25 Jahre nach WiedervereinigungOst und West: Die Unterschiede bleiben
Vor 25 Jahren wird aus Ost und West wieder ein Land. Doch die Vorurteile bleiben bis heute. Eine aktuelle Studie zeigt: Die Vorbehalte verlaufen exakt an der Grenzlinie und sind nahezu die selben wie 1990.
Auch 25 Jahre nach der Wiedervereinigung sieht einer aktuellen Umfrage zufolge fast die Hälfte der Deutschen mehr Unterschiede als Gemeinsamkeiten zwischen Ost und West. So nimmt gut ein Drittel der Ostdeutschen die Westdeutschen als arrogant wahr, wie aus der Studie "So geht Einheit" des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung hervorgeht. Die Westdeutschen wiederum empfinden die Ostdeutschen teilweise als unzufrieden und anspruchsvoll. Gemeinsam sind Ost- und Westbürger der Auffassung, dass die jeweils andere Gruppe besserwisserisch ist.
Das Bild der West- und Ostdeutschen voneinander und von sich selbst ergab sich aus einer Umfrage des GfK-Vereins im Auftrag des Berlin-Instituts. Dessen Studie geht auf insgesamt 25 Themenfeldern der Frage nach, wie das vereinte Deutschland im vergangenen Vierteljahrhundert zusammengewachsen ist. "Das Ergebnis hat uns selbst erstaunt", erklärte der Direktor des Berlin-Instituts, Reiner Klingholz. "Ob bei der Bevölkerungsentwicklung, der Wirtschaftskraft, den Vermögen, den Erbschaften oder der Größe der landwirtschaftlichen Betriebe - überall zeichnet sich ziemlich exakt die alte Grenze ab."
Dabei schnitt der Osten nicht in auf allen Feldern schlechter ab. Zwar verfügen Ostdeutsche der Studie zufolge weiterhin nur über drei Viertel des Durchschnittseinkommens Westdeutscher. Zudem arbeiten Menschen in den neuen Ländern im Jahresdurchschnitt länger und weisen dennoch eine geringere Produktivität auf. Aber bei der Erwerbsbeteiligung von Frauen und bei der Kinderbetreuung liegt der Westen noch weit unter Ostniveau. Auch die Vorstellung, dass kleine Kindern durch Betreuung außerhalb des eigenen Zuhauses Schaden davontragen könnten, ist im Osten deutlich schwächer ausgeprägt.