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Urteil im Prozess um Billig-Brustimplantate PIP-Gründer soll für vier Jahre in Haft

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Es wird erwartet, dass Mas das Urteil anfechten wird.

(Foto: dpa)

Im Prozess um den weltweiten Verkauf von Brustimplantaten aus Billig-Silikon wird der Gründer des Herstellerunternehmens PIP zu vier Jahren Haft verurteilt. Jean-Claude Mas soll seine Kunden jahrelang bewusst getäuscht haben.

Im Prozess um den weltweiten Verkauf von Brustimplantaten aus Billig-Silikon ist der Gründer des französischen Herstellerunternehmens PIP zu vier Jahren Haft verurteilt worden. Ein Gericht in Marseille sah es als erwiesen an, dass der 74 Jahre alte Jean-Claude Mas seine Kunden jahrelang bewusst täuschte. Allein in Deutschland wurden schätzungsweise mehr als 5000 Frauen PIP-Implantate aus billigem und nicht für Medizinprodukte zugelassenem Industriesilikon eingesetzt.

Der Skandal war 2010 aufgeflogen, nachdem sich Hinweise auf eine erhöhte Reißanfälligkeit der Produkte gehäuft hatten. Behörden, darunter in Frankreich und Deutschland, empfahlen deswegen in einer beispiellosen Aktion ein vorsorgliches Herausoperieren der PIP-Brustimplantate.

Weltweit implantierten Chirurgen Schätzungen zufolge Hunderttausenden Frauen Silikonkissen des mittlerweile insolventen Unternehmens Poly Implant Prothèse (PIP). Mehr als 7000 von ihnen traten in dem ersten Strafprozess als Nebenkläger auf - wie auch der TÜV Rheinland. Der Prüfdienstleister war für die Zertifizierung der Implantate und des PIP-Qualitätssicherungssystems zuständig.

TÜV will selbst klagen

Der deutsche TÜV Rheinland wurde zwar kürzlich erstmals zu einem Millionen-Schadenersatz in Frankreich wegen mangelhafter Kontrollen verurteilt. Doch er sieht sich selbst als Opfer des Betruges von Mas und will als Nebenkläger das in Toulon in einem Zivilverfahren gefällte Urteil anfechten. Im Prozess hatte Mas seine frühere Aussage widerrufen, wonach er die TÜV-Kontrolleure bei ihren - angekündigten - Besuchen systematisch hinters Licht geführt habe.

"Es geht hier um ein System massiven Betrugs zum Schaden von tausenden Frauen, eine Täuschung, wie man sie selten gesehen hat", hatte Vize-Staatsanwalt Ludovic Leclerc in Marseille gesagt. Für die Angeklagten habe "das Geld über der Gesundheit anderer" rangiert. Allerdings konnte in mehreren Studien, über die während des Prozesses beraten wurde, keine Giftigkeit des PIP-Gels nachgewiesen werden. Manche Opfer machen die Billig-Einlagen sogar für Krebserkrankungen verantwortlich.

Quelle: n-tv.de, ppo/dpa/AFP

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