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Missbrauchsprozess in Freiburg Neunjähriger äußert sich nicht zu Taten

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Der neunjährige Junge aus Staufen bei Freiburg wurde jahrelang sexuell missbraucht.

(Foto: picture alliance / Patrick Seege)

Der Junge aus Staufen, der jahrelang missbraucht wurde, wird vermutlich noch Jahre brauchen, um die Verbrechen zu verarbeiten. Dies sagt eine Polizistin, die den Neunjährigen betreut. Nach seiner Mutter fragt der Junge offenbar nicht mehr.

In einem Prozess um den jahrelangen Missbrauch eines Jungen in Staufen hat die betreuende Beamtin vor dem Landgericht Freiburg ausgesagt. Auf die Verbrechen angesprochen, sei der Junge "verschlossen", sagte die Polizistin. Er höre zwar zu, äußere sich aber nicht zu Taten oder mutmaßlichen Tätern. Vor Gericht aussagen wolle er nicht. Nach seiner Mutter frage er inzwischen nicht mehr.

Staufener Taten

Bisher wurden drei Täter wegen der Staufener Missbrauchsfälle verurteilt. Die Urteile sind aber noch nicht rechtskräftig. Ein viertes Verfahren läuft noch. Insgesamt wurden acht Täter identifiziert. Die Mutter und der Stiefvater des Opfers gelten als die Haupttäter. Ihnen wird besonders schwere Vergewaltigung, schwerer sexueller Missbrauch von Kindern, besonders schwere Zwangsprostitution und Verbreitung kinderpornografischer Schriften vorgeworfen. Beide sitzen seit September 2017 in Untersuchungshaft, zehn Verhandlungstage sind angesetzt. Die Urteile könnten Mitte Juli fallen.

Die 48 Jahre alte Mutter und ihr wegen schweren Kindesmissbrauchs vorbestrafter 39 Jahre alter Lebensgefährte sind Hauptbeschuldigte in dem Fall. Sie sollen den Jungen im Internet angeboten und Geld kassiert haben. Das Paar soll den heute Neunjährigen auch selbst jahrelang missbraucht haben. Die beiden stehen seit vergangener Woche vor Gericht. Der Junge wurde laut Ermittlungen mehr als zwei Jahre lang von Männern aus dem In- und Ausland vergewaltigt. Es gibt insgesamt acht Verdächtige.

Die Polizistin sagte nun als Zeugin gegen einen 37-jährigen Angeklagten aus. Der Mann aus der Schweiz hat gestanden, den Jungen dreimal vergewaltigt und dafür Geld gezahlt zu haben. Ein Urteil in diesem Fall soll es im Juli geben, erklärte der Vorsitzende Richter Stefan Bürgelin. Die Beweisaufnahme dauere länger als geplant. Deshalb wird es an diesem Freitag noch kein Urteil geben.

Opfer braucht noch jahrelang Hilfe

Das Opfer wird nach Ansicht der Polizistin noch jahrelang Hilfe brauchen. Für eine psychologische Betreuung des Jungen sei es aber noch zu früh. "Es braucht noch ein bis zwei Jahre, bis er eine Therapie ansatzweise beginnen kann."

Derzeit sei der Junge damit beschäftigt, "in seinem neuen Leben anzukommen". Dabei werde er auch von der Polizei unterstützt. Den Angaben zufolge lebt das Kind inzwischen bei einer Pflegefamilie.

"Es ist schwer und schlimm, diese Sachen zu sehen", sagte ein Polizeibeamter, der Filme zu den Taten ausgewertet hat. "Ich dachte, es kann nicht noch schlimmer werden. Und es wurde immer noch schlimmer." Die Staatsanwaltschaft will nach eigenen Angaben langjährige Haftstrafen sowie Sicherungsverwahrung erreichen.

Quelle: n-tv.de, fzö/dpa

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