Panorama

Kurz vor Intendanten-WahlORF-Chef Weißmann tritt nach Belästigungsvorwurf zurück

09.03.2026, 15:30 Uhr
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Roland Weißmann war seit 2022 Intendant des Österreichischen Rundfunks. (Foto: picture alliance / Thomas Ramstorfer / First Look / picturedesk.com)

Eine Angestellte des Österreichischen Rundfunks wirft Intendant Roland Weißmann sexuelle Belästigung vor. Der 57-Jährige zieht nun Konsequenzen. Weißmanns Anwalt will das aber nicht als Geständnis verstanden sehen. Für den ORF erfolgt der Rücktritt zu einer Unzeit.

Der Intendant des Österreichischen Rundfunks (ORF), Roland Weißmann, tritt mit sofortiger Wirkung zurück. Damit reagiere der Chef des öffentlich-rechtlichen Senders auf einen Vorwurf sexueller Belästigung, teilte der ORF mit. Der 57-Jährige weist den Vorwurf nach Angaben seines Anwalts Oliver Scherbaum zurück. Der Schritt erfolge allein, weil Weißmann Schaden vom Unternehmen abwenden wolle, so Scherbaum.

Der Stiftungsrat des ORF sei von einer Mitarbeiterin über unangemessenes Verhalten Weißmanns zu Beginn seiner Amtszeit als Intendant informiert worden, teilte Weißmanns Anwalt weiter mit. Das Gremium habe seinem Mandanten daraufhin eine Frist von wenigen Tagen zum Rücktritt eingeräumt, "obwohl mein Mandant die Vorwürfe bestritten hat und eine inhaltliche Überprüfung der Vorwürfe nicht erfolgte", kritisierte der Anwalt. Der Stiftungsrat ist das 35-köpfige Kontrollgremium des ORF, in den unter anderem Bundes- wie Landesregierung sowie Parteien Vertreter und Vertreterinnen entsenden.

Eigentlich galt Weißmann als ein Favorit für die im Sommer anstehende Wahl des neuen ORF-Intendanten. Die Vorwürfe sind nun wenige Wochen vor dem Beginn der Bewerbungsfrist für den Top-Job bekannt geworden. "Dieser Vorgang geschieht bezeichnenderweise wenige Monate vor der bevorstehenden Generaldirektorwahl im ORF", erklärte Scherbaum. Hinzu kommt, dass der ORF im Mai Gastgeber für den Eurovision Song Contest (ESC) ist.

Der ESC ist eines der größten Musikevents der Welt und ist regelmäßig auch eine Bühne für den gastgebenden Sender. Der Wettbewerb steht dieses Jahr wegen der vorangegangenen Debatten über die Teilnahme Israels auch im weltpolitischen Fokus. Weißmann hatte sich in den vergangenen Monaten stets für das Antreten Israels eingesetzt und die damit verbundene Absage anderer Länder bedauert.

Der Stiftungsrat dankte dem 57-Jährigen nach Angaben des Senders für seine Verdienste und die 30-jährige Tätigkeit für den ORF. Heinz Lederer, Vorsitzender des Stiftungsrats, betonte, die Vorwürfe müssten "transparent und mit aller Konsequenz aufgeklärt werden können". Den ORF, der mit seinen 4000 Mitarbeitern in Österreich unangefochtener Marktführer im Fernsehen und im Radio ist, trifft der Abgang völlig zur Unzeit. Die Zeitung "Kurier" schrieb in einem Kommentar zum Rücktritt, dass der ORF ein "riesiges Imageproblem" habe.

Weißmann wollte den ORF digitaler, jünger und gesellschaftlich vielfältiger machen. Unter seiner Leitung wurde das Online-Angebot für junge Zielgruppen ausgebaut. Der 57-Jährige wurde 2022 zum ORF-Intendanten gewählt. Weißmann war Mitte der 1990er Jahre zum ORF gekommen und wurde schon bald mit leitenden Redaktionsposten betraut. 2012 wurde er Chefproducer der Fernsehsparte, 2017 auch stellvertretender Finanzchef.

Der ORF-Chef, ein Hobby-Boxer, gilt als sehr umgänglich. Seine Amtszeit war geprägt von Sparvorgaben. Bei Veranstaltungen und TV-Auftritten schien er das Rampenlicht zu genießen. Bis zur Ernennung einer Nachfolgerin oder eines Nachfolgers soll die bisherige ORF-Radiochefin Ingrid Thurnher den gesamten ORF übergangsweise leiten. Als ehemalige Moderatorin der TV-Abendnachrichten ist sie eine der bekanntesten Journalistinnen in Österreich.

Quelle: ntv.de, lar/dpa

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