuschauern für Kritik sorgte. Darin behauptete eine Seherin, für rund 100 Euro könne sie Menschen mit ihren verstorbenen Hunden in Kontakt bringen. Der Polizei-Reporter des NDR soll intern gewütet haben, dass er sich die Finger wundschreibe an Polizei-Storys, in denen gerade vor solchen Fingerhutspielern gewarnt werde, so der Insider-Bericht.

Lebensgefährte als externer Musikberater

Nach Beschwerden der Mitarbeiter des Senders und von NDR-Zuschauern wurde 2019 zu der Ausstrahlung der Serie "Hunde in Hamburg" der Redaktionsausschuss angerufen. Darin bestätigte Rossbach, dass sie die komplette Hundeserie persönlich abgenommen habe. Sie habe explizit auch Beiträge bestellt, die zeigen, "was es an skurrilen Dingen rund um den Hund in Hamburg gibt". Im Redaktionsausschuss lässt sie laut Bericht keinerlei Kritik an dem Beitrag gelten, nicht einmal an der strittigen Episode mit der Seherin. Nach der Prüfung und Anhörung von Rossbach hat der Ausschuss den Fall auf sich beruhen lassen, bestätigt der NDR.

Bereits Mitte August wurde Rossbach "Vetternwirtschaft" vorgeworfen, weil der externe Musikberater von NDR 1 Niedersachsen ihr eigener Lebensgefährte ist. Die Vorwürfe der Vetternwirtschaft hatte der NDR in diesem Zusammenhang zurückgewiesen. Seit 2018 unterstütze demnach der Musikberater Dieter Petereit die Verjüngung des Musikprogramms von NDR 1 Niedersachsen.

Als sich der Sender für Petereit entschieden hatte, sei bekannt gewesen, dass er der Lebensgefährte von Sabine Rossbach ist, so der NDR. Die persönliche Beziehung zwischen Petereit und Rossbach hat laut NDR ein engmaschiges Compliance-Verfahren durchlaufen. Das Engagement des Beraters Petereit sei geprüft und durch den Hörfunkchef und den damaligen Landesfunkhausdirektor genehmigt worden, hieß es.

Quelle: ntv.de, mau/epd

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