Panorama

Coronavirus besondere Bedrohung NRW verschont 1000 Häftlinge - zeitweise

Blick aus einer Zelle in der Justizvollzugsanstalt Wuppertal-Ronsdorf. Foto: Oliver Berg/dpa/Archivbild

Nein, die Häftlinge sollen nicht durch diese nur scheinbar weit geöffneten Gitterstäbe in die Freiheit geraten, sondern dürfen die JVA durch den ganz normalen Ausgang verlassen.

(Foto: Oliver Berg/dpa/Archivbild)

Das Coronavirus stellt für Gefängnisse eine ganz besondere Bedrohung dar. Nordrhein-Westfalen reagiert nun und kündigt an, zahlreiche Häftlinge wieder freizulassen und versucht, Kritik an der Maßnahme gleich vorzugreifen.

Die nordrhein-westfälische Landesregierung will wegen der Corona-Krise Häftlinge vorzeitig freilassen. Er brauche für den Fall eines Ausbruchs der Krankheit im Strafvollzug rund 1000 freie Zellen, um Quarantäne-Zonen schaffen zu können, sagte Nordrhein-Westfalens Justizminister Peter Biesenbach in Düsseldorf. Aber: "Es gibt keinen Corona-Rabatt", betonte Biesenbach.

Es gehe lediglich um eine Unterbrechung oder einen Aufschub der Haft. Die Haft soll für minder schwere Fälle mit Strafen bis eineinhalb Jahren Haft unterbrochen werden, wenn sie ohnehin bis Ende Juli verbüßt wäre. Dies gelte nicht für Sexualstraftäter und schwere Gewalttäter sowie Abschiebe-Kandidaten. Zudem gehe es um Häftlinge, die Ersatzfreiheitsstrafen wegen nicht gezahlter Geldstrafen absitzen.

Bei ihnen soll der Haftantritt aufgeschoben oder die Haft ebenfalls ausgesetzt werden. Bislang gebe es noch keinen mit dem Coronavirus infizierten Strafgefangenen, sagte Biesenbach. Der Besuchsverkehr in den Gefängnissen war bereits weitgehend eingeschränkt worden. Im Gegenzug wurden mehr Telefonate und im offenen Vollzug auch stundenweise die Nutzung von Handys erlaubt.

In Belgien nähen Häftlinge Masken

Auch in anderen Ländern machen Strafgefangene Schlagzeilen - allerdings ganz unterschiedlicher Art. In Belgien haben Häftlinge mit der Herstellung von Schutzmasken gegen das Coronavirus begonnen. Die Gefängnisse hätten Spezialtextil für 11.000 Masken, doch fehlten ihnen Nähmaschinen, berichtete die Nachrichtenagentur Belga am Freitag. Die Behörde rief deshalb dazu auf, den Haftanstalten halb-industrielle oder industrielle Nähmaschinen zu spenden oder auszuleihen.

Berichte von fliehenden Häftlingen gab es aus Brasilien und Italien. Mehr als 1300 Männer waren aus mindestens vier Gefängnissen im brasilianischen Bundesstaat Sao Paulo getürmt. Kurz darauf hatte die Polizei schon wieder 500 eingefangen. In Italien flohen vor zwei Wochen 72 Insassen aus einer Anstalt in Foggia im Süden des Landes. Zuvor hatten in ganz Italien Tausende Häftlinge gegen ein neues Besuchsverbot protestiert.

Künftig dürften die USA vermehrt in die Schlagzeilen geraten. Dort sitzen 2,2 Millionen Menschen hinter Gittern - mehr als in jedem anderen Land. Experten warnen, dass sich in den überfüllten Gefängnissen Infektionen mit dem hoch ansteckenden Erreger rapide ausbreiten könnten.

Quelle: ntv.de, vpe/dpa/AFP